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Top 40:
a.) Ambulante Betreuung, ambulante Pflege – "Selbständig leben und wohnen bei Pflege und Betreuungsbedarf"

Landtagsbeschluss vom 23. Februar 2006 – Drucksache 16/593
b.) Pflege stärken
Landtagsbeschluss vom 30. Juni 2006 – Drucksache 16/847

Pflege fängt zu Hause an

Land setzt auch auf Ausbau der ambulanten Betreuung

Kiel (SHL/13.10.) – Schleswig-Holstein will die Situation für pflegebedürftige Menschen und pflegende Angehörige im Land weiter verbessern und setzt dabei insbesondere auf den Ausbau der ambulanten Betreuung. Dieser Ansatz decke sich mit den Wünschen der Betroffenen, betonte Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) in einem von CDU und SPD  beantragten Bericht und begründete: "Immer mehr Menschen werden pflegebedürftig, immer weniger wollen in ein Heim."

Im Jahr 2003 seien 45.923 der etwa 74.000 Pflegebedürftigen zu Hause versorgt worden, so Trauernicht. Bei gut einem Drittel von ihnen hätten die Pflegedienste die ambulante Betreuung, bei zwei Dritteln die Angehörigen die Pflege geleistet. Hierbei hätte es sich überwiegend um Ehefrauen oder Töchter gehandelt.

Trauernicht ging in ihrer Rede auch auf einen zweiten, dem Plenum vorliegenden schriftlichen Bericht mit dem Titel "Pflege stärken" ein. Das Papier war auf Basis eines gemeinsamen Antrages der Regierungsfraktionen und der Grünen zustande gekommen. Darin zieht die Landesregierung eine positive Bilanz: Dank der trägerunabhängigen Pflegeberatungsstellen im Lande sei es in Flensburg, Kiel, Lübeck, Neumünster sowie in den Kreisen Dithmarschen, Lauenburg, Pinneberg und Segeberg gelungen, in vielen Fällen Perspektiven für eine Pflege zu Hause aufzuzeigen und eine Heimunterbringung zu vermeiden. Dadurch seien bei den Sozialhilfemitteln im Vorjahr Einsparungen von 1,47 Millionen Euro erreicht worden.

Um die Qualität der ambulanten und stationären Pflege weiter zu verbessern, kündigte Trauernicht an,  in Neumünster eine Koordinierungsstelle zur Verzahnung der unabhängigen Pflegeberatungsstellen einzurichten. Parteiübergreifend sicherten die Abgeordneten der Ministerin ihre Unterstützung zu. Der Ausbau der ambulanten Pflege sei sowohl aus sozialer als auch aus finanzieller Sicht der richtige Ansatz. Die Pflegebedürftigen verblieben in ihrem vertrauten Umfeld und könnten auf bewährte zwischenmenschliche Kontakte bauen, hieß es aus dem Plenum. Auch die Qualität der Pflege müssen ständig hinterfragt und vorangetrieben werden, wurde betont.

Die beiden Berichte wurden an den Sozialausschuss überwiesen.

Stimmen aus dem Plenum:

Torsten Geerdts (CDU): Ziel muss es sein, den Pflegebedürftigen eine weitgehend eigenständige Lebensführung zu ermöglichen. Dafür benötigt das Land mehr altengerechte Wohnungen.

Siegrid Tenor-Alschausky (SPD): Die Berichte lassen folgendes Fazit zu: Die trägerunabhängigen Beratungsstellen haben sich bewährt. Die Beratungsstellen werden auch weiterhin gebraucht, um in Kooperation mit den Kommunen die Pflege den Bedürfnissen der Menschen anzupassen.

Heiner Garg (FDP): Es sind 90 Prozent der Ehefrauen und Töchter, die zurzeit die Pflege leisten. Dieses Engagement von Frauen gilt es in Zukunft aufzufangen, denn dieses Pflegepotential bricht auf Grund der demografischen Entwicklung weg.

Monika Heinold (Grüne): Trägerunabhängige Beratungsstellen sind auch aus wirtschaftlicher Sicht ein Erfolgsmodell. Das Informationsangebot muss allerdings über ein Internetportal ausgebaut und verbessert werden.

Lars Harms (SSW): Information ist nicht der alleinige Schlüssel zum Erfolg. Überzeugungsarbeit muss auch mit Strukturen geleistet werden. Deshalb sollten die Pflegeberatungsstellen in feste Institutionen umgewandelt werden.


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