Keine Neuwahlen im
Dezember:
Opposition scheitert mit Auflösungsantrag
Schwarz-Rot betont
grundsätzliche
Übereinstimmungen im Regierungsbündnis
(persönliche Erklärung von Wolfgang
Kubicki/FDP...gehe
zu)
Kiel (lno/SHL/10.10.)
Die Opposition im Schleswig-Holsteinischen Landtag ist
erwartungsgemäß mit dem Versuch gescheitert, Neuwahlen zu
erzwingen. Die Koalitionsfraktionen von CDU und SPD lehnten trotz
anhaltender Spannungen geschlossen den Antrag von FDP, Grünen und
Südschleswigschen Wählerverband (SSW) ab, die Legislaturperiode
vorzeitig zu beenden und das Parlament am 9. Dezember neu wählen
lassen. Damit verfehlte die Opposition, die insgesamt 10 der 69
Stimmen im Plenum hat, die benötigte Zweidrittelmehrheit klar.
Hintergrund des Vorstoßes war der labile Zustand der Koalition, die
ihren Bruch vor drei Wochen nur knapp vermeiden konnte.
Auslöser der Koalitionskrise war die CDU-Kritik an
Innenminister Ralf Stegner (SPD) während und nach der
September-Tagung des Landtages. Stegner kündigte daraufhin sein
Ausscheiden aus dem Kabinett zum 15. Januar nächsten Jahres an. Er
will dann mit SPD-Fraktionschef Lothar Hay die Posten tauschen.
CDU: "Es geht nicht um Sympathie
und Antipathie"
Die Opposition warf dem nach ihrer Einschätzung
völlig zerrütteten Regierungsbündnis Totalversagen,
Handlungsunfähigkeit und gegenseitige Blockade zu Lasten des Landes
vor. Die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD bekannten sich in
betont sachlichen Wortbeiträgen klar zur Fortführung der
Koalition. Regierungsmitglieder beteiligten sich nicht an der rund
einstündigen Landtagsdebatte.
Die Übereinstimmungen reichten trotz aller
Konflikte aus, um in Ruhe bis Ende der Wahlperiode gemeinsam zu
regieren, sagte CDU-Fraktionschef Johann Wadephul (Foto
li.). Er warf der
Opposition
vor, um Lichtjahre auseinander zu liegen. Es gehe um das
Wohl des Landes, betonte Wadephul, "es geht nicht um Sympathie
und Antipathie." Wenn man sich mit der nötigen Achtung begegne
und den Willen zu Kompromissen zeige, sei ihm um die Zukunft der
Koalition nicht bange, schloss SPD-Fraktionschef Lothar Hay (Foto
re.) an.
Telefongespräch zwischen Stegner und
Carstensen weiter Thema
"Die große Koalition hat ihre politischen
Gemeinsamkeiten erschöpft", meinte dagegen der
Oppositionsführer im Landtag, FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki (Foto).
Sein Fazit: "CDU und SPD betrachten sich in der Koalition nicht
mehr als Partner, sondern nur noch als Gegner." Kubicki
bezichtigte SPD-Innenminister Stegner erneut der Lüge und
begründete dies mit dessen Aussage am Tag nach Beilegung der
jüngsten Koalitionskrise, bei den Verhandlungen um seinen
Rücktrittstermin sei nicht über seine Pensionsansprüche geredet
worden. Ein Minister, der die Unwahrheit sage, sei untragbar, sagte
Kubicki.
SPD-Fraktionschef Hay warf dem Oppositionsführer
einen unwürdigen Stil vor. "Ihr Verhalten diskreditiert Sie
persönlich für die Zukunft als politischer Partner." Als
"Ohrenzeuge" des umstrittenen Telefonats zwischen Stegner
und Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) habe er den
Eindruck gewonnen, dass es sich um ein "Missverständnis"
gehandelt hat, sagte Hay.
Grüne/SSW: Politische Basis für das Bündnis
ist zerbröckelt
Harsch kritisierte der Fraktionsvorsitzende der
Grünen, Karl-Martin Hentschel, besonders die Bildungs- und
Ausgabenpolitik der Koalition. Es sei ein Skandal, dass sie den
Haushalt ausweite und neue Stellen schaffe. "Das ist eine
Ansammlung von sich misstrauisch belauernden Gartenzwergen", so
Hentschel über die Akteure in der Koalition. Er prophezeite dem
schwarz-roten Bündnis, das nächste Jahr nicht zu überleben.
Es gebe schwerwiegende Gründe für eine
Selbstauflösung des Parlaments, sagte Anke Spoorendonk, Vorsitzende
des SSW im Landtag. Die Koalition biete ein verheerendes Bild und
habe die Lösung zentraler politischer Probleme nicht entscheidend
vorangebracht. Es sei noch schlimmer gekommen als befürchtet.
"Öffentliche Streitereien und Zwietracht sind an der
Tagesordnung." Die politische Basis für das Bündnis sei
zerbröckelt.
Persönliche
Erklärung:
Kiel (SHL/11.10.)
Oppositionsführer Wolfgang Kubicki (FDP) hat sich in einer
persönlichen Erklärung vor dem Landtag bei Innenminister Ralf
Stegner (SPD) für seine Äußerungen in der Debatte um die
Auflösung des Parlaments entschuldigt. Kubicki hatte am gestrigen
Mittwoch die "Ehrenwort-Erklärung" vom ehemaligen
Ministerpräsidenten Uwe Barschel mit Ausführungen von Stegner in
Zusammenhang gebracht und beide Politiker der vorsätzlichen Lüge
bezichtigt. "Das war unprofessionell. Herr Stegner ist zwar
eine provokante Persönlichkeit, der bis an die Schmerzgrenze und
zuweilen auch darüber hinaus geht. Ich glaube aber nicht, dass er
unlautere Methoden angewendet hat oder anwenden wird", so
Kubicki.
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