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Pflege fängt zu
Hause an
Land setzt auch auf
Ausbau der ambulanten Betreuung
Kiel (SHL/13.10.)
– Schleswig-Holstein will die Situation für pflegebedürftige
Menschen und pflegende Angehörige im Land weiter verbessern und
setzt dabei insbesondere auf den Ausbau der ambulanten Betreuung.
Dieser Ansatz decke sich mit den Wünschen der Betroffenen, betonte
Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) in einem von CDU und
SPD beantragten Bericht und begründete: "Immer mehr
Menschen werden pflegebedürftig, immer weniger wollen in ein Heim."
Im Jahr 2003 seien 45.923 der etwa 74.000
Pflegebedürftigen zu Hause versorgt worden, so Trauernicht. Bei gut
einem Drittel von ihnen hätten die Pflegedienste die ambulante
Betreuung, bei zwei Dritteln die Angehörigen die Pflege geleistet.
Hierbei hätte es sich überwiegend um Ehefrauen oder Töchter
gehandelt.
Trauernicht ging in ihrer Rede auch auf einen
zweiten, dem Plenum vorliegenden schriftlichen Bericht mit dem Titel
"Pflege stärken" ein. Das Papier war auf Basis eines
gemeinsamen Antrages der Regierungsfraktionen und der Grünen
zustande gekommen. Darin zieht die Landesregierung eine positive
Bilanz: Dank der trägerunabhängigen Pflegeberatungsstellen im
Lande sei es in Flensburg, Kiel, Lübeck, Neumünster sowie in den
Kreisen Dithmarschen, Lauenburg, Pinneberg und Segeberg gelungen, in
vielen Fällen Perspektiven für eine Pflege zu Hause aufzuzeigen
und eine Heimunterbringung zu vermeiden. Dadurch seien bei den
Sozialhilfemitteln im Vorjahr Einsparungen von 1,47 Millionen Euro
erreicht worden.
Um die Qualität der ambulanten
und stationären Pflege weiter zu verbessern, kündigte Trauernicht
an, in Neumünster eine Koordinierungsstelle zur Verzahnung
der unabhängigen Pflegeberatungsstellen einzurichten.
Parteiübergreifend sicherten die Abgeordneten der Ministerin ihre
Unterstützung zu. Der Ausbau der ambulanten Pflege sei sowohl aus
sozialer als auch aus finanzieller Sicht der richtige Ansatz. Die
Pflegebedürftigen verblieben in ihrem vertrauten Umfeld und
könnten auf bewährte zwischenmenschliche Kontakte bauen, hieß es
aus dem Plenum. Auch die Qualität der Pflege müssen ständig
hinterfragt und vorangetrieben werden, wurde betont.
Die beiden Berichte wurden an den Sozialausschuss
überwiesen.
Stimmen aus dem Plenum:
Torsten Geerdts (CDU): Ziel muss es sein, den
Pflegebedürftigen eine weitgehend eigenständige Lebensführung zu
ermöglichen. Dafür benötigt das Land mehr altengerechte
Wohnungen.
Siegrid Tenor-Alschausky (SPD): Die Berichte
lassen folgendes Fazit zu: Die trägerunabhängigen Beratungsstellen
haben sich bewährt. Die Beratungsstellen werden auch weiterhin
gebraucht, um in Kooperation mit den Kommunen die Pflege den
Bedürfnissen der Menschen anzupassen.
Heiner Garg (FDP): Es sind 90 Prozent der
Ehefrauen und Töchter, die zurzeit die Pflege leisten. Dieses
Engagement von Frauen gilt es in Zukunft aufzufangen, denn dieses
Pflegepotential bricht auf Grund der demografischen Entwicklung weg.
Monika Heinold (Grüne): Trägerunabhängige
Beratungsstellen sind auch aus wirtschaftlicher Sicht ein
Erfolgsmodell. Das Informationsangebot muss allerdings über ein
Internetportal ausgebaut und verbessert werden.
Lars Harms (SSW): Information ist nicht der
alleinige Schlüssel zum Erfolg. Überzeugungsarbeit muss auch mit
Strukturen geleistet werden. Deshalb sollten die
Pflegeberatungsstellen in feste Institutionen umgewandelt werden.
Hintergrund:
Der Landtag behandelt zwei
Regierungsberichte zum Thema Pflege.
In einem von Christ- und Sozialdemokraten
initiierten Bericht nimmt das Sozialministerium zur
Situation der ambulanten Pflege im Lande Stellung. Dem
Papier zufolge wurden 2003 insgesamt 45.923 der etwa
74.000 Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. Bei einem
Drittel hiervon übernahmen Pflegedienste die ambulante
Betreuung, bei zwei Dritteln die Angehörigen. Hierbei
handelte es sich überwiegend um Frauen, zumeist Ehefrauen
oder Töchter. Bei einem großen Teil dieser
Personengruppe (37.000) wurde die Pflegebedürftigkeit von
einer Demenz-Erkrankung begleitet.
Zu den Maßnahmen der Landesregierung in diesem
Bereich zählt unter anderem die Unterstützung der
Öffentlichkeitskampagne "aktion ambulant", die
pflegende Angehörige für das Thema sensibilisieren will.
Hierfür hat das Ministerium eine Anschubfinanzierung von
50.000 Euro bereitgestellt. Für Betreuungsangebote für
Demenzkranke stehen in diesem Jahr 300.000 Euro zur
Verfügung.
In einem zweiten, von Schwarz-Rot und den Grünen
angeforderten Bericht geht es um die trägerunabhängigen
Pflegeberatungsstellen im Lande. Hier zieht die
Landesregierung eine positive Bilanz: Durch Beratung der
Betroffenen sei es den acht Stellen in Flensburg, Kiel,
Lübeck, Neumünster sowie in den Kreisen Dithmarschen,
Lauenburg, Pinneberg und Segeberg gelungen, in vielen
Fällen Perspektiven für eine Pflege zu Hause aufzuzeigen
und eine Heimunterbringung zu vermeiden. Dadurch seien bei
den Sozialhilfemitteln im Vorjahr Einsparungen von 1,47
Millionen Euro erreicht worden. Abzüglich der Kosten für
die Beratungsstellen verbleibt dem Bericht zufolge eine
"echte Einsparung" von 235.000 Euro. Zudem
wurden für die Träger der Pflegeversicherung
Einspareffekte von 844.000 Euro ermittelt.
Das Sozialministerium nimmt außerdem zu dem
Vorschlag der Grünen Stellung, ein landesweites
Internet-Portal für Pflegeangebote einzurichten. Hier
lässt das Sozialministerium nach eigenen Angaben zurzeit
prüfen, ob der so genannte elektronische Pflege-Atlas
für diesen Zweck öffentlich nutzbar gemacht werden kann.
mehr Informationen: plenum-online,
Februar
2006
(www.sh-landtag.de/plenumonline/februar2006/texte/27_wohnen_im_alter.htm)
Juni
2006
(www.sh-landtag.de/plenumonline/juni2006/texte/18_pflegeportal.htm)
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