|
Opposition verurteilt
Austermanns Pläne zur Uni-Fusion
Landtag mahnt weiteren
Diskussionsbedarf an
Kiel (SHL/11.11.).
Die Oppositionsfraktionen haben ihre bereits öffentlich geäußerte
Kritik an der von Wissenschaftsminister Dietrich Austermann
(CDU) vorgeschlagenen Zusammenlegung der Hochschulstandorte in
Schleswig-Holstein wiederholt. Auch die SPD meldete erneut Skepsis
an. In der Landtagsdebatte zu einem Antrag des SSW für den Erhalt
der drei Hochschulen in Kiel, Lübeck und Flensburg bezeichnete
Austermann sein Eckwert-Papier für die Fusion als
Diskussionsgrundlage. Er räumte zudem ein, dass über weitere
Punkte wie Studiengebühren und Prämienstruktur noch
Abstimmungsbedarf mit dem Koalitionspartner bestehe.
Anke Spoorendonk (SSW)
kritisierte, dass die von Austermann vorgelegten Eckpunkte zum
Hochschulgesetz "viel Lärm um nichts" seien. Sie befürchte,
eine Hochschulfusion führe zur Benachteiligung der kleineren
Standorte in Lübeck und Flensburg. Zudem verwies sie auf das Urteil
der Landesrektorenkonferenz (LRK), das keine Verbesserung der
finanziellen Situation durch einen Hochschulzusammenschluss sehe.
Der Bildungsexperte der Liberalen, Ekkehard Klug, bezeichnete die
Vorstellung, mit zusammengelegten Hochschulen "in die universitäre
Oberliga aufzusteigen" zu können, als "weltfremd".
Er schlug weitere Experten-Anhörungen im Ausschuss vor. Und
Karl-Martin Hentschel (Grüne) fertigte die Pläne mit den Worten
ab: "Das war ein netter Versuch, aber der Fusionsreaktor
Austermann ist expoldiert."
Auch Landesrektorenkonferenz gegen Fusion
Niclas Herbst (CDU) sah Probleme der deutschen
Hochschulen im internationalen Vergleich und kritisierte
gleichzeitig den Diskussions-Stil der Beteiligten, da "so keine
Reformen möglich" seien. Auch der SPD-Abgeordnete Jürgen
Weber gab zu verstehen, dass "die Vor- und Nachteile der
Vorschläge Austermanns genau abgewogen" und in den nächsten
Monaten diskutiert werden müssten. "Hätte es aus Sicht der
SPD in der Hochschulpolitik akuten Handlungsbedarf gegeben, wäre
etwas im Koalitionsvertrag vereinbart worden."
Die Landesrektorenkonferenz der
schleswig-holsteinischen Hochschulen hält die geplante Universitätsfusion
für zwecklos, da Kosteneinsparungen und Synergieeffekte in keiner
Weise belegt seien. Anstelle einer Zusammenlegung sollten
strukturell, organisatorisch und finanziell Rahmenbedingungen
geschaffen werden, damit die einzelnen Hochschulen national und
international wettbewerbsfähig bleiben könnten, hieß es gestern
aus dem Gremium.
Das Thema wird im Bildungssausschuss weiterberaten.
Hintergrund:
Der SSW fordert den Landtag auf, sich gegen die
von Wissenschaftsminister Dietrich Austermann (CDU)
geplante Fusion der drei Hochschulen in Kiel, Lübeck und
Flensburg zu einer Landes-Universität auszusprechen.
Austermann hat den Zusammenschluss in einem Entwurf
zur Novellierung des Landehochschulgesetzes anvisiert.
Alle drei Teilstandorte sollen erhalten bleiben, der
Verwaltungssitz soll Kiel sein. Die Christian Albrechts
Universität in der Landeshauptsstadt ist mit 21.000
Studenten der größte Hochschul-Standort im Lande vor
Flensburg (3.800) und Lübeck (2.600). Das
Wissenschaftsministerium will durch die Fusion Kosten
sparen, wissenschaftliche Synergien erreichen und
Doppelangebote abbauen. Auch soll die Eigenverantwortung
der Unis gestärkt werden.
Die Pläne sind in allen drei Städten kritisch
aufgenommen worden. Rektorat, Dekanat und Beirat der
Lübecker Uni befürchten durch den Zusammenschluss eine
unflexible "Massenuniversität". Zudem sehen sie
Nachteile für den Standort Lübeck, an dem bis zu 6.000
Arbeitsplätze zur Disposition stünden. In Flensburg
haben Vertreter der Universität und der Lokalpolitik
gegen das Vorhaben protestiert. Die Ratsversammlung hat
einstimmig eine Resolution verabschiedet, in der vor einer
Benachteiligung der Fördestadt gewarnt wird. Auch die
Leitung der Kieler Uni fordert eine Überarbeitung der
Pläne.
|
|