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Auf dieser Seite: Personenverkehr / Barrierefreiheit

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Top 30
Personenbeförderungsgesetz nachhaltig gestalten

Antrag der Fraktion des SSW - Drucksache 17/1949 
Änderungsantrag der Fraktion DIE LINKE - Drucksache 17/2010
Änderungsantrag der Fraktionen von CDU und FDP - Drs. 17/2011
   Aufruf gemeinsam mit
Top 62
Barrierefreiheit im Nah- und Fernverkehr
Antrag der Fraktion B90/DIE GRÜNEN - Drs. 17/1883
(Landtagsbeschluss vom 6. Oktober 2011)
Federführend ist das Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr - Drucksache 17/1925 

Neues Bundesgesetz will Fernbusse 
als Konkurrrenz zur Bahn

Kiel (SHL/18.11.) Kommen Reisende bald per Fernbus für zehn Euro von Kiel nach Frankfurt oder von Hamburg nach Berlin? Das neue Personenbeförderungsgesetz des Bundes, das derzeit in Bundestag und Bundesrat beraten wird, will den Weg für den Bus als Konkurrenz zur Bahn auf Fernstrecken öffnen. Das Vorhaben stößt im Landtag überwiegend auf Zustimmung. Um den öffentlichen Verkehr attraktiv zu gestalten, "brauchen wir den Wettbewerb", betonte Hans-Jörn Arp (CDU). Dieser Wettbewerb müsse allerdings fair verlaufen, mahnten Vertreter der Opposition.

Lars Harms (SSW) merkte an, es sei "nicht okay, wenn diese Fernverkehre auf ihren Fahrtrouten auch Zielpunkte des ÖPNV ansteuern und so die Nahverkehre in ihrer Wirtschaftlichkeit beeinträchtigen." Ein weiterer Kritikpunkt: Die Bundesregierung will die Omnibusse von der Autobahn-Maut für LKW ausnehmen. Dies bringe ungerechte Wettbewerbsvorteile für die Busse gegenüber der Bahn mit sich, so die Befürchtung im Plenum. Die Abgeordneten drängten zudem darauf, Fahrgastrechte in das Gesetz aufzunehmen - etwa Entschädigungen bei Ausfall oder Verspätung der Busse.

Barriefreie Umgestaltung der Bahnhöfe
ist eine "Daueraufgabe"

Björn Thoroe (Linke) verlangte vom Land, ein "sozial-ökologisches Nahverkehrskonzept" zu erarbeiten. Mit seiner Forderung nach einem 15 Euro teueren "Sozialticket" für Menschen mit geringem Einkommen und nach der Abschaffung der 1. Klasse im Regionalverkehr stieß er allerdings auf breite Ablehnung.

Ein weiteres Thema der Verkehrsdebatte war die Barrierefreiheit. Verkehrsminister Jost de Jager (CDU) berichtete, dass etwa die Hälfte aller 170 Bahnhöfe im Lande inzwischen behindertenfreundlich sei. Ende 2014 sollen es 56 Prozent sein. Dennoch seien immer noch viele Stationen schlecht beleuchtet, und die Fahrkartenautomaten seien für viele Menschen schwer zu bedienen. Es sei eine "Daueraufgabe", so de Jager, den "ÖPNV für alle" zu gestalten.

Der Wirtschaftsausschuss berät weiter.

Weitere Redner: Andreas Tietze (Grüne), Marion Sellier (SPD), Oliver Kumbartzky (FDP)

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Hintergrund:
Die Bundesregierung setzt auch im Fernverkehr auf Busse. Das ist ein Kernpunkt des neuen Personenbeförderungs-Gesetzes, das Schwarz-Gelb im August auf den Weg gebracht hat. Nun müssen die Länder zustimmen, damit das Gesetz wie geplant zum Jahresanfang 2012 in Kraft treten kann. Bislang gibt es in der Länderkammer aber noch keine Mehrheit. Während Schleswig-Holstein zustimmte, hatten andere Länder Einwände. Auch der SSW im Landtag fordert Nachbesserungen. Zweites Thema der Verkehrsdebatte: die Barrierefreiheit in Bussen und Bahnen.

Nach den Plänen aus dem Bundesverkehrsministerium sollen Fernbusse Ziele in ganz Deutschland, die mindestens 50 Kilometer auseinander liegen, anfahren dürfen - auch wenn auf diesen Strecken bereits Züge rollen. Nach dem geltenden Personenbeförderungs-Gesetz ist dies nur in Ausnahmefällen möglich. Es sei umweltfreundlicher, wenn 50 Leute mit einem Fernbus von Kiel nach Frankfurt reisten, anstatt in 25 oder gar 50 Pkw, so die Argumentation des Ministeriums. Durch die neuen Fernbusse solle nicht der Verkehr von der Schiene auf die Straße verlagert werden. Vielmehr sollen die Busse eine kostengünstige Alternative zum Individualverkehr sein. Der SSW mahnt nun, dass die neuen Fernlinien dem bestehenden Nahverkehr keine Konkurrenz machen dürften.

Diskussion auch um Autobahn-Maut und
Entschädigungen bei Ausfall oder Verspätung

Ein weiterer Knackpunkt: Die Bundesregierung will die Omnibusse von der Autobahn-Maut für LKW ausnehmen. Die SPD sieht das kritisch und befürchtet Wettbewerbsvorteile für die Busse gegenüber der Bahn.

Die Länderkammer hat sich zudem dafür stark gemacht, Fahrgastrechte in das Gesetz aufzunehmen - etwa Entschädigungen bei Ausfall oder Verspätung der Busse. Hierfür plädiert auch der SSW. Bislang enthält der Entwurf der Bundesregierung keinen solchen Hinweis. Und: Der SSW macht sich dafür stark, dass Städte und Kreise Kleinaufträge auch ohne Vergabeverfahren direkt an Busunternehmen erteilen können. Auch dies ist im Bundesgesetz bislang nicht enthalten.

Die Hälfte aller 170 Bahnhöfe sind behindertenfreundlich – Behindertenbeauftragter hilft Nachbesserung

Das geplante neue wie das alte Personenbeförderungs-Gesetz rufen dazu auf, die Interessen behinderter Menschen im Bus- und Bahnverkehr zu berücksichtigen. Auf Antrag der Grünen legt die Landesregierung nun einen Bericht vor, wie es mit der Barrierefreiheit im Lande aussieht. Demnach fließen zwischen 2008 und 2012 insgesamt 40 Millionen Euro in das "Stationsprogramm". Etwa die Hälfte aller 170 Bahnhöfe im Lande ist laut Bericht inzwischen behindertenfreundlich. Ende 2014 sollen es 56 Prozent sein. Dennoch heißt es: "Zur Herstellung einer flächendeckenden Barrierefreiheit in Schleswig-Holstein sind noch erhebliche weitere Anstrengungen in den nächsten Jahren zu unternehmen."

So seien viele Stationen schlecht beleuchtet, und die Fahrkartenautomaten seien für viele Menschen schwer zu bedienen. Um Abhilfe zu schaffen, hat das Verkehrsministerium gemeinsam mit dem Behindertenbeauftragten eine "Checkliste" zur Nachbesserung der Haltestellen erstellt.

Debatte bei Antragstellung zu Barrierefreiheit:
plenum-online
Oktober 2011
Weitere Debatte zum Thema:
November 2010
(Güter- und Personenverkehr auf der Schiene)

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