Grüne und SSW werfen
Regierung
unseriöse Finanzplanung vor
Kiel (SHL/12.10.) –
Mit großer Mehrheit hat der Schleswig-Holsteinische Landtag die
Bundesregierung aufgefordert, den Weg für den Bau einer festen
Fehmarnbelt-Querung bis Jahresende freizumachen. CDU, SPD und FDP
verwiesen auf das große Wirtschaftspotential des zusammenwachsenden
Ostseeraums für Schleswig-Holstein. Dies habe Berlin noch nicht
ausreichend zur Kenntnis genommen, kritisierten die
Projekt-Befürworter. "Wir erwarten eine positive Entscheidung
des Bundes", schloss Verkehrsminister Dietrich Austermann (CDU)
an. Ganz andere Töne schlugen Grüne und SSW an. Der geplante Bau
einer Brücke zwischen Fehmarn und der dänischen Insel Lolland sei
ein "Luftschloss" und enthalte nicht abzuschätzende
finanzielle Risiken. Das hierfür vorgesehene Geld solle stattdessen
für den Ausbau der Verkehrs-Infrastruktur an Land verwendet werden.
Anlass der Debatte war die Antwort der
Landesregierung auf eine Große Anfrage der Grünen. Demnach wird
die Überbrückung der 20 Kilometer Ostsee rund fünf Milliarden
Euro kosten. Bei einem Baubeginn im Jahr 2010 könnten hier 2017 die
ersten Autos und Züge rollen. Zur Finanzierung strebt die
Landesregierung, wie auch die dänische Seite, ein so genanntes
Staatsgarantiemodell an, bei dem ein gemeinsames
Betreiber-Konsortium die Aufträge vergibt und die beiden
beteiligten Staaten Kreditgarantien übernehmen. Durch
Maut-Einnahmen könnte der Betrieb dem Regierungspapier
anschließend bereits 2025 schwarze Zahlen schreiben.
Koalition: „Nicht verzagt" sein
Minister Austermann verwies im Plenum auf die
Investoren-Konferenz, die Ende September in Berlin stattgefunden
hat. Hier hätten drei große Konsortien ihre Bereitschaft erklärt,
sich zu beteiligen. Er erwartete einen "positiven
Beschäftigungseffekt" durch die Brücke: 5.000 bis 6.000
Arbeitsplätze entstünden beim Bau, weitere 1.000 bis 2.000
Ersatzarbeitsplätze seien in der Region zu erwarten, auch wenn die
jetzige Fährverbindung eingestellt werde.
"Die Bundesregierung verzögert und taktiert
permanent", bemängelte Hans-Jörn Arp (CDU) mit Blick auf
jüngste Äußerungen der Bundesminister Tiefensee und Steinbrück
sowie von Bundeskanzlerin Merkel. Demgegenüber sei die dänische
Politik schon viel weiter. Er warb für die "einmalige
Chance", dieses "Jahrhundertprojekt" zu realisieren.
Auch SPD-Fraktionschef Lothar Hay (SPD) rief dazu auf, "nicht
verzagt" zu sein, sondern die "internationale
Dimension" des Projekts zu erkennen. Er wies darauf hin, dass
die Zusage bis Jahresende erfolgen müsse – ansonsten ziehe die EU
ihre angekündigte 20-prozentige Förderung im Rahmen der "Trans-Europäischen
Netzwerke" (TEN) zurück.
Grüne und SSW: Risiken werden ausgeblendet
Heiner Garg (FDP) rechnete die Zeit- und
Wegersparnis der Querung vor: Der Landweg von Hamburg nach
Kopenhagen verkürze sich um gut 150 Kilometer. Und: Anstelle der
einstündigen Abfertigung und Fährpassage sei ein PKW auf der
Brücke zwölf Minuten und ein LKW 18 Minuten unterwegs. Insofern
steige auch die Wettbewerbsfähigkeit des Speditionsgewerbes.
"Sie reden die feste Beltquerung schön und
blenden die Risiken aus", sagte dagegen Detlef Matthiessen
(Grüne) in Richtung Landesregierung. Das Betriebsrisiko verbleibe
bei dem geplanten Finanzierungsmodell bei der öffentliche Hand. Er
verwies auf das "funktionierende Fährsystem" mit 1.100
Mitarbeitern und 96 Passagen täglich. Dies dürfe nicht "plattgemacht"
werden. Auch der Vergleich mit der profitablen Öresund-Querung
hinke, weil die dortige Brücke unmittelbar in einem Ballungsraum
liege.
"Wenn alles gut geht und die Prognosen stimmen,
hat die private Wirtschaft ihre Vorteile. Sollte es aber nicht so
laufen, dann bleibt der Schwarze Peter bei den öffentlichen Kassen
hängen", kritisierte auch Lars Harms (SSW). Zudem gehe die
Beltquerung auf Kosten anderer Projekte wie der westlichen
Elbquerung, dem grenzüberschreitenden Schienenverkehr mit Dänemark
und dem Ausbau der A 7: "Wer die Beltquerung will, muss auch
sagen, auf welche Projekte er verzichten will", bekräftigte
Harms.