Kayenburg, der der Föderalismuskommission für die
Landtagspräsidenten und für die CDU angehört, wandte sich damit
gegen Forderungen, den Ländern verbindliche Neuverschuldungsstopps
vorzugeben. Es sei auch ohne diese strikten Vorgaben möglich, so
der Landtagspräsident, die Neuverschuldung der öffentlichen
Haushalte "bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts" auf
null zu fahren.
Die stellvertretende Ministerpräsidentin Ute
Erdsiek-Rave (SPD), die den erkrankten Regierungschef Peter Harry
Carstensen (CDU) vertrat, warb für das Modell der Landesregierung
für einen Entschuldungsfonds der Länder. Hier sollen die Schulden
aller Bundesländer in Höhe von zurzeit 480 Milliarden Euro
gebündelt und aus einem Teil der Mehrwertsteuer beglichen werden.
Erdsiek-Rave verwies auf den schleswig-holsteinischen Schuldenberg
von 22 Milliarden Euro, der dem Land "wie ein Mühlstein um den
Hals" hänge. Auch bei guter Konjunktur könne das Land diese
Altlasten nicht aus eigener Kraft abtragen.
FDP beklagt "öffentliche Misswirtschaft"
Dem schloss sich SPD-Fraktionschef Lothar Hay an,
der ebenfalls für die Landtage der Kommission angehört: "Was
passiert, wenn die Zinslasten so hoch sind, dass die
Neuverschuldungsgrenzen nicht einzuhalten sind?"
Schleswig-Holstein müsse jährlich eine knappe Milliarde aus seinem
Acht-Milliarden-Etat für Zinsen aufwenden. Hierfür machte Wolfgang
Kubicki, Fraktionschef der Liberalen, eine langjährige "öffentliche
Misswirtschaft" verantwortlich. Die Anreize, mit öffentlichem
Geld sparsam umzugehen, seien gering, so Kubicki. Und: Auch die in
der Landesverfassung festgeschriebene Schuldengrenze, laut der die
Höhe der Kredite die Investitionen nicht übersteigen darf, habe
"versagt".
Anders als Hay, der bei einer verstärkten
Steuerhoheit der Länder einen verschärften Wettbewerb zulasten der
finanzschwachen Gliedstaaten befürchtete, machte sich Karl-Martin
Hentschel (Grüne) für die Steuerautonomie stark. Die
Befürchtungen seien "nicht berechtigt", merkte Hentschel
an und verwies auf die Regionalsteuern für Bildung und
Infrastrukturmaßnahmen in Schweden, Dänemark oder der Schweiz.
Anke Spoorendonk (SSW) forderte eine Entflechtung der
Mischfinanzierungen und des Finanzausgleichs von Bund und Ländern,
"damit die Menschen wissen, wer für politische Maßnahmen
verantwortlich ist und wo sie sich beschweren können".
"Berliner Erklärung"
Die Föderalismuskommission II, die im März
erstmals zusammengekommen ist, strebt die Neuordnung der
Bund-Länder-Finanzbeziehungen an. Ihr gehören die 16 Landeschefs,
16 Vertreter des Bundestags sowie vier beratende Mitglieder aus den
Landesparlamenten und drei aus den Kommunen an. Sie will an die
erste Föderalismusreform vom Vorjahr anknüpfen, die die
Gesetzgebungskompetenz von Bund und Ländern und die
Mitspracherechte der Länder über den Bundesrat neu geregelt hat.
Grundlage der Landtagsdebatte war die "Berliner
Erklärung" der Landtagspräsidentenkonferenz vom August. Darin
wird eine „entschlossene Trendwende vom Beteiligungs- zum
Gestaltungsföderalismus" gefordert. Hierzu gehöre „mehr
Steuerautonomie" und ein erweiterter Handlungsspielraum für
die Länder durch gesetzliche Öffnungsklauseln.