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Entwurf eines Gesetzes zur Weiterentwicklung der Kindertageseinrichtungen (WeitEntwKiTa)
Gesetzentwurf der Landesregierung
Antrag der Fraktion der FDP – Drs. 16/359
Drucksache: 16/336
-Plenarprotokoll-

Kita-Novelle auf dem Weg

Opposition kritisiert finanzielle Ausstattung
der Kindertageseinrichtungen

Kiel (SHL/09.11.). Mit harscher Kritik und einer Resolution hat die FDP auf die Gesetzesvorlage der Landesregierung zur Weiterentwicklung der Kindertageseinrichtungen reagiert: Die gut gemeinten Richtlinien, die den Ausbau und die Verbesserung der Kinder-Betreuung vorsehen, stünden in keinem Verhältnis zur finanziellen Situation der Kindertagesstätten, monierten die Liberalen. Der Posten von 60 Millionen Euro, den das Land jährlich in diesem Bereich zur Verfügung stelle, sei "lächerlich und unzureichend". Der in Erster Lesung auf den Weg gebrachte Entwurf sieht schwerpunktmäßig eine stärkere Zusammenarbeit der Kitas mit den Grundschulen vor. Darüber hinaus soll der Bildungsauftrag stärker beachtet werden, unter anderem in den Bereichen Sprache und Naturwissenschaften. 

Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) zeigte wenig Verständnis für die Kritik der Freien Demokraten: Angesichts der Finanzprobleme des Landes seien die im Haushalt fest verankerten 60 Millionen Euro eine starke Leistung. Wer das Land für Gebührenerhöhungen in den Kindergärten und Kindertageseinrichtungen verantwortlich mache, betreibe ein "Schwarze-Peter-Spiel". Unterstützt wurde die Ministerin von CDU und SPD. "Wir sind hier nicht bei ´Wünsch dir was`, sondern bei ´So ist es`", hieß es aus den Reihen der Regierungsfraktionen mit Blick auf die Haushaltslage des Landes.

Opposition will aktuelle Datengrundlage

Grüne und SSW forderten hingegen wie die Liberalen mehr Geld für die 1.635 Kindertageseinrichtungen, da die Grundschulen häufig mit den Bildungs- und Lerndefiziten der Kinder überfordert seien. Ein weiterer Kritikpunkt der Opposition zielte auf die Vergabe der Finanzmittel. Es könne nicht sein, dass die Mittelverteilung des Landes auf Zahlen des Jahres 2002 basiere. Vor diesem Hintergrund forderten die drei kleinen Landtagsparteien eine Kalkulation mit aktuellen Statistiken. Gleichwohl wurde die Resolution der FDP, die unter anderem eine genaue Kosteneinschätzung für die Kindertageseinrichtungen beim Land, bei den Kreisen, den kreisfreien Städten und Kommunen vorsah, mit der Mehrheit von Schwarz-Rot abgelehnt.

Den finanztechnischen Einwürfen der Opposition zum Trotz stieß das von der Landesregierung vorgelegte Gesetz zur Weiterentwicklung der Kindertageseinrichtungen inhaltlich auf breite Zustimmung . Danach will Schleswig-Holstein auf mehr Bildung im frühen Kindesalter sowie auf eine bessere Zusammenarbeit zwischen Grundschulen und Kindertageseinrichtungen setzen. Zudem soll das Gesetz den Eltern mehr Mitwirkungsrechte einräumen. Geplant ist die Gründung einer Landeselternvertretung.

Der Entwurf wurde an den Bildungsausschuss und mitberatend an den Sozialausschuss überwiesen.

Stimmen aus dem Plenum:

Heike Franzen (CDU): Mit dem Gesetz ist keine Verschulung der Kindertageseinrichtungen geplant. Die Leitlinien sind bewertet und weiterentwickelt worden.

Astrid Höfs (SPD): Ein großer Teil der Kindertagesstätten hat den Bildungsauftrag schon ernst genommen und Wissen kindgerecht vermittelt. Das Gesetz konkretisiert diesen Bildungsauftrag.

