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Kein landesweites
Bündnis
gegen Essstörungen
Kiel (SHL/22.11.)
Die Grünen sind mit ihrem Vorstoß gescheitert, ein
"Bündnis gegen Essstörungen" zu gründen. In ihm
sollten Fachkliniken, niedergelassene Ärzte, Therapeuten und
Versicherungsträger ihre Angebote vernetzen. Zudem wollten die
Grünen die Landesregierung auffordern, durch gezielte
Öffentlichkeitsarbeit insbesondere Mädchen und junge Frauen
über die Gefahren eines übertriebenen Schlankheitsideals
aufzuklären. Vertreter von CDU und SPD, die gegen den Antrag
stimmten, halten die bestehenden Hilfsangebote zwar für
ausbaufähig, aber insgesamt für ausreichend. Die Liberalen
unterstützten den Vorstoß, der SSW enthielt sich.
Die Große Koalition verweigere Hilfsangebote für
Menschen mit Essstörungen, monierte die Grünen-Abgeordnete
Angelika Birk, die "landesweit nur lückenhafte
Angebote" in diesem Bereich ausmachte. Dem widersprach
Gesundheitsministerin Gitta Trauernicht (SPD) vehement:
"Schleswig-Holstein besitzt ein unglaublich gut entwickeltes
stationäres Versorgungsnetz und ist federführend in
Deutschland." Dieses Netz müsste allerdings, so Trauernicht,
zu einer "Versorgungskette" weiterentwickelt werden.
Hauptredner:
Frauke Tengler (CDU), Jutta Schümann
(SPD), Günther Hildebrand (FDP), Lars Harms (SSW)
Hintergrund:
Mit den Stimmen der Großen Koalition empfiehlt
der Sozialausschuss dem Landtag, einen Grünen-Antrag zum
Thema Essstörungen aus dem Juni 2006 abzulehnen. Die Grünen
stimmten im Ausschuss gegen die Ablehnung, die FDP
enthielt sich.
Die Grünen hatten die Landesregierung
aufgefordert, ein Konzept zur Einrichtung eines "Bündnisses
gegen Essstörungen" für Schleswig-Holstein zu
erstellen. In diesem Bündnis sollen Fachkliniken,
niedergelassene Ärzte, Therapeuten, Kassenärzte und
Versicherungsträger ihre Angebote vernetzen. Zudem soll
die Landesregierung durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit
insbesondere bei Mädchen und jungen Frauen einem übertriebenen
Schlankheitsideal entgegenwirken.
Das Sozialministerium hat dem Ausschuss im Frühjahr
einen Bericht zum Thema vorgelegt. Demnach gibt es im
Lande eine "Vielzahl von regionalen und überregionalen
Präventionsprojekten", etwa seitens der
Landesvereinigung für Gesundheitsförderung, der
Landesstelle für Suchtfragen oder der Krankenkassen. Das
2002 ins Leben gerufene Netzwerk Ernährung, an dem sich
unter anderem die Ärztekammer, die Gesundheitsämter, die
Kassen und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung
beteiligen, richtet sich vornehmlich an Kinder und
Jugendliche. Im Bereich der Suchtberatung verweist der
Bericht ebenfalls auf ein "dichtes Netz an
Beratungsstellen", das allerdings nicht ausschließlich
auf Essstörungen ausgerichtet ist. Kritisch wird
angemerkt, dass es bei den Beratungsangeboten "ein
Stadt- / Landgefälle" gibt.
Stichwort: Essstörung
Der gestörte Umgang mit dem Essen reicht
von wahllosem, zwanghaften In-sich-Hineinstopfen großer
Nahrungsmengen (so genanntes Binge-Eating) bis zur
Verweigerung jeglicher Nahrungsaufnahme. Dieses Verhalten
gilt unter Psychologen als Ausweichverhalten und als
Reaktion auf unbefriedigende Lebensverhältnisse. Ungefähr
85 Prozent der Betroffenen sind Schätzungen zufolge
Frauen Frauen.
Die häufigste Erkrankung in diesem Bereich ist die
Ess-Brech-Sucht, die Bulimie: In Deutschland leiden rund
700.000 Menschen unter Essstörungen, davon 600.000 an
Bulimia nervosa.
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