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Hochschulreform
nimmt
erste Hürde im Landtag
Opposition
kritisiert Universitätsrat / Umstrittene Frage der Studiengebühren
nicht geregelt
Kiel (SHL/12.10.)
– Die Opposition hat ihre Kritik an der von
Schwarz-Rot geplanten Reform der Hochschulen des Landes auch im
Plenum untermauert. In der Ersten Lesung zu dem von
Wissenschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) vorgelegten Gesetz
zur Modernisierung der Hochschullandschaft wiederholten die
Abgeordneten der FDP, Grünen und SSW vor allem ihre Vorbehalte
gegen die Einführung des Universitätsrates, das ehrenamtlich die
Entwicklung der drei Unis in Kiel, Flensburg und Lübeck
koordinieren soll. Die Opposition bezweifelte insbesondere, dass es im Ehrenamt
möglich sei, die erforderlichen sachgerechten,
zukunftsträchtigen Entscheidungen für Schleswig-Holstein
Hochschulen zu treffen.
Dem widersprach der Wissenschaftsminister. Der
Universitätsrat führe zu einer "ständigen Evaluation der
Universitäten von außen" und erleichtere die
Weichenstellungen in der Hochschulpolitik, so Austermann.
Rückendeckung bekam der Minister von CDU und SPD: Wenn der Rat
als Mittler zwischen Staat und Gesellschaft auftrete, könne er
auch etwas bewirken, hieß es aus den Reihen der
Regierungsfraktionen.
Es ist vorgesehen, dass dem Universitätsrat vier
vom Senat der Christian-Albrechts-Universität Kiel (CAU) benannte
Mitglieder angehören sollen, die beiden anderen Universitäten
Lübeck und Flensburg sollen je zwei stellen. Ein neuntes Mitglied
– der Vorsitzende – soll von den genannten acht Mitgliedern
gewählt werden. Das Hochschulgesetz sieht überdies die
Einführung eines gemeinsamen Medizinausschusses für die
medizinischen Fakultäten in Kiel und in Lübeck vor.
"Weg von der Regionalpolitik hin zur
Wissenschaftspolitik"
Das 90 Seiten umfassende Gesetzeswerk sei der
"Aufbruch in eine neue Hochschullandschaft", betonte
Austermann. Es gebe den Universitäten mehr Freiheiten an die
Hand. Die Universitäten könnten ihre Studenten künftig selber
aussuchen und ihre Professoren eigenständig berufen. Zudem führe
das Gesetz zu einem Wissenschaftsraum Schleswig-Holstein, weil es
die Abstimmung der 13 staatlich anerkannten Hochschulen
aufeinander einfordere. Damit beschreite das Land den "Weg
von der Regionalpolitik hin zur Wissenschaftspolitik", so der
Minister.
Ursprünglich hatte Austermann noch weiter reichende Pläne: Er
wollte die drei Standorte Kiel, Flensburg und Lübeck zu einer Landes-Uni zusammenführen. Dies konnte er jedoch nicht durchsetzen.
CDU warnt vor "Städtekampf" / SPD
sieht
bessere Synergien
Der Städtekampf zwischen Universitätsstandorten
lenke von den Problemen unserer Hochschullandschaft ab – "auch
wenn das in der Öffentlichkeit immer gut ankommt", befand
Niclas Herbst (CDU). Dabei werde übersehen, wie viele positive
Veränderungen das Hochschulgesetz mit sich bringe: So sei es
beispielsweise richtig, dass die Arbeit an den medizinischen
Fakultäten in Kiel und Lübeck koordiniert werde. In dieselbe
Richtung argumentierte Jürgen Weber (SPD): Er verspreche sich
durch das Gesetz – vor allem im Bereich Medizin – "bessere
Synergien". Wichtig sei zudem, was nicht in dem Gesetz
stünde: Dass in Schleswig-Holstein weiterhin keine
Studiengebühren erhoben werden.