Ekkehard Klug (FDP): Die Neubewertung des Kindergartens als Bildungseinrichtung ist die wichtigste Neuheit. Wenn die Politik dies ernst nimmt, dann wird die kleine Kita-Novelle nur ein erster Trippel-Schritt in die richtige Richtung sein.

Monika Heinold (Grüne): Endlich wird die Kindertagesstätte ernst genommen. Lange Zeit galten kleine Gruppen und gut ausgebildete Lehrkräfte als Luxus, als grüne Spielwiese.

Lars Harms (SSW): Das Gesetz geht in die richtige Richtung. Weitere Verbesserungen sind allerdings nötig: So sollte das Kind noch stärker als Individuum in den Mittelpunkt gestellt werden. Dieser ganzheitliche Ansatz wird in Dänemark bereits vertreten.

Hintergrund:
  Die Landesregierung legt dem Landtag einen Gesetzentwurf zum Ausbau der Kindertagseinrichtungen im Lande vor. Er weist drei Schwerpunkte auf:
  • Bildungsauftrag: Als Konsequenz aus den PISA-Ergebnissen hat die Kultusministerkonferenz einen "gemeinsamen Rahmen der Länder für die frühe Bildung" beschlossen, der Grundlage des Gesetzentwurfs ist. Dieser Rahmen definiert sechs Schwerpunkte: Sprache; Zeichen, Schrift und Kommunikation; Ethik, Religion und Philosophie; Gestalten, Darstellen, Musik, Theater und Medien; Körper, Bewegung und Gesundheit; Kultur, Gesellschaft und Demokratie sowie Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. Daneben gibt es "Querschnittsdimensionen", wie zum Beispiel: Interkulturalität oder Förderung und Integration von behinderten Kindern.
  • Zusammenarbeit mit den Grundschulen: Um sicherzustellen, dass die Schule aufnimmt, was das Kind in der Kita gelernt hat, soll die Zusammenarbeit von Kitas und Grundschulen verbessert werden. Grundlage hierfür sind die "Empfehlungen zur Zusammenarbeit von Kindertageseinrichtungen, Grundschulen und Jugendhilfe".
  • Elternvertretungen: Wie im schulischen Bereich sollen sich auch die Eltern von Kita-Kindern in einer Landeselternvertretung organisieren können. Die 15 Kreiselternvertretungen sollen jeweils ein Mitglied in dieses Gremium entsenden. Das Bildungsministerium soll diesen Vertretungen "bei wesentlichen die Kindertageseinrichtungen betreffenden Fragen die Möglichkeit der Mitwirkung geben". Das Land will dies mit 35.000 Euro jährlich unterstützen. Dieser Plan geht auf eine Initiative der FDP-Fraktion aus der letzten Wahlperiode zurück.

Vertreter der Kita-Betreiber befürchten zusätzliche Arbeitsbelastungen für die Mitarbeiter. Der Mehrbedarf an Personal könne zu höheren Gebühren führen, hieß es. In Schleswig-Holstein gibt es nach Regierungsangaben 1.635 Kindertageseinrichtungen mit 93.643 Plätzen. Für die Jahre 2004 und 2005 stellt das Land den Kommunen jeweils 60 Millionen Euro für die Kitas zur Verfügung.
  In einem kurz vor der Aussprache vorgelegten Antrag fordert die FDP von der Landesregierung, vor Abschluss der Beratungen zu dem Gesetzentwurf eine aktuelle Sachstandserhebung zur Kostensituation in diesem Bereich zu erstellen.

mehr Informationen: plenum-online, Juni 2005
(www.sh-landtag.de/plenumonline/juni2005/
texte/08_17_kitagesetz_schuluntersuchung.htm)

mehr Informationen: plenum-online, Dezember 2004
(www.sh-landtag.de/plenumonline/dezember04/
texte/36_23_rauchschule_kitas.htm) 

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