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Auf dieser Seite: Schulreform 

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Top 6:
Entwurf eines Gesetzes zur Weiterentwicklung des Schulwesens in Schleswig-Holstein
Gesetzentwurf der Landesregierung
Änderungsantrag der Abgeordneten des SSW – Drs. 16/1029
Änderungsantrag der Fraktion B´90/GRÜNE – Drs. 16/1031
Antrag der Fraktionen von CDU und SPD – Drs. 16/1037
Drucksache: 
16/1000

-Plenarprotokoll-

Neues Schulgesetz auf dem parlamentarischen Weg

Reform soll bereits im Februar 2007 greifen

Kiel (SHL/11.10.) – Das von der Landesregierung vorgelegte Schulgesetz, das eine weitreichende Umgestaltung der Schullandschaft Schleswig-Holsteins zum Ziel hat, bleibt Zankapfel zwischen den Bildungsexperten der Regierungsfraktionen und Oppositionsparteien: Während CDU und SPD die in dem Gesetzentwurf anvisierte Zusammenführung von Haupt- und Realschulen zu Regionalschulen und dem Fortbestehen der Gymnasien sowie die Umwandlung von Gesamtschulen in Gemeinschaftsschulen unterstützten, forderten die Grünen und der SSW erneut eine noch weiterführende, komplette Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem. Gleichwohl attestierten die beiden Oppositionsparteien der Regierung, "ein Schritt in die richtige Richtung" einzuschlagen. Die Liberalen lehnten insbesondere die geplante Zusammenführung von Haupt- und Realschulen ab. Für die Fusionen der Schularten fehle es an einem pädagogischen Konzept. Außerdem verursache die Zusammenlegung von Schulen Umbaukosten, die besser in "Köpfe" investiert gehörten, hieß es aus dem Lager der Liberalen.

Für Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) gewinnt mit der neuen Schulstruktur das "Prinzip der Durchlässigkeit" an Bedeutung. Zudem werde verstärkt auf individuelle Förderung gesetzt. Dies solle auch ein Beitrag zur Integration von Ausländerkindern sein: "Integration durch Bildung muss das oberste Prinzip sein." Generell könne es an den Schulen nicht mehr wie bisher weitergehen, sagte die Ministerin: "Jahr für Jahr verlassen viel zu viele Schüler die Schulen ohne einen Abschluss oder mit einem Abschluss, der ihnen mehr Türen verschließt als öffnet." Erdsiek-Rave räumte aber auch ein, dass es "allein mit der Schulsystem-Frage nicht getan" sei. Vor diesem Hintergrund werde auch in die Frühförderung in den Kindertagesstätten und an den Grundschulen investiert.

Gemäß den Plänen der Regierung soll die Reform schon im Februar 2007 greifen. Nach monatelangem Streit hatten sich CDU und SPD im September auf letzte Eckpunkte geeinigt, die auch eine Verkürzung der Schulzeit an Gymnasien von 13 auf 12 Jahre vorsieht. 

CDU/SPD: Hauptschule hat an Akzeptanz verloren

"Die Elternakzeptanz der Hauptschule hat in den letzten Jahren stark abgenommen", befand Henning Höppner (SPD) in der sachlich geführten Debatte. Vor diesem Hintergrund wäre diese Schulart selbst bei größten Investitionen nicht mehr zu halten gewesen, zeichnete der Sozialdemokrat ein düsteres Bild für die Hauptschulen. Noch in den 60er Jahren hätten mehr als 60 Prozent aller Schüler eine Hauptschule besucht, heute seien es weit weniger, im Kreis Schleswig-Flensburg liege die Quote bei 27 Prozent, im Kreis Pinneberg gar bei 14,9 Prozent.

Susanne Herold (CDU) begründete die Aufweichung des dreigliedrigen Schulsystems mit der demografischen Entwicklung in Schleswig-Holstein: Ab dem Jahr 2009 werde Schleswig-Holstein "laut Prognosen einen Rückgang von 15.000 Schülern zu verkraften haben". Vor diesem Hintergrund werde die Zusammenlegung von Schulen unausweichlich. Und: Wichtiger als der Erhalt der Schularten sei es, "fernab von Ideologie bessere Ergebnisse für die Schüler zu ermöglichen", so Herold. Hierfür sei vor allem eine intensive Sprachförderung im vorschulischen Bereich von Bedeutung, wie sie von der Großen Koalition bereits auf den Weg gebracht worden sei.

