zurück zur aktuellen Ausgabe von plenum-online

plenum-online wird während der Tagung ständig aktualisiert. Betätigen Sie bitte bei Aufruf einer Seite die Funktion "Neu laden" , "Aktualisieren" oder "reload", um ggf. die neueste Fassung zu erhalten.  

Auf dieser Seite: Mindestlohn / Lohnuntergrenzen

xxx

Top 37
Fairness auf dem Arbeitsmarkt - 
Mindestlohn jetzt einführen

Antrag der Fraktionen von SPD und B90/DIE GRÜNEN - 
Drucksache 17/1958(neu) 
Änderungsantrag der Fraktion DIE LINKE - Drucksache 17/2009
   Aufruf gemeinsam mit
Top 45
Lohn-Untergrenzen

Antrag der Fraktionen von CDU und FDP - Drucksache 17/1977 
Änderungsantrag der Fraktion des SSW- Drucksache 17/1994

Mindestlohn und Lohnuntergrenzen:
Landtagsfraktionen weiter uneins

Kiel (SHL/17.11.) Das Thema Mindestlohn hat in Kiel erneut für hitzige Diskussionen gesorgt. Während die schwarz-gelbe Koalition sich für verbindliche Lohnuntergrenzen, die sich an marktwirtschaftlichen Gegebenheiten und Branchen orientieren, aussprach, wiederholte die Opposition ihre Forderung nach einem flächendeckenden, gesetzlichen Mindestlohn. Dieser müsse bei Vollzeitarbeit existenzsichernd sein, verlangte Wolfgang Baasch von den Sozialdemokraten, die das Thema angestoßen hatten. Die "absolute Untergrenze" liege bei 8,50 Euro pro Stunde. Eine "unabhängige Expertenkommission" aus Tarifpartnern und Wissenschaft solle, so Baasch, die Höhe des Lohnes regelmäßig überprüfen und langfristig auf den Standard der OECD anpassen: "Es geht um den Wert der Arbeit. Würdige Arbeit ist auch existenziell wichtig für das Leben im Alter."

Die Grünen stützten den Kurs der SPD. Niedriglöhne seien menschenunwürdig, erklärte Andreas Tietze: "Wie erklärt ein Mensch seinen Kindern, dass er nicht in der Lage ist, für seine Familie einen auskömmlichen Lebensstandard aus seiner Arbeit zu gewährleisten?", fragte er. Die Linke ging noch einen Schritt weiter und setzte den Mindestlohn bei zehn Euro an. "Langfristig darf kein arbeitender Mensch in diesem Land weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens erhalten", verlangte Björn Thoroe.

Nach Auffassung des SSW sollte die Lohnuntergrenze hingegen nicht von der Politik festgelegt werden, sondern von einem unabhängigen Expertengremium aus Tarifpartnern sowie Wissenschaftsvertretern. "Wir glauben schon, dass sich dieses Gremium dann auch an der Vielschichtigkeit der gesellschaftlichen Diskussionen orientieren würde und müsste", sagte Lars Harms. In eine ähnliche Richtung tendierten CDU und FDP in einem gemeinsamen Antrag. Lohnuntergrenzen sollten "nach Branchen und Regionen differenziert" von einer Kommission festgelegt werden, diese Kommission solle zu je einem Drittel aus Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Wissenschaftlern bestehen, forderte CDU-Fraktionschef Johannes Callsen: "Wir nehmen damit die Tarifpartner in die Verantwortung."

Werner Kalinka widerspricht den Liberalen

Einen gesetzlichen, flächendeckend einheitlichen Mindestlohn lehnte Callsen ebenso ab wie Christopher Vogt vom Koalitionspartner FDP - das würde "die Tarifautonomie aushöhlen und die Lohnhöhe zum Wahlkampfthema machen." Vogt ergänzte: "Ein einheitlicher Lohn würde in München wirkungslos bleiben und in strukturschwachen Regionen sogar Arbeitsplätze gefährden." Dem widersprach der Vorsitzende der christlich-demokratischen Arbeitnehmerschaft und innenpolitische Sprecher der CDU, Werner Kalinka: "Wenn alle Unternehmen einen gleichen Ordnungsrahmen haben, gefährdet das keine Arbeitsplätze." Demgegenüber meinte Arbeitsminister Heiner Garg (FDP): "Ein gesetzlicher Mindestlohn ohne Blick auf die Unterschiede in Regionen kann sehr wohl zum Abbau von Arbeitsplätzen führen." Er lenkte den Blick auf andere europäische Länder mit Mindestlohn. "Dort ist die Arbeitslosenquote deutlich gestiegen", so Garg.

