|
Schleswig-Holstein soll
noch familienfreundlicher werden
Landtag diskutiert
Antwort der Landesregierung
auf eine Große Anfrage
Kiel (lno/SHL/30.11.)
Die Landesregierung will Schleswig-Holstein zum familienfreundlichsten Bundesland entwickeln. Sozialministerin Gitta
Trauernicht (SPD) kündigte im Landtag an, die Betreuungsangebote für Kinder weiter auszubauen und ein
Frühwarnsystem zur Erkennung sozialer Brennpunkte einzurichten. Schleswig-Holstein wolle in diesem Bereich eine Vorreiterrolle
einnehmen, unterstrich die Ministerin. "Eine gute Familienpolitik
gleicht die materiellen und sozialen Nachteile aus und gibt allen Kindern von Anfang an gleiche Chancen für ihren Lebensweg, damit
Herkunft nicht über Zukunft entscheidet", erklärte Trauernicht in der
Antwort der Landesregierung auf eine Große Anfrage der CDU zu diesem
Thema.
Als Beispiele für das Beratungs- und Betreuungsangebot führte sie
die stark gestiegene Zahl der Krippen- und Kindergartenplätze an.
Zwischen 1990 und 2002 habe sich die Zahl der Krippenplätze versiebenfacht, die Zahl der Kindergartenplätze von 43.000 auf 87.000
verdoppelt, sagte Trauernicht. Zudem gebe es neben den Einrichtungen
auf Landesebene immer mehr lokale Bündnisse, die vor allem sozial
schwache Familien bei der Erziehung ihrer Kinder unterstützten. Auch
die familienpolitische Sprecherin der CDU, Frauke Tengler, betonte,
Schleswig-Holstein wolle das "kinder- und familienfreundlichste"
Bundesland in Deutschland werden. Die schwarz-rote Landesregierung
habe bereits ein "eindrucksvolles Netzwerk an Hilfs- und Beratungsangeboten" für Familien geschaffen.
In der erneuten familienpolitischen Aussprache –
zuletzt hatte sich der Landtag im Januar und Juni diesen Jahres
der Familienpolitik angenommen – sprach sich Ulrike Rodust (SPD)
für eine Neuregelung der Familienförderung und gegen das
bedarfsunabhängige Kindergeld aus: "Das ist eine
Gießkannenförderung per Excellence", sagte sie.
Opposition
kritisiert Lücken im Bericht
Die Fraktionen von FDP, Grünen
und SSW kritisierten den Familienbericht als "lückenhaft". Der familienpolitische Sprecher der
FDP, Heiner Garg, bemängelte, die Landesregierung treffe kaum Aussagen zur Situation von gleichgeschlechtlichen Paaren und so
genannten "Patchwork-Familien". Hier habe die Realität die Politik
eingeholt. Der SSW-Abgeordnete Lars Harms vermisste vor allem Angaben
zu entsprechenden Angeboten in der Wirtschaft: "Gerade die betriebliche Wirklichkeit ist es doch, die die Entscheidungen zu
Gunsten einer Familie besonders stark beeinflussen."
Die Grünen forderten, Kindertagesstätten zu Familienzentren
auszubauen. Erziehungsberatung, Sprachförderung und Gesundheitsförderung sollten Teil des Kindertagesstättenangebots
werden, erklärte die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen,
Monika Heinold. Dies erleichtere es Eltern, solche Hilfsangebote auch
anzunehmen. Die Fraktionen von CDU und SPD begrüßten die
Initiative im Grundsatz, betonten aber, es werde keine zusätzlichen
Mittel für ein solches Pilot-Projekt geben.
Hintergrund:
In ihrer 90-seitigen Antwort auf eine Große
Anfrage der CDU zur Familienpolitik nimmt die
Landesregierung zu verschiedenen Aspekten dieses
Themenbereichs Stellung.
Einige Punkte des Papiers aus dem
Sozialministerium:
- Beratungs- und
Hilfsangebote:
Die Wohlfahrtsverbände nehmen, in Absprache mit den
zuständigen Jugendämtern der Kreise und kreisfreien
Städte, die Beratung vor – etwa bei
Entwicklungsauffälligkeiten, Schulproblemen,
Suchtproblemen, Straftaten der Kinder und Jugendlichen
oder Misshandlungen. Dem Regierungspapier zufolge sind
diese Stellen im Jahr 2004 knapp 15.000 Mal
kontaktiert worden. Weitere Einrichtungen in diesem
Bereich sind die Kinder- und Jugendtelefone, die
Schuldenberatungen, die Familienbildungsstätten oder
die landesweit zwölf Bündnisse für Familie. Das
Land fördert diese Projekte finanziell.
- Vereinbarkeit von
Familie und Beruf:
Für die rund 55.000 Landesbeschäftigten gibt es die
Möglichkeit, sich etwa durch Teilzeitarbeit, ein
Sabbatjahr oder Beurlaubung intensiver um den
Nachwuchs zu kümmern. Angesichts der demografischen
Entwicklung und eines zu erwartenden erheblichen
Mangels an Schulabgängern im Jahr 2020 erkennt nach
Darstellung des Ministeriums auch die Wirtschaft
zunehmend die Bedeutung des Themas und engagiert sich
in Projekten wie "Standortfaktor
Familienfreundlichkeit" oder "Chefsache
Familie". Elf Beratungsstellen "Frau und
Beruf" kümmern sich um den beruflichen
Wiedereinstieg nach einer Kinderpause.
- Kinderbetreuung:
Die Zahl der Kindergartenplätze ist landesweit dem
Regierungsbericht zufolge zwischen 1990 und 2002 von
knapp 43.000 auf gut 87.000 angestiegen. Im gleichen
Zeitraum erhöhte sich die Anzahl der Krippenplätze
für Unter-3Jjährige von 311 auf 2.092. Die
monatlichen Elternbeiträge für ein Ganztagsbetreuung
haben sich zwischen 1996 und 2003 im Schnitt von 138
auf 230 Euro erhöht. Genau Aussagen über die
Entwicklung des Bedarfs in den kommenden Jahren
enthält der Bericht nicht, da „landesweite
Bedarfserhebungen nach einem einheitlichen
Muster" nicht vorgenommen würden.
- Familiengerechtes
Wohnen: Die
Landesregierung geht von einem Zusatzbedarf von 74.000
Wohnungen bis 2020 aus, davon knapp die Hälfte im
Hamburger Umland. Die Regierung verweist in diesem
Zusammenhang auf die soziale Wohnbauförderung. Von
den Familien, die in Mietwohnungen leben, gibt dem
Bericht zufolge die große Mehrheit bis zu 20 Prozent
des Einkommens für die Miete aus. Diesen Wert hält
das Ministerium für „vertretbar". Zudem wird
darauf verwiesen, dass die Eigentumsquote bei Familien
in Schleswig-Holstein bei 49,9 Prozent liegt (Stand:
2003) und damit oberhalb des Bundesdurchschnitts von
45 Prozent. Nach der Abschaffung der Eigenheimzulage
sind die Förderangebote des Landes beim Erwerb von
Wohnraum überwiegend auf Eltern und Alleinerziehende
ausgerichtet.
|
|