Hintergrund:
Die in wirtschaftliche Schieflage und in
Negativschlagzeilen abgerutschte HSH Nordbank beschäftigt
zum wiederholten Male den Landtag. Die Grünen fordern zum
einen die Verantwortlichen der HSH auf, „alle offenen
Fragen im Zusammenhang mit der Bespitzelung von Parteien
und Medienvertreten transparent und zügig gegenüber
Regierung und Parlament aufzuklären".
Zum anderen
verlangen sie, dass die Landesregierung wie in den Jahren
vor 2009 wieder im Aufsichtsrat der Bank vertreten sein
müsse, um „ihre politische Verantwortung
wahrzunehmen". Auch die Linken sprechen sich dafür
aus, dass die Landesregierung wieder mit einem
Kabinettsmitglied im Aufsichtsrat vertreten ist. Dort soll
sie sich dann dafür einzusetzen, dass die HSH Nordbank
ihrer Funktion als Regionalbank für die heimische
Wirtschaft nachkommt.
HSH-Vorstandschef
Nonnemacher soll
gehen: Streit um Trennungsmodalitäten
Ein weiteres Thema der
Debatte dürfte die voraussichtlich bevorstehende
Ablösung des HSH-Vorstandschefs Dirk Jens Nonnenmacher
sein. Nach der massiven Kritik an der umstrittenen
Geschäftspolitik der Bank, die die beiden
Haupteigentümer Hamburg und Schleswig-Holstein (die
Länder halten gemeinsam 85,5 Prozent der Anteile an der
Bank) bislang Finanzspritzen und Bürgschaften in
Milliardenhöhe gekostet hat, war der Druck in den
vergangenen Monaten auf den Vorstandsvorsitzenden zuletzt
immer höher geworden.
Die Politik gesteht dem
Mathematik-Professor zwar zu, dass er die angeschlagene
Bank nach der schweren Finanzkrise recht schnell wieder in
ruhigeres Fahrwasser gebracht hat. Dennoch wollten vor
allem die kleineren Koalitionspartner in Hamburg und Kiel
– Grüne und FDP – das Verhalten Nonnenmachers nicht
mehr akzeptieren. Das Fass zum Überlaufen brachten
Vorwürfe, Nonnenmacher habe Mitarbeiter und Politiker
durch die Sicherheitsfirma Prevent AG bespitzeln lassen.
Die
schleswig-holsteinische Landesregierung und der Hamburger
Senat haben daher den Aufsichtsratsvorsitzender der HSH,
Hilmar Kopper, gebeten, „die erforderlichen Schritte
einzuleiten, um eine Trennung von Professor Nonnenmacher
zu erreichen und den Vorstandsvorsitz der HSH-Nordbank AG
neu zu besetzen". Neuer politischer Streit ist vor
diesem Hintergrund darüber entbrannt, ob Nonnenmacher im
Falle einer Trennung eine Abfindung erhalten wird.
Die Vorwürfe gegen
Nonnenmacher sind bislang nicht bewiesen. Voraussetzung
für eine fristlose und somit abfindungsfreie Kündigung
ist jedoch der Nachweis einer groben Pflichtverletzung. In
allen anderen Fällen besteht grundsätzlich der Anspruch
auf eine Abfindung. Wie hoch die im Fall Nonnenmachers
sein könnte, ist unklar. Sein Vertrag läuft bei einem
gedeckelten Jahreseinkommen von 500.000 Euro bis Oktober
2012. Hinzu kommen Rentenzahlungen, Boni-Ansprüche und
möglicherweise kostenwirksame Sonderklauseln in seinem
Vertrag.
Vorherige
Debatte zum Thema:
plenum-online September
2010
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