FDP: Reform ohne pädagogisches Konzept

Die Große Koalition entwickelt eine "neue Schullandschaft auf dem Reißbrett", die pädagogischen Konzepte bleibe sie schuldig, monierte dagegen Ekkehard Klug (FDP). Die Koalition verfahre nach dem vereinten Motto: "Was das Neue bringt, wissen wir zwar noch nicht, aber wir reformieren einfach mal drauflos." Klug warnte eindringlich vor einem Ansturm auf die Gymnasien und einer Entwicklung, die die Regionalschule zur "Restschule" degradiere.

"Die CDU-Spitze hat erkannt, dass die Gemeinschaftsschule der einzig gangbare Weg ist", stellte Karl-Martin Hentschel (Grüne) fest. Der Oppositionspolitiker erinnerte an die positiven Erfahrungen in Finnland mit einem eingliedrigen Schulsystem. Dort profitiere die Spitze der Schüler davon, dass sie ihr Wissen den schwächeren Schülern weitergebe könne.  Außerdem warb Hentschel für einen Antrag seiner Partei, der die Errichtung von Schulvorständen vorsieht. Diesem Gremium sollen Lehrkräfte, Eltern, Schüler und Vertreter des Schulträgers angehören.

Die Kraft der Großen Koalition habe lediglich "zu einer halben Reform" des Schulwesens gereicht, monierte Anke Spoorendonk (SSW). Die Einführung der Gemeinschaftsschule und die Zusammenlegung von Haupt- und Realschule zur Regionalschule seien allenfalls "ein Schritt in die richtig Richtung". Ziel müsse auf Dauer die durchgängige Einführung der Gemeinschaftsschule sein. Zudem müsse die Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe gesetzlich geregelt werden. In diesem Punkt gebe der Gesetzentwurf lediglich eine unverbindliche Empfehlung.

SSW kämpft um Beförderungszuschuss

Der Gesetzentwurf der Landesregierung wurde wie der Antrag der Grünen an den Bildungsausschuss überwiesen. Ebenfalls an den Bildungsausschuss ging ein Antrag des SSW. Darin wird unter anderem gefordert, dass Schüler an den Schulen der dänischen Minderheit einen Beförderungszuschuss vom Kreis erhalten – und zwar zwei Drittel der Summe, die der Kreis für die Kinder an staatlichen Schulen aufwendet. Zudem sollen nach Willen des SSW Schüler im Kreis Nordfriesland und auf der Insel Helgoland auf Antrag Friesisch-Unterricht erhalten und über die Geschichte und Kultur der Friesen informiert werden.


Protest gegen die geplanten Regionalschulen: Während die Abgeordneten im Plenarsaal die Schulreform auf den Weg brachten, äußerten Schüler der Kieler Tim-Kröger-Realschule vor dem Landeshaus ihren Unmut über eine Zusammenlegung der Realschulen mit den Hauptschulen.

