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Auf dieser Seite: Probebohrungen im Wattenmeer

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Explorationsbohrungen im Nationalpark 
Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

Antrag der Fraktionen von CDU und FDP - Drucksache 17/1954 
Änderungsantrag der Fraktion des SSW, B90/DIE GRÜNEN 
und  DIE LINKE - Drucksache 17/1992(neu)

Erdölförderung: "Schrägbohrungen" von Land aus sollen Wattenmeer schützen

Kiel (SHL/18.11.) Die Opposition läuft weiter Sturm gegen geplante Erkundungsbohrungen des Ölkonzerns RWE Dea im Wattenmeer und fordert zudem, die Erdölförderung auf der Erdölplattform Mittelplate einzustellen. Die Regierungsfraktionen hielten dagegen, die Ölförderung sorge für Einnahmen für das Land und sichere Arbeitsplätze. Dies gelte auch für die Raffinerien an Land. Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) erklärte in einem von CDU und FDP geforderten mündlichen Bericht, die Landesregierung unterstütze die weitere Erkundung der Ölfelder unter dem Wattenmeer. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass nur von außerhalb des Nationalparks gebohrt werden darf mit sogenannten Schrägbohrungen. Zudem bekräftigte der Minister: Es werde keine weitere Fördereinrichtung im Wattenmeer geben.

Hintergrund: RWE Dea will das Fördergebiet um Mittelplate ausdehnen und hat Anfang November insgesamt vier Probebohrungen, davon drei auf schleswig-holsteinischem Gebiet, östlich und südlich der Plattform, beim zuständigen Bergbauamt beantragt. Der Konzern vermutet ein Erdölfeld von rund 23 Millionen Kubikmetern im schleswig-holsteinischen und niedersächsischen Wattenmeer. Bewahrheitet sich die vermutete Größe des Erdölfeldes, würden sich die deutschen Ölreserven schlagartig um zwei Drittel vergrößern.

Michael von Abercron (CDU) sah in den Schrägbohrungen sogar einen Vorteil für die Nordsee und ihrer Küsten. Die Aufsuchung von Land aus würde viele der über 450 Bohrinseln in der Nordsee ersetzen können, so von Abercron. Bei den geplanten Explorationsbohrungen verfahre der Antragsteller nach dem "Null-Einleitungsprinzip", betonte auch der Liberale Oliver Kumbartzky. Verunreinigungen des Wattenmeeres würden durch eine Vielzahl von Sicherheitsvorkehrungen ausgeschlossen.

Opposition: Erdölbohrungen könnten den Tod 
des Nationalparks Wattenmeer bedeuten

Die Opposition hielt dagegen, die Förderung von Erdöl im Wattenmeer lasse sich grundsätzlich nicht mit dem Status des Weltkulturerbes der UNESCO und dem Grundsatz des Klimawandels vereinbaren. Das sei ein "Stachel im Nationalpark - ihn tiefer zu Bohren könnte den Tod des Wattenmeers bedeuten", machte Marlies Fritzen die Haltung der Grünen deutlich. Die Erdölförderung sei "eine klaffende Wunde im Ansehen des Nationalparks" und sollte daher nicht auf ewig verlängert oder ausgedehnt werden, schloss sich Sandra Redmann von der SPD an.

"Haben Sie denn aus den letzten Ölkatastrophen, oder besser aus den letzten Umweltkatastrophen gar nichts gelernt?", fragte Björn Thoroe von den Linken. Und Flemming Meyer vom SSW sagte: "Nach unserer Auffassung verstoßen sowohl die Erkundungsbohrungen als auch die Ölförderung außerhalb der Mittelplate gegen das geltende Nationalparkgesetz."

Eine weitere Diskussion in den Ausschüssen lehnten CDU und FDP ab.

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Hintergrund:
Der Energiekonzern RWE Dea will vor der Westküste Schleswig-Holsteins nach Öl suchen. Umweltschützer laufen Sturm, und auch der SSW ruft die Landesregierung auf, die Bohrungen zu verhindern. Die Regierung berichtet im Landtag auf Antrag von CDU und FDP über den Stand des Verfahrens.

RWE Dea vermutet ein Erdölfeld von rund 23 Millionen Kubikmetern im schleswig-holsteinischen und niedersächsischen Wattenmeer und will deshalb an vier Punkten rund um die schon bestehende Förderplattform Mittelplate (vor der Küste Dithmarschens) nach dem schwarzen Gold suchen. Bewahrheitet sich die vermutete Größe des Erdölfeldes, würden sich die deutschen Ölreserven schlagartig um zwei Drittel vergrößern. Derzeit verfügt die Bundesrepublik laut Wirtschaftsverband Erdöl- und Energiegasgewinnung über insgesamt 35,9 Millionen Kubikmeter Öl-Reserven.

Eine weitere Förder-Plattform
ist nicht im Gespräch

Die Anträge für die Erkundungsbohrungen will RWE Dea noch im November bei der Nationalparkverwaltung und dem Kieler Umweltministerium einreichen. Sollten die Probebohrungen erfolgreich sein, versprechen sich RWE und die Projektpartner Wintershall und Gas de France Suez Erkenntnisse für eine mögliche Förderung. Eine weitere Plattform soll es dafür nicht geben.

Umweltschützer protestieren gegen das Bohr-Projekt und wollen es notfalls auch gerichtlich verhindern: Umweltschutz und Ölförderung im Wattenmeer gehörten nicht zusammen. Schon 2008 hatte RWE Vermutungen zu dem Erdölvorkommen geäußert und zusätzliche Probebohrungen angekündigt. Als es darum ging, das Wattenmeer als Weltnaturerbe anerkennen zu lassen, wurden deshalb drei Gebiete für mögliche Erkundungsbohrungen bestimmt und vom Welterbe-Status ausgenommen - auch damals protestierten die Umweltschützer.

Im Mai vergangenen Jahres hatte das zuständige Bergbauamt die Bohr-Konzession für die seit 1987 bestehende Ölförderplattform Mittelplate im Wattenmeer um 30 Jahre bis 2041 verlängert.

Vorherige Debatten zum Thema Ölbohrungen:
plenum-online
September 2008, Februar 2009, Oktober 2010

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