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Land will der Infrastruktur
Beine machen Beschleunigte
Verkehrsplanung soll Wirtschaftsstandort stärken
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Kiel (SHL/09.11.)
Die Planungen von Verkehrs- und Infrastrukturprojekten in
Schleswig-Holstein sollen künftig schneller umgesetzt und damit
eine Initiative der Bundesregierung unterstützt werden. Das
auch von der Bauindustrie begrüßte Gesetzesvorhaben sei "ein
wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Investitions- und
Wachstumsbedingungen am Standort Deutschland", so
Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU). Ziel müsse es
sein, die planerischen Maßnahmen zu beschleunigen, wobei "demokratische
Rechte keinesfalls ausgehebelt werden, sondern lediglich
europäischem Recht angepasst werden sollen". Der Antrag
von CDU und SPD wurde nur von der FDP unterstützt. Grüne und
SSW votierten dagegen; sie sahen durchaus Bürgerrechte durch
die zügige Planungen beeinträchtigt.
Klaus Müller
(Grüne) begründete seine Ablehnung damit, dass „es keine
Abstriche bei der Bürgerbeteiligung und bei den Umweltstandards
geben darf". Weiterhin sei es wichtig, Investitions-Ruinen
durch übereilte Vorgehensweise zu vermeiden. Ähnlich äußerte
sich auch Lars Harms (SSW): "Beteiligung, Anhörung und
Klagerecht sind Bürgerrechte, die nicht abgeschafft werden
dürfen". Schließlich müssten sich betroffene Bürger
frühzeitig einbringen und sich Gehör verschaffen können,
ansonsten würde Demokratie ab- statt aufgebaut.
Schleswig-Holstein
habe "die schwächste Verkehrsinfrastruktur aller
westdeutschen Bundesländer, weshalb eine Verbesserung der
Infrastruktur die Voraussetzung privater Investitionstätigkeit
ist", hielt Johannes Callsen (CDU) dagegen. Bernd Schröder
(SPD) sah in den aktuellen Gesetzen den Ausdruck der "typisch
deutschen Regulierungswut". So könnten wichtige
Bauvorhaben durch die geplanten Maßnahmen bis zu zwei Jahre
verkürzt werden. Wichtig sei allerdings die Nachvollziehbarkeit
für alle Bürger. Heiner Garg (FDP) gab zu bedenken, dass
"schneller planen zu wollen, auch hieße, weitere
Planungsdesaster heraufzubeschwören". Allerdings seien
schnellere Genehmigungsverfahren von Bedeutung, da bisher "öffentlich-private
Partnerschaften gehemmt wurden".
Das im Mai von der
Bundesregierung initiierte Gesetz sieht die Befristung der
Beteiligung von Vereinen, den Verzicht auf Erörterungstermine
und die Verkürzung des Rechtsweges auf eine Instanz vor, um
große Infrastrukturprojekte schneller umsetzen zu können.
Für Ostdeutschland ist ein
Verkehrswege-Planungsbeschleunigungsgesetz bereits in Kraft.
Während der Bundesrat im September positiv auf die Initiative
reagiert hat, steht eine Beschlussfassung des neuen Bundestages
noch aus.
Hintergrund:
CDU und SPD fordern die
Landesregierung auf, sich auf Bundesebene für ein
Planungsbeschleunigungsgesetz einzusetzen, um große
Infrastrukturprojekte schneller umsetzen zu können.
Ein solches Gesetz hat das Bundeskabinett im Mai
auf den Weg gebracht. Es sieht unter anderem die
Befristung der Beteiligung von Vereinen, den Verzicht auf
Erörterungstermine und die Verkürzung des Rechtswegs auf
eine Instanz vor.
Für Ostdeutschland ist ein
Verkehrswege-Planungsbeschleunigungsgesetz bereits in
Kraft. Der Entwurf der Bundesregierung soll nun die
Planungszeiten in ganz Deutschland verkürzen. Während
der Bundesrat im September positiv auf die Initiative
reagiert hat, steht eine Beschlussfassung des neuen
Bundestages noch aus.
In Schleswig-Holstein befindet sich eine Reihe von
Infrastrukturprojekten derzeit in der Warteschleife. Dies
gilt zum Beispiel für die Autobahn A 20, die das Land von
der Elbquerung bei Glückstadt bis zur Grenze zu
Mecklenburg-Vorpommern südlich von Lübeck durchlaufen
soll. Das Projekt ist im Bundesverkehrswegeplan als
vordringlicher Bedarf aufgeführt. Gegen den
Trassenverlauf wurden mehrere Klagen eingereicht. Auch die
geplante Vertiefung der Unterelbe zwischen Hamburg und der
Nordsee für Schiffe mit einem Tiefgang von 14,50 Metern
ist bei Umweltschützern umstritten. Ähnliches gilt für
die Flughäfen in Lübeck-Blankensee und Kiel-Holtenau.
mehr
Informationen: plenum-online,
Januar
2005
(www.sh-landtag.de/plenumonline/januar2005/
texte/25_39_60_64_verkehrsinfra_bahn.htm)
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Privatisierung der Autobahnen
vorerst kein Thema
Landtag gegen höhere Kosten
für Pkw-Fahrer
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Kiel (SHL/09.11.).
