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Zwischenbericht zur Verwaltungsstrukturreform des Landes
(Landtagsbeschluss vom 1. September 2005 – Drs. 16/214)
Federführend ist das Innenministerium
Drucksache: 16/345
-Plenarprotokoll-

Streit um Verwaltungs-
Strukturreform schwelt weiter

Innenminister Stegner: Land kann sich Stillstand nicht leisten / 
Opposition warnt vor Kompetenzstreitigkeiten


Minister Ralf Stegner (SPD/links) und Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU): Die Reform der Verwaltung in den Gemeinden ist eines der wichtigsten Ziele der großen Koalition

Kiel (SHL/09.11.). Der Streit um den von der großen Koalition beabsichtigten Umbau der Verwaltung in den Gemeinden Schleswig-Holsteins schwelt weiter: Mit heftiger Kritik hat die Opposition auf einen Zwischenbericht zum Stand der Reform von Innenminister Ralf Stegner (SPD) reagiert. SSW und Grüne warnten vor Abstimmungsschwierigkeiten zwischen Kommunen, Kreisen und Gemeinden auf der einen Seite und den künftigen Ämtern mit der von der Landesregierung anvisierten Mindestgröße von 8.000 Einwohnern auf der anderen Seite. Stegner verteidigte das Vorhaben: Im Zuge der Reform würden Doppelzuständigkeiten überwunden und die kleinteilige Verwaltung beseitigt. Die Regierungsfraktionen von CDU und SPD bezeichneten die Reform als Schritt in die richtige Richtung: Die Verwaltung müsse effizienter und kostengünstiger werden.

Harsche Kritik beschied die Opposition auch an dem vorgelegten Bericht des Innenministeriums: Das vom SSW beantragte Papier zeuge von einem blinden Aktionismus, es "verschweigt mehr, als es aussagt", monierte die Vorsitzende des SSW im Landtag, Anke Spoorendonk. Statt einer Analyse der Situation werde auf die Globalisierung verwiesen. "Dieser Bericht ist eine Banalität", fügte Günther Hildebrand (FDP) hinzu. Er bestehe aus Worthülsen und trage dem Informationsbedürfnis nicht einmal ansatzweise Rechnung.

In der Sache zeigte sich die Opposition dagegen uneins: Während Spoorendonk dem geplanten Verwaltungsumbau eine Absage erteilte und sich statt dessen für eine Gemeindegebietsreform stark machte, bewertete Hildebrand die Reform-Pläne grundsätzlich positiv. Kritik äußerte er vielmehr am Vorgehen des Innenministers: Stegner würde die Menschen über die Pläne der Landesregierung nicht genügend informieren. Viele Bürger hätten deshalb beispielsweise Angst um ihre Feuerwehr vor Ort – um die es bei der Verwaltungsreform aber gar nicht gehe. "Der Aufbau einer zusätzlichen Regionalverwaltung macht alles nur komplizierter", konstatierte Karl-Martin Hentschel (Grüne). Leider sei den Sozialdemokraten das Herz in die Hose gerutscht: Unter der Ägide von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) habe sich die SPD vom ehrgeizigen Plan der ehemaligen rot-grünen Koalition verabschiedet, aus 250 Verwaltungen 70 zu machen.

Land lockt mit finanzieller Unterstützung

Im Zuge der Reform würden Doppelzuständigkeiten abgebaut, weitere Aufgaben an die Kommunen übertragen, hielt Innenminister Stegner dagegen. Dabei setze die Landesregierung auf die Freiwilligkeit. Und: Wer mit gutem Beispiel vorangehe, dem winke finanzielle Unterstützung. Das Land habe für die Reform, die bis zum 1. April 2007 in ein Gesetz gegossen werden soll, 15 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

"Die eingeleiteten Maßnahmen sind der Schritt in die richtige Richtung", stellte der Fraktionsvorsitzende der CDU, Johann Wadephul, klar. Damit die Reform nicht auf Kosten der Kommunen gehe, seien rechtliche Festlegungen vorgesehen. Bei der Reform sei Eile geboten, so Wadephul: Die Verwaltung müsse mit Blick auf die vielen Beschäftigten in den Amtsstuben kostengünstiger werden – allein in Kiel gebe es beispielsweise 4.000 Mitarbeiter in der Verwaltung.

Eigeninteressen in den Leitungsfunktionen der Ämter dürfen die Reform nicht verhindern, betonte Klaus-Peter Puls (SPD). Einer vom SSW angeregten Gebietsreform erteilte er hingegen eine Absage: Jede noch so kleine Gemeindevertretung im Lande werde ihre Arbeit fortsetzen können: Es sei denn, dass Kommunen sich zu einem freiwilligen Zusammenschluss durchringen würden.

Der Bericht wurde dem Innen- und Rechtsausschuss zur weiteren Beratung zugeleitet.

Hintergrund:
  Auf Antrag des SSW berichtet die Landesregierung über den aktuellen Stand der Verwaltungsstrukturreform.
  Die schwarz-rote Koalition setzt auf kommunale Zusammenschlüsse. Das Ziel ist eine Mindest-Einwohnerzahl von 8.000 auf Amtsebene. Dies soll bis 2007 erreicht werden, ansonsten drohen gesetzliche Zwangsvereinigungen. Auf diese Weise soll die Zahl der kommunalen Verwaltungen von derzeit 215 auf etwa 160 reduziert werden. Das Innenministerium erwartet dadurch jährliche Entlastungen in Höhe von zehn Millionen Euro. Zudem sollen die Kompetenzen von Landesbehörden (unter anderem Umweltämter, Ämter für ländliche Räume und Katasterämter) an die Kreise und kreisfreiern Städte abgegeben werden, die für die Aufgaben vier bis fünf so genannte "Dienstleistungszentren" einrichten sollen. Eine Kreisgebietsreform hingegen ist nicht geplant. Gegen die Pläne regt sich Widerstand bei den betroffenen Gemeinden.
  Trotz seiner geringen Größe von nur gut 15.700 Quadratkilometern und seiner Position als zweitkleinstes der deutschen Flächenländer weist Schleswig-Holstein eine vielschichtige Verwaltungsstruktur auf. Seit der letzten Gebietsreform 1974 gibt es elf Kreise sowie vier kreisfreie Städte (Kiel, Lübeck, Flensburg, Neumünster). Die Kreise sind in 1126 Gemeinden, darunter 58 kreisangehörige Städte, aufgeteilt. 1024 kleine Gemeinden sind in 118 Ämtern zusammen geschlossen. Angesichts der kommunalen Finanzprobleme hat die Diskussion um eine erneute Gebietsreform und eine Neuaufteilung der Verwaltungskompetenzen an Aktualität gewonnen.

mehr Informationen: plenum-online, Mai 2005
(www.sh-landtag.de/plenumonline/mai2005/
texte/08_17_kommunales_verwaltung.htm)

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