Kiel (SHL/11.10.). Der Landtag
fürchtet wegen des stetig wachsenden Fähr- und Kreuzfahrtverkehrs um die
Wasserqualität der Ostsee. Das Problem: Viele Schiffe leiten Schmutzwasser
und Fäkalien direkt in die Ostsee. Vertreter aller Couleur verlangen deshalb
eine internationale Regelung für eine Entsorgung in den Häfen. Einen
entsprechenden Antrag der Grünen überwies das Plenum an den Umwelt- und
Agrarausschuss. In dem Papier fordert die Oppositionspartei die
Landesregierung dazu auf, sich auf europäischer Ebene für ihre Forderung
einzusetzen.
Zurzeit ist den Reedereien erlaubt, außerhalb der
Zwölf-Meilen-Zone Abwässer in die See zu leiten. Die Umweltstiftung WWF habe
errechnet, so die Antragsteller, dass von den Schiffen jährlich etwa 450
Tonnen Nitrate und 150 Tonnen Phosphate ins Meer fließen. Laut WWF werden
jährlich 100 Millionen Klospülungen durch die Passagierschifffahrt
ungeklärt ins Meer abgelassen. "Schleswig-Holstein ist ein Land, das vom
Tourismus lebt", begründete Detlef Matthiessen den Vorstoß seiner
Grünen-Fraktion. "Wir wollen saubere Strände, intakte Ökosysteme und
ein Badewasser, vor dem es uns nicht ekeln soll. Schleswig-Holstein muss sich
an die Spitze der Bewegung setzen und für eine Änderung der gängigen Praxis
kämpfen."
Trotz parteiübergreifender Zustimmung gab es allerdings auch
kritische Anmerkungen an dem Grünen-Antrag. Fäkalien und Schmutzwasser der
Luxusliner seien nur "zu einem Hundertstel an der Stickstoff-Belastung
beteiligt", vermisste Umweltminister Christian von Boetticher (CDU) eine
statistisch korrekte Einordnung der Verschmutzungsquelle. Die restliche
Umweltbelastung ginge vom Land – also von der Wirtschaft und Landwirtschaft
– aus. Die Christdemokraten konstatierten, dass international bereits an
einer Lösung des Problems gearbeitet werde, und die Liberalen warnten vor
Wettbewerbsnachteilen durch die von den Grünen geforderten Hafengebühren.
Weitere Stimmen aus dem Plenum:
Axel Bernstein (CDU): Diverse Gremien beschäftigen
sich bereits mit der Verschmutzung der Ostsee durch Fähr- und
Kreuzfahrtschiffe. Als Beispiel dafür kann die Ostseekonferenz dienen.
Dennoch haben die Grünen hier ein relevantes Thema aufgegriffen.
Detlef Buder (SPD): Es ist schon ein nicht zu
akzeptierender Anachronismus, dass auf modernen Kreuzfahrtschiffen die Gäste
Luxus um sich erfahren dürfen, aber zwölf Seemeilen vom nächsten Ufer
entfernt das Fäkalienwasser wie in der Steinzeit von Bord gehen darf.
Günther Hildebrand (FDP): Es kann nicht sein, dass der
Meeresschutz im wahrsten Sinne des Wortes wegen der Kreuzschifffahrt
untergeht. Eine Gewässer schonende Praxis muss Ostsee-weit umgesetzt werden.
Lars Harms (SSW): Während kleine Sportboote ihre
Abwässer in den Häfen entsorgen müssen, gibt es keine Regelungen für die
großen Pötte. Dies kann nicht richtig sein. Es gibt Entsorgungseinrichtungen
in den Häfen und die müssen genutzt werden.