Grüne: "Gesetz ist überflüssig,
ideologisch, elitär, undemokratisch"
"Ehrenamtlichkeit und Umfang der geplanten
Zuständigkeiten des Universitätsrates sind völlig
unvereinbar", konstatierte Ekkehard Klug (FDP). Er warnte vor
"einem Regiment der Sekretäre", da ehrenamtliche
,Räte' wesentliche Beschlusskompetenzen nicht sachgerecht
wahrnehmen könnten. Für Karl-Martin
Hentschel ist das Gesetz "überflüssig, ideologisch,
elitär, undemokratisch". Statt für mehr Freiheit,
Kreativität und Engagement an den Hochschulen sorge es dafür,
dass mit dem Universitätsrat ein "externer
Führungszirkel" wichtige Entscheidungen treffe.
Für sie gebe es "keinen Widerspruch zwischen
Regional- und Wissenschaftspolitik", sprach sich Anke
Spoorendonk (SSW) grundsätzlich für eine Stärkung der lokalen
Hochschul-Standorte aus. Als Alternative zum Universitätsrat warb
sie für die Gründung "eines echten
Wissenschaftsrates".
Hintergrund:
Die Landesregierung
legt dem Parlament ihren Entwurf eines neuen
Landeshochschulgesetzes (HSG) vor. Durch das um 50
Paragrafen verkürzte Regelwerk sollen die Hochschulen im
Lande nach Aussage des Wissenschaftsministeriums mehr
Autonomie und mehr Eigenverantwortung erhalten.
Vorgesehen ist die Einrichtung eines Universitätsrates,
der die Entwicklung der drei Unis in Kiel, Flensburg und
Lübeck koordinieren soll. Hier wird der Senat der
Christian-Albrechts-Universität Kiel (CAU) vier
Mitglieder benennen können, die beiden anderen Unis je
zwei. Ein neuntes Mitglied – der Vorsitzende – wird
von den genannten acht Mitgliedern gewählt. Damit wird
gegenüber dem Ursprungsentwurf vom Juli der Standort Kiel
aufgewertet, nachdem die CAU auf ihre Stellung als
größte Uni des Landes mit 21.000 Studenten verwiesen
hat. Flensburg hat 3.800 und Lübeck 2.600 Studenten. Die
Amtszeit der Mitglieder beträgt drei Jahre.
Die Hochschulen werden zukünftig Verwaltungsgebühren
für die Erst-Einsschreibung der Studierenden, nicht
dagegen für die Rückmeldung erheben. Die Höhe der
Gebühren werden die Hochschulen festlegen.
Außerdem soll ein Medizinausschusses
die Angelegenheiten der beiden medizinischen Fakultäten
von Kiel und Lübeck koordiniert. Insbesondere wird hier
über die Verwendung der Mittel für Forschung und Lehre
(etwa 70 Millionen Euro) entschieden werden.
Ein weiterer Punkt: Die Hochschulen sollen künftig
von Präsidien geleitet werden, wobei der
Präsident vom Senat gewählt und vom Ministerium bestellt
wird. Die Stelle wird öffentlich ausgeschrieben. Bisher
werden die Unis von Rektoraten geleitet, deren Mitglieder
von einem Konsistorium gewählt werden.
Ursprünglich hatte Wissenschaftsminister Dietrich
Auster-
mann (CDU) noch weiter reichendere Pläne: Er wollte die
drei Standorte Kiel, Flensburg und Lübeck zu einer
Landes- Uni zusammenführen (s. plenum-online, November
2005).
Auch der Universitätsrat war bereits Gegenstand
einer Aktuellen Stunde des Landtages (s. plenum-online,
März
2006)
mehr
Informationen: plenum-online,
März
2006
(www.sh-landtag.de/plenumonline/maerz2006/
texte/27_32_unirat_foederalismus_.htm)
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