Ende
Oktober hat der Aufsichtsrat des Flughafens hingegen
empfohlen, den Ausbau zu stoppen, weil „die
Voraussetzungen für die beabsichtigten Investitionen
derzeit nicht gegeben" seien. Bürgermeister Bernd
Saxe hält dagegen am Votum der Bürger fest. Verwaltung
und Politik seien an den Bürgerentscheid gebunden, zudem
seien die Gelder bereits in den Haushalt für das kommende
Jahr eingestellt.
Der
Flughafen
Die Stadt Lübeck ist hundertprozentige Eigentümerin des
defizitären Airports und sucht einen neuen Investor,
nachdem das neuseeländische Unternehmen Infratil sich aus
Lübeck zurückgezogen hat. Bislang verläuft die Suche
dem Vernehmen nach ohne konkrete Ergebnisse.
Mit dem
"Take-Off-Konzept" hat die Hansestadt einen
Entwicklungsplan für den Airport erstellt. Kernpunkt: Die
Landebahn soll verlängert werden, um die Zahl der
abgefertigten Passagiere von knapp 700.000 im letzten Jahr
auf 2,2 Millionen im Jahr 2015 aufzustocken. Wenn dies
gelingt, würde der Flughafen, der das abgelaufene
Geschäftsjahr mit deinem Defizit von 5,6 Millionen Euro
abgeschlossen haben soll, Gewinne abwerfen. Die Lübecker
hoffen zudem, dass die irische Fluglinie Ryanair,
Hauptnutzer der Anlage, eine Base zur Stationierung von
Flugzeugen in Blankensee errichtet.
Die
Fluglinie Ryanair
Ryanair hat zwar zum Jahresanfang eine Absichtserklärung
zum Bau einer Flugzeug-Base in Blankensee abgegeben. Zum
Winterfahrplan hat das Unternehmen sein Liniennetz
allerdings auch in Lübeck stark ausgedünnt. Neben den
Verbindungen nach London und Frankfurt-Hahn wurden auch
Alicante (Spanien), Edinburgh (Großbritannien), Faro
(Portugal) sowie die spanische Ferieninsel Mallorca aus
dem Flugplan gestrichen. Ein Anlass hierfür ist nach
Angaben des Konzerns die vom Bundestag zum Jahresbeginn
2011 beschlossene Luftverkehrsabgabe. Die neue Steuer
verteuert Flugtickets auf Inlandflügen um acht Euro, bei
Auslandsflügen um bis zu 45 Euro.
Konsequenz
des Teil-Rückzugs von Ryanair: Kurzarbeit für die 130
Mitarbeiter des Flughafens. Ryanair-Chef Michael O’Leary
hat zudem in den Medien angedeutet, künftig lieber große
Metropolen als kleinere Regionalflughäfen ansteuern zu
wollen.
Die
Landesregierung
Das Wirtschaftsministerium steht den Ausbau-Plänen laut
einem Papier aus dem Februar skeptisch gegenüber: Die
anvisierten vier Millionen Euro Ausbaukosten wären nach
Einschätzung des Ministeriums lediglich ein erster
Schritt. Und: „Die optimistische Einschätzung der
Entwicklung der Passagierzahlen im Konzept wird so nicht
geteilt." Dennoch erklärt das Regierungspapier eine
„grundsätzliche Förderbereitschaft" für
Investitionen: Eine Übernahme von bis zu 75 Prozent der
Kosten sei denkbar. Dies könne beispielsweise für die
Startbahn, den Tower, die Abfertigungshallen oder Hangars
gelten. Sogenannte „Anlaufbeihilfen" für neue
Fluglinien seien jedoch mit Blick auf das Wettbewerbsrecht
kaum zu begründen, und eine Beteiligung des Landes an der
Flughafengesellschaft wird kategorisch „ausgeschlossen".
Gerichte
und Verwaltung
Weitere Probleme für den Flugbetrieb: Dem Flughafen, auf
dem bislang rund um die Uhr gestartet und gelandet werden
darf, droht im Rahmen des Planfeststellungsverfahren für
den Ausbau ein vom Land verhängtes Nachtflugverbot –
was wiederum die Investoren-Suche weiter erschweren
könnte. Und: Beim Oberverwaltungsgericht in Schleswig ist
eine Klage einer Anwohner-Initiative gegen den Ausbau und
den damit verbundenen Fluglärm anhängig.