Auf dieser Seite: Gymnasiale Oberstufe 

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Eckpunkte für die Reform der Oberstufe und die Verkürzung der Schulzeit
Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Drucksache: 16/313
-Plenarprotokoll-

Disput um Reform der Oberstufe

Wege zum schnelleren Abitur sind im Landtag strittig

Kiel (SHL/10.11.) Eine grundlegende Reform der Oberstufe an den Gymnasien Schleswig-Holsteins ist weiterhin umstritten. Einigkeit herrschte im Plenum nur darin, die Gymnasial-Zeit zu verkürzen. Während CDU und SPD dabei anstreben, das Gymnasium auf zwölf Jahre zu verkürzen, hatten die Grünen per Antrag dafür plädiert, dass die Oberstufen-Schüler entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit das Abitur ablegen können – im schnellsten Fall also mit einem "Turbo-Abi" nach elfjähriger Schulzeit. Gleichzeitig lehnte die Oppositionspartei die von Schwarz-Rot geplante Abschaffung des Kurssystems ab und sprach sich stattdessen für die Zusammenfassung der Kursangebote mehrerer Schulen aus. Und: Anstatt zentraler Abschlussprüfungen solle eine regelmäßige Evaluation der Schulen erfolgen. Diesen Grundthesen folgte in der Debatte jedoch nur der SSW.

Die übrigen Fraktionen bevorzugten das jüngst vom Philologenverband vorgelegte Oberstufen-Modell. Dieses sieht vor, dass jede Schule mindestens zwei "Profile" entwickelt, etwa ein sprachliches, ein naturwissenschaftliches, ein gesellschaftswissenschaftliches oder ein musisch-künstlerisches. In den jeweiligen Fächern soll dann mehr unterrichtet werden als in Schulen mit anderem Profil. In Deutsch, Englisch und Mathematik soll es überall je vier Wochenstunden geben, mit durchschnittlich rund 20 Schülern je Lerngruppe. Als Abschluss ist ein Zentralabitur vorgesehen. Die Grünen planen dagegen, dass an den Gymnasien das Abitur in einer flexiblen Oberstufe mit zwei Alternativen möglich sein soll: Entweder in Zentren, zu denen die Oberstufen an einem Ort zusammengelegt werden, oder in Verbünde, zu denen sich benachbarte Gymnasien und Gesamtschulen formieren. Statt Zentralabitur fordern die Grünen regelmäßige und zu veröffentlichende Vergleichsarbeiten, damit die Schüler nicht nur für eine Prüfung lernen, und eine Qualitätsdebatte in Gang kommen kann.

Grüne betonen Chancengleichheit

Karl-Martin Hentschel (Grüne) hob bei der Begründung des Antrags die Bedeutung der Chancengleichheit hervor. "Es muss jedem Schüler möglich sein, Abitur zu machen" – also, ob mit Turbo-Abi oder ohne. "So können wir erreichen, dass wir die Schulzeit verkürzen und trotzdem mehr Jugendliche als heute Abitur machen", betonte Hentschel. Zugleich sprach er sich für einen kreativen Wettbewerb unter den Schulen aus, der durch Evaluation und regelmäßige Untersuchungen gesichert werde, denn: " Die Kinder sollen im Mittelpunkt stehen, nicht modische Ideologien". Ähnlich äußerte sich auch die Vorsitzende des SSW im Landtag, Anke Spoorendonk. Sie warf der Landesregierung vor, dass "die anstehenden Änderungen weniger mit der Schule als mit den Finanzen zu tun haben". Das Philologenmodell sei eine "Quadratur des Kreises" und das angestrebte Zentralabitur steuere "den Unterricht und nicht umgekehrt". Alles in allem würden die Gymnasien einem "demokratischem Schulsystem mit gleichen Chancen nicht gerecht werden".

Susanne Herold (CDU) bezeichnete dagegen den Antrag der Grünen als "voreilig", denn die geforderten Oberstufenzentren beziehungsweise -verbünde seien ein "zu hoher logistischer und organisatorischer Aufwand". Dieser Meinung schloss sich Henning Höppner (SPD) an, der zudem den "bundesweiten Trend, das Abitur nach zwölf Jahren zu machen", hervorhob. Ekkehard Klug (FDP) kritisierte am Modell der Grünen, dass ein Beibehalten des Kurssystems "zu personalaufwändig" sei. Ziel müsse es vielmehr sein, "eine Oberstufe mit vielen unterschiedlichen Profilen zu schaffen und gleichzeitig die Allgemeinbildung zu stärken".

Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) mahnte an, auf "die Kritik von Hochschulen und Wirtschaft an der Studierfähigkeit der Abiturienten" und auf „pädagogische und demographische Tendenzen" zu reagieren. Sie hob jedoch auch hervor, dass Schleswig-Holstein in der neuen PISA-Studie in allen Schularten im oberen Drittel liege.

Hintergrund:
  Die Grünen legen dem Landtag ein Modell zur Reform der gymnasialen Oberstufe und zur Verkürzung der Schulzeit vor. Es beinhaltet folgende Schwerpunkte:
  • Kinder sollen bereits im Kindergarten und in der Grundschule intensiv individuell gefördert werden, damit sie bereits nach neun Jahren den Realschulabschluss beziehungsweise den Übergang in die gymnasiale Oberstufe erreichen.
  • In der Oberstufe sollen die Schüler entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit innerhalb von vier bis acht Semestern das Abitur ablegen können. Im schnellsten Fall wäre also ein "Turbo-Abi" nach elf Jahren möglich.
  • Die Grünen lehnen die von der Landesregierung für 2008 geplante Abschaffung des Kurssystems in der Oberstufe ab und sprechen sich stattdessen für die Zusammenfassung der Kursangebote mehrerer Schulen aus. Dadurch soll trotz sinkender Schülerzahlen ein breites Lehr-Angebot sichergestellt werden.
  • Anstatt zentraler Abschlussprüfungen plädieren die Grünen für eine regelmäßige Evaluation der Schulen.

Der Vorschlagskatalog der Grünen ist Teil eines intensiven Diskurses zu diesem Thema. So schlägt der Philologenverband so genannte "Profil-Oberstufen" vor, in denen weitgehend im Klassenverband unterrichtet werden soll. Neben Pflichtstunden in Deutsch, Mathematik und Englisch sollen sich die Schüler auf ein sprachliches, ein naturwissenschaftliches, ein gesellschaftswissenschaftliches oder ein künstlerisches Profil spezialisieren können. Die Landesregierung hat eigene Vorschläge angekündigt. Sie will unter anderem die Gymnasialzeit grundsätzlich von 13 auf zwölf Jahre verkürzen.

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