Stichwort
Regelsätze
Die SPDsteht den von der
Bundesregierung vorgeschlagenen neuen Regelsätzen
skeptisch gegenüber und verlangt vor der Abstimmung im
Bundesrat einen genaueren Einblick in die vom
Bundesarbeitsministerium herangezogenen Statistiken zum
Durchschnittsverbrauch in den privaten Haushalten. Zudem
fordern die Sozialdemokraten einen gesetzlichen
Mindestlohn sowie mehr Geld für Schulen und KiTas.
Die Linken lehnen die
neuen Hartz-IV-Sätze kategorisch ab: Sollten sie
verabschiedet werden, müsse das Land dagegen klagen. Nach
Überzeugung der Linksfraktion müssen insbesondere die
Sätze für Kinder angehoben werden, um das „sozio-kulturelle
Existenzminimum" und die gleichwertige Teilhabe am
gesellschaftlichen Leben sicherzustellen.
Auch die Grünen
bemängeln, dass die gesellschaftliche Teilhabe mit den
neuen Regelsätzen nicht gewährleistet sei. Sie sprechen
sich deswegen für eine „Mobilitätspauschale" aus,
mit der sich Kinder ein Fahrrad oder eine Monatskarte
leisten können. Gerade in einem Flächenland wie
Schleswig-Holstein sei dies notwendig.
Eckpfeiler der Reform
Laut den
Plänen der schwarz-gelben Koalition im Bund soll der
Regelsatz für Langzeitarbeitslose um fünf auf 364 Euro
pro Monat steigen. Für die 1,7 Millionen Kinder von
Hartz-IV-Beziehern wird ein Paket zur Bildungsförderung
geschnürt. Für Musikunterricht oder Sportverein ist ein
Gutschein von monatlich pauschal 10 Euro vorgesehen. Aus
dem Schulpaket gibt es jährlich 100 Euro.
Grundlage
dieser heftig kritisierten Zahlen sind Berechungen des
Statistischen Bundesamts. Die Statistiker haben 55.000
Haushalte mehrere Monate lang aufschreiben lassen, wie sie
ihr Geld ausgeben. Die Neufestsetzung war nötig geworden,
nachdem das Bundesverfassungsgericht im Februar die
Berechnungsmethode für die Hartz-IV-Sätze, speziell jene
bei Kindern, beanstandet und eine Änderung bis zum
Jahresende verlangt hatte. Das Gericht fordert eine
transparente und nachvollziehbare Bedarfsermittlung.
Der
Gesetzentwurf zur Hartz-IV-Reform wurde Ende August in
Erster Lesung im Bundestag beraten. CDU und FDP brauchen
die Zustimmung von SPD-geführten Ländern, weil sie im
Bundesrat keine eigene Mehrheit mehr haben.
Stichwort
Sanktionen
Die Linken
fordern, dass die Sozialbehörden keine weiteren
Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger verhängen sollen,
bis es ein „rechtssicheres, zuverlässiges und
verhältnismäßiges Verwaltungsverfahren" für
solche Fälle gibt. Zudem sollen die Betroffenen durch
Sanktionen nicht unter das gesetzlich festgeschrieben
Existenzminimum abrutschen können.
Ein großer
Teil der Beschwerden und Klagen gegen Leistungskürzungen
seien erfolgreich, stellen die Linken heraus. Bis sie ihr
Recht bekämen, müssten die Hartz-IV-Bezieher aber
teilweise monatelang mit weniger Geld auskommen. Ein Grund
für die häufigen Verwaltungsirrtümer sei „die
katastrophale Personalsituation in den Jobcentern".
Zudem werde
ein Großteil der Mittelkürzungen nicht wegen
Leistungsmissbrauchs, sondern wegen geringer Vergehen
verhängt, etwa der Ablehnung einer Arbeit, nicht
eingehaltener Meldetermine oder zu wenig verschickter
Bewerbungen. Insgesamt wurden im Jahr 2008 nach Angaben
der Linksfraktion 780.000 Sanktionen gegen die rund 6,5
Millionen Hartz-IV-Bezieher verhängt.
Die Linken
kritisieren insbesondere die scharfe Gangart gegen
Unter-25-Jährige. Ihnen darf bei einer erstmaligen
Pflichtverletzung das Arbeitslosengeld für bis zu drei
Monate gestrichen werden. Bei Älteren werden die Bezüge
in solchen Fällen lediglich um 30 Prozent gekürzt.