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Top 22:
Situation des UKSH
Antrag der Fraktion Bündnis 90 / DIE GRÜNEN
Drucksache: 16/1642
-Plenarprotokoll-

Uni-Klinikum: Schwarz und Rot
nach wie vor weit auseinander

Diskussion um Einstieg privater Investoren hält an

Kiel (SHL/11.10.) Die unterschiedlichen Positionen innerhalb der schwarz-roten Koalition über den richtigen Sanierungskurs für das defizitäre Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK SH) sind im Plenum erneut deutlich zutage getreten. Wissenschaftsminister Dietrich Austermann (CDU/Foto) machte in einem von den Grünen beantragten Regierungsbericht deutlich, dass die Union nach wie vor einen Einstieg privater Investoren mit bis zu 49 Prozent favorisiert. Hier legte der SPD-Abgeordnete Jürgen Weber erneut das Veto der Sozialdemokraten ein: "Eine Privatisierung der Krankenversorgung war und ist für uns nicht akzeptabel". Das UK SH müsse, so Weber, eine Anstalt öffentlichen Rechts bleiben. Diese "Hängepartie" sei ein Grund für die schwierige Lage des Klinikums, bemängelte die Opposition. Die Landesregierung müsse schnell ein Sanierungskonzept vorlegen und so die Unsicherheit bei den Beschäftigten beseitigen.

Weitere Themen der Debatte waren die Besetzung der UK SH-Vorstandsposten und die aktuellen Vorwürfe illegaler Organtransplantationen. Das UKSH ist auch seit Wochen wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten in Zusammenhang mit der Behandlung ausländischer Patienten und dem Verlust von Patientenakten in den Schlagzeilen. Die teilweise "desaströse" finanzielle Situation des Klinikums müsse aber von den Vorwürfen wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten vollständig getrennt werden, forderte der Minister in der teilweise hitzigen Debatte.

Das Finanz-Problem: Das in Kiel und Lübeck ansässige Klinikum, mit über 10.000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber des Landes, schreibt seit Jahren rote Zahlen. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen ein Defizit von 17 Millionen Euro verzeichnet. Die Gesamtschulden belaufen sich auf 70 Millionen, der Investitionsstau auf 400 Millionen. Die Landesregierung hat deshalb im Frühjahr den ehemaligen Finanzstaatssekretär Carl-Hermann Schleifer als Sanierer berufen. Er soll bis Mitte nächsten Jahres sein Konzept erarbeiten. Unterdessen haben zwei der vier Vorstandsmitglieder des Klinikums neue Jobs in anderen Bundesländern angenommen. Ein Dritter ist aufgrund geänderter gesetzlicher Vorgaben ausgeschieden.

Austermann kündigt "harte Sanierung"
an / SPD warnt vor Alleingang

"Wir behalten uns vor, einen komplett neuen Vorstand zu installieren", betonte Minister Austermann. Es müssten "klare und deutliche Entscheidungen" getroffen werden, sagte er und kündigte eine "harte Sanierung" an. Der CDU-Abgeordnete Niklas Herbst wandte sich gegen Spekulationen, die Vorständler seien aus Protest gegen den Austermann-Kurs zurückgetreten. Es dürfe "keine Skandalisierung und kein politisches Ausschlachten" der gegenwärtigen Situation am UK SH geben, so Herbst.

Demgegenüber befand SPD-Mann Weber, es sei ein "bemerkenswerter Vorgang", dass sich der Vorstand "Stück für Stück in Luft auflöst". Er bekräftigte, der Sanierer Schleifer entscheide nicht allein über den Kurs des Klinikums. Jeder Schritt müsse "in Kooperation" mit dem Vorstand erfolgen. Ekkehard Klug (FDP) argwöhnte, der "Stillstand" zwischen Schwarz und Rot habe die Vorstandsmitglieder "wegegetrieben". Er appellierte an die Landesregierung, ihrer Verantwortung für das UK SH gerecht zu werden und die "Taktik des Durchwurstelns" zu beenden. Insbesondere Minister Austermann müsse seine "Ressortverantwortung" wahrnehmen.

