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Vorzeitige Beendigung der 16. Wahlperiode des Schleswig-Holsteinischen Landtages nach Artikel 13 Absatz 2 der Verfassung des Landes Schleswig-Holstein
Antrag der Fraktionen von FDP, Bündnis90/Die Grünen und der Abgeordneten des SSW
Drucksache: 16/1638
-Plenarprotokoll-

Keine Neuwahlen im Dezember:
Opposition scheitert mit Auflösungsantrag

Schwarz-Rot betont grundsätzliche
Übereinstimmungen im Regierungsbündnis

(persönliche Erklärung von Wolfgang Kubicki/FDP...gehe zu)

 

Kiel (lno/SHL/10.10.) Die Opposition im Schleswig-Holsteinischen Landtag ist erwartungsgemäß mit dem Versuch gescheitert, Neuwahlen zu erzwingen. Die Koalitionsfraktionen von CDU und SPD lehnten trotz anhaltender Spannungen geschlossen den Antrag von FDP, Grünen und Südschleswigschen Wählerverband (SSW) ab, die Legislaturperiode vorzeitig zu beenden und das Parlament am 9. Dezember neu wählen lassen. Damit verfehlte die Opposition, die insgesamt 10 der 69 Stimmen im Plenum hat, die benötigte Zweidrittelmehrheit klar. Hintergrund des Vorstoßes war der labile Zustand der Koalition, die ihren Bruch vor drei Wochen nur knapp vermeiden konnte.

Auslöser der Koalitionskrise war die CDU-Kritik an Innenminister Ralf Stegner (SPD) während und nach der September-Tagung des Landtages. Stegner kündigte daraufhin sein Ausscheiden aus dem Kabinett zum 15. Januar nächsten Jahres an. Er will dann mit SPD-Fraktionschef Lothar Hay die Posten tauschen.

CDU: "Es geht nicht um Sympathie
und Antipathie"

Die Opposition warf dem nach ihrer Einschätzung völlig zerrütteten Regierungsbündnis Totalversagen, Handlungsunfähigkeit und gegenseitige Blockade zu Lasten des Landes vor. Die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD bekannten sich in betont sachlichen Wortbeiträgen klar zur Fortführung der Koalition. Regierungsmitglieder beteiligten sich nicht an der rund einstündigen Landtagsdebatte.

Die Übereinstimmungen reichten trotz aller Konflikte aus, um in Ruhe bis Ende der Wahlperiode gemeinsam zu regieren, sagte CDU-Fraktionschef Johann Wadephul (Foto li.). Er warf der Opposition vor, um Lichtjahre auseinander zu liegen. Es gehe um das Wohl des Landes, betonte Wadephul, "es geht nicht um Sympathie und Antipathie." Wenn man sich mit der nötigen Achtung begegne und den Willen zu Kompromissen zeige, sei ihm um die Zukunft der Koalition nicht bange, schloss SPD-Fraktionschef Lothar Hay (Foto re.) an.

Telefongespräch zwischen Stegner und
Carstensen weiter Thema

"Die große Koalition hat ihre politischen Gemeinsamkeiten erschöpft", meinte dagegen der Oppositionsführer im Landtag, FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki (Foto). Sein Fazit: "CDU und SPD betrachten sich in der Koalition nicht mehr als Partner, sondern nur noch als Gegner." Kubicki bezichtigte SPD-Innenminister Stegner erneut der Lüge und begründete dies mit dessen Aussage am Tag nach Beilegung der jüngsten Koalitionskrise, bei den Verhandlungen um seinen Rücktrittstermin sei nicht über seine Pensionsansprüche geredet worden. Ein Minister, der die Unwahrheit sage, sei untragbar, sagte Kubicki.

SPD-Fraktionschef Hay warf dem Oppositionsführer einen unwürdigen Stil vor. "Ihr Verhalten diskreditiert Sie persönlich für die Zukunft als politischer Partner." Als "Ohrenzeuge" des umstrittenen Telefonats zwischen Stegner und Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) habe er den Eindruck gewonnen, dass es sich um ein "Missverständnis" gehandelt hat, sagte Hay.