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Hintergrund: 
  Die Landesregierung legt dem Landtag den Entwurf für ein neues Schulgesetz vor. Damit soll das schleswig-holsteinische Schulsystem bis zum Beginn des Unterrichtsjahres 2010/11 in einigen zentralen Bereichen umgestaltet werden. Zudem berät das Parlament zwei Änderungsantrage des SSW und der Grünen zu dem Gesetz.
  Nach Willen des Bildungsministeriums soll Schleswig-Holstein als erstes Bundesland die Gemeinschaftsschule als neue Schulart erhalten. Hier sollen die Schüler bis zur 10. Klasse gemeinsam lernen. Die Gemeinschaftsschulen bieten die Abschlüsse von Haupt- und Realschule sowie den Übergang zur gymnasialen Oberstufe an, die sie auch selbst haben können. Bis 2010 sollen alle integrierten Gesamtschulen zu Gemeinschaftsschulen entwickelt werden. Diese können aber auch aus anderen Schularten hervorgehen, wenn die Träger dies wollen. Zum Beginn des Schuljahres 2007/08 können die ersten Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein starten.
  Außerdem werden Haupt- und Realschulen zu so genannten Regionalschulen zusammengeführt. Dort wird es eine gemeinsame Orientierungsstufe (Klassen 5 und 6) geben, erst danach trennen sich die Bildungsgänge Hauptschule (bis 9. Klasse) und Realschule (10. Klasse). Die Koalition will so Bildungschancen verbessern und auf ständig sinkende Anmeldezahlen an Hauptschulen reagieren. Für die Vorbereitung der Schulen auf die Zusammenführung von Haupt- und Realschulen zu Regionalschulen will die Landesregierung zusätzliche Fortbildungsmittel bereitstellen.
  An den Gymnasien verkürzt sich die Schulzeit bis zum "Turbo"-Abitur vom Schuljahr 2008/09 an von neun auf acht Jahre, an der Gesamtschule bleibt es bei neun. Die ursprünglich geplante Aufnahme eines Verbotes religiöser Symbole für Lehrkräfte (etwa des islamischen Kopftuches) wird es hingegen nicht geben.
  Der SSW fordert in seinem Antrag, dass Schüler an den Schulen der dänischen Minderheit einen Beförderungszuschuss vom Kreis erhalten – und zwar zwei Drittel der Summe, die der Kreis für die Kinder an staatlichen Schulen aufwendet. Die Partei der dänischen Minderheit reagiert damit auf Pläne verschiedener Kreise im Landesteil Schleswig, die Fahrtkostenzuschüsse für die Schulen des dänischen Schulvereins zu kürzen oder zu streichen. Zudem sollen nach Willen des SSW Schüler im Kreis Nordfriesland und auf der Insel Helgoland auf Antrag Friesisch-Unterricht erhalten und über die Geschichte und Kultur der Friesen informiert werden. Die Kosten hierfür soll das Land tragen.
  Die Grünen wollen die Eigenverantwortung der Schulen stärken und übernehmen hierfür Passagen aus dem niedersächsischen Schulgesetz. Sie schlagen beispielsweise die Einrichtung eines Schulvorstandes mit Vertretern der Lehrkräfte, Eltern, Schüler und des Trägers vor, der über wichtige Fragen des Schulbetriebs entscheiden soll. Zudem sollen die Schulen im Rahmen eines eigenen Budgets frei über ihre Finanzmittel verfügen können. Darüber hinaus wollen die Grünen das mehrgliedrige Schulsystem komplett abschaffen, gemeinsame Oberstufenzentren bilden und auf das Sitzenbleiben ganz verzichten.
  Das Gesetz soll nach Willen der Koalition im Januar abschließend vom Parlament beraten werden und zum 1. Februar 2007 in Kraft treten.
   In einem nachgereichten Antrag fordern CDU und SPD, die Zusammenführung von Haupt- und Realschulen zur Regionalschule bis zum Schuljahr 2010/11, die Weiterentwicklung bestehender Gesamtschulen zu Gemeinschaftsschulen bis zum Schuljahr 2010/11, die Festlegung der an den Schulen zu erreichenden Bildungsabschlüsse unter Berücksichtigung der Vereinbarung der Kultusministerkonferenz zur Sekundarstufe I an Schulen mit mehreren Bildungsgängen. Der Bildungsausschuss wird aufgefordert, innerhalb der für die Anhörung zum künftigen Schulgesetz vorgesehenen Frist den Anzuhörenden neben dem Gesetzentwurf der Landesregierung sowie gegebenenfalls weiteren Ergänzungsanträgen auch die in diesen Eckwerten benannten Ergänzungsanträge zuzuleiten und sie zu bitten, diese in ihrer Stellungnahme zu berücksichtigen.

mehr Informationen: plenum-online, Januar 2006
(www.sh-landtag.de/plenumonline/januar2006/texte/35_schulsystem.htm)

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