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Einkommens- und Vermögensentwicklung 
in Schleswig-Holstein
Landtagsbeschluss vom 24. April 2008 – Drucksache 16/1973
Federführend ist der Finanzminister

Einkommen in Schleswig-Holstein hinken hinterher

Diskussion um "Schere" zwischen Arm und Reich

Kiel (SHL/12.11.) Die Einkommensentwicklung in Schleswig-Holstein ist zwischen 1995 und 2005 deutlich unter dem Bundesdurchschnitt zurückgeblieben. Dies geht aus einem 100 Seiten starken, von den Grünen beantragten Bericht aus dem Finanzministerium hervor. Während das Verfügbare Einkommen deutschlandweit um 20,8 Prozent anstieg, brachte es die Landesquote lediglich auf 17,3 Prozent. Damit kam 2005 jeder Schleswig-Holsteiner durchschnittlich auf ein Einkommen von 17.043 Euro. Das waren 726 Euro weniger als der Bundesschnitt. Zu Beginn des Berichtzeitraums hatte Schleswig-Holstein noch oberhalb des Bundesdurchschnitts gelegen.

Der Bericht zeige, dass „von einer Umverteilung von unten nach oben" keine Rede sein könne, stellte Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) in Vertretung von Finanzminister Rainer Wiegard klar. Die Zahl derer, die als Einkommensmillionäre – also mit einem Jahreseinkommen von mindesten 511.000 Euro – bezeichnet werden könnten, sei in etwa konstant geblieben. Eine Aussage über die Vermögensentwicklung sei wegen des Wegfalls der Vermögenssteuer allerdings nicht möglich.

Grüne und SPD kritisieren „skandalöse Löhne"

In der Debatte um den Bericht kamen die Fraktionen zu äußerst unterschiedlichen Interpretationen der aufgelisteten Daten: Mit Blick auf den Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze und der Zunahme der Teilzeitbeschäftigung forderte Monika Heinold (Grüne) Löhne, von denen „die Menschen auch Leben können". In dieselbe Richtung argumentierte Birgit Herdejürgen (SPD). Sie kritisierte die in gewissen Branchen „skandalösen Löhne".

Dagegen nutzten die Liberalen den Bericht zu einer Abrechnung mit der Regierungspolitik zwischen 1995 und 2005: Die Zahlen belegten vor allem eines, befand Wolfgang Kubicki (FDP): „Nach zehn Jahren Grüner Regierungsbeteiligung geht es den Menschen schlechter." Wenn von den Grünen eine schrumpfende Mittelschicht beklagt werde, „dann sollten sie sich bei sich selbst beklagen."

Das Bild vom Arbeitgeber, der „in Saus und Braus lebt und vom Arbeitnehmer, der von der Hand in den Mund lebt", sei falsch, konstatierte dagegen Peter Sönnichsen (CDU). Dies zeige unter anderem die Tatsache, dass die Zahl der Geringverdiener seit 2007 zurückgegangen sei und dass die Anzahl der Einkommensmillionäre sich im Berichtszeitraum zwischen 1.000 und 1.500 bewegt habe.

Anke Spoorendonk (SSW) wiederum monierte, dass der Bericht keine Erläuterungen, sondern lediglich „Zahlen in Rohform" enthalte. Außerdem fehle dem Papier ein Kapitel über armutsgefährdete Gruppen.

Weitere Berichtsdaten

Zu den Realeinkommen, bei denen Inflation und Preissteigerungen hinzugezogen werden, macht der Bericht aufgrund fehlender Daten keine Detailaussagen für Schleswig-Holstein. Er geht aber davon aus, dass die Verbraucherpreise von 1995 bis 2007 um fast 20 Prozent angestiegen sind – also stärker als die Einkommen. Besonders stark waren die Preiserhöhungen bei Mieten, Wasser, Strom, Heizung sowie in den letzten drei Jahren bei den Lebensmitteln. Niedrigere Erhöhungen verzeichneten die Statistiker in den Bereichen Freizeit, Unterhaltung, Kultur sowie Bekleidung und Schuhe. Die Preisentwicklung erhöht laut Bericht das Armutsrisiko, insbesondere für Familien und für Alleinerziehende. Fast jedes sechste Kind im Lande lebt in einem Hartz-IV-Haushalt.

Der Bericht wurde zur weiteren Beratung an den Finanzausschuss überwiesen.