Alle vorliegenden Anträge zum Thema wurden an den Sozial- und an den Wirtschaftsausschuss überwiesen.

- Druckversion -

zurück zum Textanfang

Hintergrund:
Die Debatte um den Mindestlohn ist in den letzten Wochen wieder aufgeflammt, nachdem sich auch in der Union die Stimmen für Lohn-Untergrenzen mehren. Auf ihrem Leipziger Parteitag kurz vor der Plenarsitzung sprach sich die CDU für eine allgemeinverbindliche Lohnuntergrenze in den Bereichen aus, in denen es keinen Tarifvertraglich festgelegten Lohn gibt. Der Opposition im Landtag gehen diese Pläne nicht weit genug, während sich die FDP kurz zuvor auf ihrem Parteitag in Frankfurt am Main gegen einen "flächendeckenden, allgemeinen Mindestlohn" positioniert hat.

CDU und FDP im Landtag plädieren nun in einem gemeinsamen Antrag für "verbindliche Lohnuntergrenzen, die sich an marktwirtschaftlichen Gegebenheiten orientieren". Diese sollten "nach Branchen und Regionen differenziert" von einer Kommission festgelegt werden, die zu je einem Drittel aus Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Wissenschaftlern bestehen soll. Einen gesetzlichen, flächendeckend einheitlichen Mindestlohn lehnt Schwarz-Gelb hingegen ab - er würde die Tarifautonomie aushöhlen und die Lohnhöhe zum "Wahlkampfthema" machen, heißt es. Zuvor hatte auch Landes-Sozialminister Heiner Garg (FDP) angekündigt, sich auf der Konferenz der Ressortchefs Ende November in Leipzig für eine Lohn-Kommission einzusetzen.

Sozialdemokraten wollen existenzsichernden,
flächendeckenden Mindestlohn

Die SPD hingegen will einen "flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn, der für einen Alleinstehenden bei Vollzeitarbeit existenzsichernd ist". Die "absolute Untergrenze" hierfür liege bei 8,50 Euro pro Stunde. Eine "unabhängige Expertenkommission" aus Tarifpartnern und Wissenschaft soll die Höhe des Lohnes regelmäßig überprüfen. Auch der SSW plädiert für eine gesetzliche Lösung, will aber erreichen, dass von dieser Untergrenze regional nach oben abgewichen werden kann.

Derzeit arbeiten rund 1,7 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland in Branchen mit gesetzlichem Mindestlohn - etwa auf dem Bau, als Dachdecker, Elektriker oder Maler. Die gesetzlichen Grundlagen sind das Entsendegesetz und das Mindestarbeitsbedingungen-Gesetz.

Schleswig-Holstein hat die höchste
Niedriglohn-Quote aller Bundesländer

Demgegenüber gelten 1,4 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit als sogenannte "Aufstocker", die zusätzlich zu ihrem Lohn auf Hartz IV angewiesen sind. Das sind 13 Prozent mehr als 2007. Besonders viele "Aufstocker gibt es in der Gastronomie, in Dienstleistungsberufen sowie in Privathaushalten, vor allem bei Teilzeit-Beschäftigten. Nach einer aktuellen Studie der Bundesagentur für Arbeit liegen in Schleswig-Holstein 27 Prozent der Beschäftigten unterhalb der Niedriglohnschwelle, wie sie die OECD definiert. Die liegt demnach in Westdeutschland bei 1.890 Euro brutto im Monat. Schleswig-Holstein hat damit die höchste Niedriglohn-Quote aller Bundesländer.

Einige Beispiele für Mindestlöhne: Bauarbeiter sollen im Osten Deutschlands mindestens 9,75 Euro pro Stunde verdienen, im Westen liegt der Satz bei 11,00 bis 13,00 Euro. Dachdecker sollen bundesweit ein Minimum von 10,80 Euro erhalten. Für das Elektrohandwerk liegen die Löhne bei 8,40 Euro (Ost) beziehungsweise 9,70 Euro (West). Gebäudereiniger bekommen zwischen 7 und 11,33 Euro.

Vorherige Debatte zum Thema:
plenum-online
Juni 2011

zurück zum Textanfang

* * * * *