Ladenschluss
fällt
"Shoppen" ohne zeitliche Grenzen
bereits
zum Weihnachtsgeschäft?
Kiel (SHL/11.10.)
– Schleswig-Holsteins Geschäftsleute und Verbraucher können
sich auf liberalere Ladenöffnungszeiten einstellen. Künftig soll
von montags bis sonnabends ohne Blick auf die Uhr, ohne Rücksicht
auf Ladenschlusszeiten "geshoppt" werden können. Einen
entsprechenden Gesetzentwurf von CDU und SPD hat der Landtag an
den Wirtschaftsausschuss überwiesen. Einzig Sonntage und einige
Feiertage wie Karfreitag, 1. Mai, Oster- und Pfingstsonntag,
Volkstrauertag und Totensonntag sollen von der Neuregelung
ausgeschlossen bleiben. Geplant ist, das Gesetz bereits im
November in Zweiter Lesung
zu verabschieden –
pünktlich zum Weihnachtsgeschäft.
Die Gesetzgebungskompetenz über die
Ladenöffnungszeiten ist im Zuge der Föderalismusreform am 1.
September vom Bund auf die Länder übergegangen. Bislang gilt ein
Bundesgesetz, das die Geschäftszeiten an Werktagen von 6 bis 20
Uhr festlegt. Auch in einer Reihe anderer Bundesländer wie etwa
Hamburg und Niedersachsen sind Initiativen zur Liberalisierung des
Ladenschlusses auf dem Weg.
Das Plenum signalisierte breite Zustimmung zu
dem Gesetzentwurf und bewertete die
Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten als wichtigen Beitrag zur
Stärkung des schleswig-holsteinischen Einzelhandels. Einzig die
Grünen übten Kritik an dem Gesetzesvorhaben und forderten, dass Städte und Gemeinden selbst über die
Gestaltung der Öffnungszeiten entscheiden können. Die Freigabe der
Ladenöffnungszeiten sollte allein den innerstädtischen
Zentren im Konkurrenzkampf mit den Gewerbegiebeten auf der
grünen Wiese zugute kommen, forderte die Oppositionspartei. Dies
sei nicht praktikabel, wies Wirtschaftsminister Dietrich
Austermann (CDU), das Ansinnen der Grünen zurück. Wer wolle sich
anmaßen, festzulegen, wo die City beginne und wo sie ende?
Stimmen aus dem Plenum:
Johannes Callsen (CDU): Die längeren
Ladenöffnungszeiten können dem Einzelhandel in
Schleswig-Holstein neue Chancen eröffnen. Allerdings ist niemand
gezwungen, sein Geschäft rund um die Uhr zu öffnen.
Peter Eichstädt (SPD): Die bestehenden
Ladenschlussregelungen sind ein Ladenhüter, der zu
Wettbewerbsverzerrungen geführt hat. Einem Bäcker kann man nicht
erklären, warum er sein Brot nach 20 Uhr nicht anbieten kann,
während dasselbe Brot an der Tankstelle nach 20 Uhr verkauft
werden darf.
Heiner Garg (FDP): Die FDP hat die CDU und
die SPD endlich von einem liberaleren Ladenschlussgesetz für mehr
Beschäftigung im Land überzeugt. Dafür hat es vier
parlamentarische Anläufe in 20 Jahren gebraucht.
Detlef Matthiessen (Grüne): Der
Gesetzentwurf verzichtet leider auf die Privilegierung der
Innenstädte. Somit fällt eine Stärkung der Citys im Wettstreit
mit der Konkurrenz auf der grünen Wiese aus.
Lars Harms (SSW): Der Gesetzentwurf folgt
dem Bundestrend beim Ladenschluss. Die Liberalisierung ist nur ein
Angebot. Die Einzelhändler entscheiden selbst, wann sie ihr
Geschäft öffnen.
Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU):
Das Gesetz zur Änderung des Ladenschlussgesetzes ist ein
notwendiger Beitrag zur Deregulierung der Wirtschaft.