Kommt die Ampel
für Lebensmittel?
Mehrheit im Landtag steht englischem
Vorbild skeptisch gegenüber
Kiel (SHL/22.11.) Mit
Skepsis haben die Landtagsabgeordneten auf eine SSW-Forderung nach
einer verpflichtenden Nährwert-Kennzeichnung von Lebensmitteln
reagiert. Weite Teile des Plenums meldeten Zweifel an der
Wirksamkeit der von der dänischen Minderheitspartei favorisierten
Ampelbewertung nach englischem Vorbild an. Dort wird die Qualität
eines Lebensmittels mit den Farben rot, gelb oder grün auf der
Packung kenntlich gemacht. Dabei steht rot für besonders ungesund,
gelb für vertretbar und grün für besonders gesund. Insbesondere
den Vertretern von Union und SPD schien die farbliche Kennzeichnung
zu "simpel".
"Mit einfachen Farben einfache Lösungen zu
vermitteln", sei schlicht der falsche Weg, schloss der für den
Verbraucherschutz zuständige Umweltminister Christian von
Boetticher (CDU) an. Einigkeit herrschte im Plenum, dass eine
Debatte um die Kennzeichnung von Lebensmitteln angesichts der
weitverbreiteten Fettleibigkeit unverzichtbar sei. SSW und Grüne
kritisierten in diesem Zusammenhang vor allem
Verbraucherschutzminister Horst Seehofer. Sein Streben nach
freiwilligen Vereinbarungen mit der Lebensmittelindustrie
brandmarkte Lars Harms (SSW) als "Feigheit". Er warnte
zudem vor "Tricksereien", die die Gewährleistung der
Vergleichbarkeit von Produkten verhindern könnten. Diesen
Vorwürfen trat von Boetticher entgegen: Seehofer halte sich an
EU-Recht. Und: Man könne den deutschen Markt nicht regulieren, da
er wegen der vielen ausländischen Anbieter aus der EU gar nicht zu
regulieren sei.
Der SSW-Antrag wurde zur Beratung an den
Sozialausschuss und mitberatend an den Umwelt- und Agrarausschuss
sowie den Wirtschaftausschuss überwiesen.
Weitere Stimmen aus dem Plenum:
Ursula Sassen (CDU): Die Ampelkennzeichnung ist
nur auf den ersten Blick plausibel: In Maßen kann auch ein Produkt
mit drei roten Punkten gesund sein.
Siegrid Tenor-Alschausky (SPD): Eine
niederländische Studie zeigt, dass Jugendliche bewusst nach
Produkten greifen, die als "ungesund" deklariert sind.
Nach dem Motto: Was ungesund ist, muss gut schmecken.
Günther Hildebrand (FDP): In Amerika werden
Positiv-Auslobungen verteilt. Das heißt, Lebensmittel, die für die
Ernährung besonders empfehlenswert sind, werden besonders
gekennzeichnet.
Detlef Matthiessen (Grüne): Es geht um eine
klare und verständliche Kennzeichnungen. Was Seehofer plant, führt
dazu, dass der Verbraucher den Laden mit Taschenrechner und Lehrbuch
betreten muss.