Grüne und SSW argwöhnen Privatisierung
durch die Hintertür

Anke Spoorendonk (SSW) mahnte "Ruhe und Verlässlichkeit" an, ansonsten nehme der Gesundheitsstandort Schleswig-Holstein Schaden. Sie warnte vor einer Privatisierung "durch die kalte Küche", indem der Vorstand durch privates Management ausgetauscht werde. Diesen Verdacht äußerte auch Angelika Birk (Grüne): Austermann wolle "das UK SH an eine große Klinikkette verkaufen". Sie verwies darauf, dass Sanierer Schleifer zuvor bei der Damp-Klinikgruppe tätig gewesen sei und fragte: "Findet hier eine heimliche Übernahme durch die Damp-Gruppe statt?"

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Hintergrund:
  Die Grünen verlangen einen Regierungsbericht über das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK SH). Er soll die Privatisierungspläne, die Besetzung der Vorstandsposten sowie die auch in der Öffentlichkeit diskutierten Organ-Transplantationen für arabische Patienten behandeln.
  Problem Sanierung: Das Klinikum schreibt seit Jahren rote Zahlen. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen ein Defizit von 17 Millionen Euro verzeichnet. Die Gesamtschulden belaufen sich auf 70 Millionen, der Investitionsstau auf 400 Millionen. Die Landesregierung hat den Vorstand deshalb aufgefordert, das jährliche Minus bis 2010 auf null zu reduzieren.
  Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Regierung im April dieses Jahres den ehemaligen Finanzstaatssekretär Carl-Hermann Schleifer als Sanierungsberater berufen. Schleifer schlägt unter anderem die Auslagerung von Unternehmensteilen sowie die Einrichtung eines gemeinsamen Verwaltungssitzes vor. Zurzeit ist die Verwaltung sowohl in Kiel als auch in Lübeck ansässig.
  Als weiteren Sanierungsschritt hat Wissenschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) im September letzten Jahres den Einstieg privater Investoren mit bis zu 50 Prozent vorgeschlagen. Nachdem der Koalitionspartner SPD Skepsis gegenüber einer Privatisierung geäußert hat, hat die Koalition einen Kabinettsausschuss zur Festlegung einer gemeinsamen Position eingesetzt.
(plenum-online September 2006)
  Problem Vorstand:
Der Vorstand des UK SH besteht zurzeit anstatt der vorgesehenen vier nur noch aus zwei Mitgliedern, nachdem im Laufe des Jahres ein Vorständler aufgrund von Neuregelungen durch die Novelle des Hochschulgesetzes ausgeschieden war und eine weitere Top-Managerin nach Göttingen gegangen ist. Medienberichten zufolge erwägt auch Vorstandschef Prof. Bernd Kremer, dessen Vertrag bis 2009 läuft, einen vorzeitigen Abschied.
  Der Vorstand soll künftig nur noch aus drei Mitgliedern bestehen – die Pflegedienstleitung soll dann nicht mehr dazu gehören.
  Problem Transplantationen: Ende August geriet das UK SH durch anonyme Vorwürfe des angeblichen illegalen Organhandels in die Schlagzeilen. Hintergrund: In der Klinik sollen saudi-arabische Patienten bei der Vergabe von Spenderorganen bevorzugt worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Leiter der Abteilung für ausländische Patienten wurde Anfang September beurlaubt. Zahlreiche Patientenakten, die für die Aufklärung bedeutsam sein könnten, sollen verschwunden sein.
  Unterdessen berichten Medien von einem Brief der Organspende-Vermittlung Eurotransplant an das UK SH vom Juli. Die in Holland ansässige Stelle soll darin abgesprochen haben, dass mehr als fünf Prozent der Kieler Lebetransplantationen an Patienten vorgenommen worden seien, die nicht aus dem Eurotransplant-Raum stammen.

Stichwort: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
 
Das UK SH ist zum 1. Januar 2003 aus den Universitätsklinika Kiel und Lübeck entstanden. Es hat 2.400 Patientenbetten und ist mit derzeit 10.600 Beschäftigten der größte Arbeitsgeber im Lande. 6.100 Beschäftigte arbeiten in Kiel, 4.500 in Lübeck. Das UK SH ist eine Anstalt öffentlichen Rechts i
n Trägerschaft des Landes.

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