Grüne/SSW: Politische Basis für das Bündnis
ist zerbröckelt

Harsch kritisierte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Karl-Martin Hentschel, besonders die Bildungs- und Ausgabenpolitik der Koalition. Es sei ein Skandal, dass sie den Haushalt ausweite und neue Stellen schaffe. "Das ist eine Ansammlung von sich misstrauisch belauernden Gartenzwergen", so Hentschel über die Akteure in der Koalition. Er prophezeite dem schwarz-roten Bündnis, das nächste Jahr nicht zu überleben.

Es gebe schwerwiegende Gründe für eine Selbstauflösung des Parlaments, sagte Anke Spoorendonk, Vorsitzende des SSW im Landtag. Die Koalition biete ein verheerendes Bild und habe die Lösung zentraler politischer Probleme nicht entscheidend vorangebracht. Es sei noch schlimmer gekommen als befürchtet. "Öffentliche Streitereien und Zwietracht sind an der Tagesordnung." Die politische Basis für das Bündnis sei zerbröckelt.

Persönliche Erklärung:

Kiel (SHL/11.10.) Oppositionsführer Wolfgang Kubicki (FDP) hat sich in einer persönlichen Erklärung vor dem Landtag bei Innenminister Ralf Stegner (SPD) für seine Äußerungen in der Debatte um die Auflösung des Parlaments entschuldigt. Kubicki hatte am gestrigen Mittwoch die "Ehrenwort-Erklärung" vom ehemaligen Ministerpräsidenten Uwe Barschel mit Ausführungen von Stegner in Zusammenhang gebracht und beide Politiker der vorsätzlichen Lüge bezichtigt. "Das war unprofessionell. Herr Stegner ist zwar eine provokante Persönlichkeit, der bis an die Schmerzgrenze und zuweilen auch darüber hinaus geht. Ich glaube aber nicht, dass er unlautere Methoden angewendet hat oder anwenden wird", so Kubicki.

 

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Hintergrund:
  Die Oppositionsparteien fordern die vorzeitige Beendigung der laufenden Wahlperiode des schleswig-holsteinischen Landtages. Neuwahlen sollen nach Willen von FDP, Grünen und SSW am Sonntag, dem 9. Dezember abgehalten werden. Regulär würden diese erst im Frühjahr 2010 stattfinden.
  Über den Antrag wird in offener Abstimmung entschieden. Er ist laut Artikel 13 der Landesverfassung erfolgreich, wenn zwei Drittel der Abgeordneten (46 von 69 ) dafür stimmen. Gleichzeitig muss ein Neuwahltermin festgelegt werden. Dieser muss spätestens 70 Tage nach der Abstimmung liegen.
  Die drei Fraktionsvorsitzenden der Opposition haben ihren Antrag Ende September gemeinsam der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie verwiesen zur Begründung auf die jüngsten Meinungsverschiedenheiten innerhalb der CDU/SPD-Koalition: Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und eine konstruktive Regierungspolitik seien vor diesem Hintergrund nicht mehr möglich.
  FDP-Fraktionschef und Oppositionsführer im Landtag, Wolfgang Kubicki, sah insbesondere Innenminister Ralf Stegner (SPD) als Verantwortlichen für die schwarz-roten Differenzen. Sein Verhalten schade dem Ansehen der Politik insgesamt. Laut Anke Spoorendonk, Vorsitzende des SSW im Landtag, würde eine weitere Zusammenarbeit von CDU und SPD zu Stillstand führen: "Die politische Basis dieses Bündnisses ist zerbröckelt." Die Verwaltungsstrukturreform und der Doppelhaushalt 2009/2010 hätten "keine realistische Chance auf Erfolg." Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel bemängelte, es gebe kein inhaltliches Projekt, das die Koalition noch zusammen halte. Bildungs- und Verwaltungsreform würden von der CDU "nicht gewollt", und der geplante Bürokratieabbau sei gescheitert.
  CDU und SPD haben den Antrag in ersten Reaktionen zurückgewiesen.
  Die Krise innerhalb der Koalition hat während der September-Tagung in den Debatten zur Kreisreform und zur Schülerbeförderung ihren Ausgang genommen
(plenum-online September 2007). Ruhe kehrte erst wieder ein, nachdem Innenminister Stegner für Januar 2005 seinen Rückzug aus dem Kabinett bekannt gegeben hatte.

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