In dem Interview hatte sich der Regierungschef auf
die Entscheidung des nordfriesischen Kreistages vom vergangenen
Freitag bezogen. Hintergrund: Die Kommunalpolitiker hatten auf
Antrag der CDU mit großer Mehrheit die erst Ende Juni
beschlossene Satzung über die Elternbeteiligung wieder
aufgehoben. Ministerpräsident Carstensen hatte daraufhin von
einem Arbeitsbesuch aus Indien die Regelung in Frage gestellt und
am Tag vor der Landtagsdebatte die Abschaffung des Elternbeitrages
vom Schuljahr 2008/2009 an in Aussicht gestellt. Dazu müsste das
Anfang des Jahres beschlossene Schulgesetz geändert werden.
Diskussion um Vorwürfe des Rechtsbruchs
Die Opposition bemängelte bei der Begründung
zweier von Grünen und SSW eingebrachten Dringlichkeitsanträge,
die Landesregierung akzeptiere einen öffentlich angekündigten
Rechtsbruch: Es sei "nicht hinnehmbar", so Ekkehard Klug
(FDP), "diesen Zustand bis zum August 2008 bestehen zu
lassen, wenn mehrere Kreise geltendes Landesrecht nicht
umsetzen". Neben Nordfriesland sperrt sich auch Dithmarschen
gegen die Elternbeteiligung. "Welche Sanktionsmöglichkeiten
hat die Landesregierung hiergegen?", wollte Anke Spoorendonk
(SSW) von der Koalition wissen.
Auch Monika Heinold (Grüne) machte "quasi
einen rechtsfreien Raum" aus, weil Innenminister Ralf Stegner
(SPD) die Umsetzung des Schulgesetzes torpediere. Diesen Vorwurf
wies SPD-Fraktionschef Hay vehement als
"ehrabschneidend" zurück. Eine Gleichbehandlung der
Eltern sei so nicht mehr sichergestellt, so Heinold weiter:
"Eltern in Kreisen, die sich rechtskonform verhalten, werden
betrogen." Ihre Fraktion hatte einen Gesetzentwurf vorgelegt,
mit dem sie zur alten Regelung im Schulgesetz zurückkehren will.
Demnach dürften Eltern nur dann an den Kosten beteiligt werden,
wenn die Schülerfahrkarte als Netzkarte auch privat genutzt wird.
CDU will erst parteiintern beraten
CDU-Fraktionschef Johann Wadephul warf den Grünen
vor, mit diesem "verspäteten" Vorstoß lediglich
populistische Ziele zu verfolgen. "Die politische Debatte
gibt es seit einem Jahr. Sie hätten den Gesetzentwurf schon lange
vorlegen können", so Wadephul in Richtung der
Oppositionsfraktion. Es gebe "ein Gesetz, das gilt"
sowie "Sanktionsmöglichkeiten" gegen das nordfriesische
Votum durch den Landrat, das Bildungsministerium und die
Kommunalaufsicht des Innenministeriums. Der Landtag sei hier nicht
unmittelbar zuständig.
Am Wochenende will sich ein Landesparteitag der
CDU mit dem Thema befassen. Hiermit begründete Wadephul auch die
Weigerung seiner Fraktion, das Thema im Plenum vertieft zu
behandeln: "Entscheidungsfindungen in Volksparteien brauchen
Zeit – das ist normal". Er kündigte eine Landtagsdebatte
für Dezember an.