Die Parteien des Landtages schließen zum jetzigen Zeitpunkt den
Verkauf des deutschen Autobahnnetzes aus. Grundsätzlich positiv
stehen die Abgeordneten aber dem weiteren Ausbau mit
finanzieller Unterstützung privater Partnerunternehmen
gegenüber – im Rahmen von sogenannten Public Privat Partnerships.
Union und SPD regen vor diesem Hintergrund unter anderem den
Weiterbau der A 20 mit fester Elbquerung sowie den Ausbau
der A 7 und A 21 an. Ein entsprechender Antrag der
Regierungsfraktionen wurde ebenso an den Wirtschaftsausschuss
überwiesen wie ein Antrag des SSW. Die Partei der dänischen
Minderheit hatte in dem Papier eine grundsätzliche Ablehnung
der Privatisierung des bestehenden Autobahnnetzes gefordert.
"Die staatliche
Infrastruktur gehört in staatliche Hände", begründete
Lars Harms (SSW) den Vorstoß. Den Bürgern müsse ein
diskriminierungsfreier Zugang zum Straßennetz ermöglicht
werden. Eine Maut wäre für Schleswig-Holstein als "Land
der Pendler" und wegen seiner Randlage problematisch,
befand Hans-Jörn Arp (CDU). Aber: Angesichts des engen
finanziellen Spielraums müsse auch über Alternativen
nachgedacht werden.
In dieselbe Richtung argumentierte Bernd
Schröder (SPD): Die Debatte eines Autobahnverkaufs müsse
ergebnisoffen geführt werden. Die Fernverkehrs-Straßen hätten
einen Wert von 127 Milliarden Euro. Diese Summe würde die
Schulden des Bundes auf einen Schlag um 15 Prozent senken.
Heiner Garg (FDP) mahnte an, zwischen
bestehenden und geplanten Autobahnen zu unterscheiden. Der
Steuerzahler sei schließlich für das bestehende Verkehrsnetz
schon einmal zur Kasse gebeten worden. "Das, was möglich
ist, ist nicht immer sinnvoll, pflichtete Klaus Müller (Grüne)
dem Liberalen bei. Die Privatisierung des bestehenden
Autobahnnetzes halte er für falsch. Denkbar sei hingegen eine
Ausweitung der Lkw-Maut für Fahrzeuge ab 1,5 Tonnen und eine
stärkere Verlagerung des Lkw-Verkehrs auf die Schiene.
Über die Autofahrer fließen dem Bund jährlich
41 Milliarden Euro zu, davon werden rund fünf Milliarden Euro
für Bundesfernstraßen ausgegeben, rechnete Wirtschaftsminister
Dietrich Austermann (CDU) vor. Deshalb würden sich zusätzliche
Einnahmequellen nicht rechtfertigen lassen.
Hintergrund:
Der SSW fordert den Landtag auf,
sich gegen eine Privatisierung des deutschen
Autobahnnetzes auszusprechen.
Der designierte Bundes-Finanzminister Peer
Steinbrück (SPD) hatte diesen Schritt zur Sanierung des
Bundeshaushalts angeregt. Während der Hauptverband der
Deutschen Bauindustrie den Plan unterstützt, haben unter
anderem die Verkehrsminister des Bundes und der Länder
den Vorstoß zurückgewiesen. Die Kritik: Ein Verkauf der
Fernstraßen an private Investoren hätte eine PKW-Maut
und damit zusätzliche Belastungen für Autofahrer zur
Folge.
Auch ein kurz vor der Sitzung eingebrachter Antrag
von Schwarz-Rot lehnt den Verkauf des Autobahnnetzes
"zum derzeitigen Zeitpunkt" ab. Allerdings
sollten für einige Projekte, wie insbesondere für den
Weiterbau der A 20 mit fester Elbquerung sowie den Ausbau
der A 7 und A 21, alle öffentlichen und privaten
Finanzierungsquellen (zum Beispiel Public Privat
Partnership-Projekte) genutzt werden.
Der Wert des 12.500 Kilometer langen deutschen
Autobahnnetzes wird von Experten unterschiedlich
eingeschätzt: Das Statistische Bundesamt spricht von
einem Zeitwert von 52,5 Milliarden Euro, das
Prognos-Institut geht von 127 Milliarden aus, das Institut
für Wirtschaftsforschung von 213 Milliarden.
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