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Hintergrund:
Der Landtag befasst sich mit der Einkommens- und Vermögensentwicklung in Schleswig-Holstein. Grundlage ist ein knapp 100-seitiger Regierungsbericht, den das Parlament auf Initiative der Grünen angefordert hat. Das Finanzministerium hat Zahlen des Statistikamts Nord, des Statistischen Bundesamts sowie der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet.

Demnach sind von 1995 bis 2005 sowohl das Primäreinkommen aus Arbeit als auch das Verfügbare Einkommen, bei dem Steuerabzüge und Sozialabgaben wie auch staatliche Zuwendungen mit einberechnet werden, in Schleswig-Holstein schwächer angestiegen als im Bundesschnitt. Bei den Arbeitseinkommen gab es im Lande einen Anstieg um 10,1 Prozent, während es deutschlandweit 16,9 Prozent waren.

Das Verfügbare Einkommen stieg um 17,3 Prozent in Schleswig-Holstein, jedoch um 20,8 Prozent bundesweit. Damit hatte jeder Schleswig-Holsteiner im Jahr 2005 im Schnitt ein Verfügbares Einkommen von 17.043 Euro – 726 Euro weniger als der Bundesschnitt. Auffällig ist, dass das nördlichste Bundesland zu Beginn des Berichtszeitraums noch oberhalb des Bundesschnitts lag. Um das Jahr 2000 sind die Nominaleinkommen in Schleswig-Holstein dann abgerutscht. Im Jahr 2007 erhielt ein Arbeitnehmer im Lande im Schnitt einen Bruttolohn von 30.615 Euro. Das entspricht 88 Prozent des westdeutschen Durchschnitts. Selbständige haben sowohl im Land als auch im Bund im Berichtszeitraum durchschnittlich Verluste um 13 Prozent verkraften müssen.

   Verbraucherpreise steigen schneller als die Einkommen

Zu den Realeinkommen, bei denen Inflation und Preissteigerungen hinzugezogen werden, macht der Bericht aufgrund fehlender Daten keine Detailaussagen für Schleswig-Holstein. Er geht aber davon aus, dass die Verbraucherpreise von 1995 bis 2007 um fast 20 Prozent angestiegen sind – also stärker als die Einkommen.

Untere und mittlere Einkommen leiden zudem besonders stark unter der so genannten kalten Progression im Einkommenssteuerecht. Hierbei führt der progressiv ansteigende Steuersatz zu einem Einkommens- und Kaufkraftverlust, wenn die Lohnsteigerung lediglich die Inflationsrate ausgleicht. Bei höheren Einkommen, insbesondere bei der Beendigung der Progression ab einem Jahreseinkommen von 52.000 Euro, ist dies nicht mehr der Fall.

   Vor allem Wohnkosten schlagen zu Buche

Besonders stark waren die Preiserhöhungen bei Mieten, Wasser, Strom, Heizung sowie in den letzten drei Jahren bei den Lebensmitteln. Niedrigere Erhöhungen verzeichneten die Statistiker in den Bereichen Freizeit, Unterhaltung, Kultur sowie Bekleidung und Schuhe. Die Preisentwicklung erhöht laut Bericht das Armutsrisiko, insbesondere für Familien und für Alleinerziehende. Fast jedes sechste Kind im Lande lebt in einem Hartz-IV-Haushalt.

Knapp 40 Prozent aller Einwohner des Landes haben 2005 ihren Lebensunterhalt aus Erwerbstätigkeit bestritten. Das sind zwei Prozent weniger als 1996. Demgegenüber stieg die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe sowie die Anzahl der Rentner an. Die Beschäftigungsstruktur hat sich dem Bericht zufolge in den letzten Jahren verändert. So stieg der Anteil der Teilzeitbeschäftigten von 1998 bis 2004 von 21,3 auf 25,7 Prozent. Über 80 Prozent der Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Der Anteil der Leiharbeiter an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erhöhte sich von 0,6 auf 1,1 Prozent, und der Anteil der geringfügig Beschäftigten mit so genannten 400-Euro-Jobs stieg von 17 auf 22 Prozent an.

Laut Bericht sind die Gewinne der 238 größeren Betriebe im Lande zuletzt angewachsen. Hatten die Firmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 25 Millionen Euro im Jahr 1998 noch einen Durchschnittsgewinn von (umgerechnet) 1,87 Millionen Euro, so waren es im Jahr 2004 dann 2,12 Millionen.

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