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Seite: Jugend
in S-H
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Top 10
Jugend in Schleswig-Holstein
Große Anfrage der Fraktion der CDU – Drucksache 16/2008
Antwort der Landesregierung / Federführend ist das Ministerium für
Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren |
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Jugendpolitik ist „Querschnittsaufgabe"
Ministerin
Trauernicht: Herstellung von Chancengleichheit eines der wichtigsten
Ziele
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Kritische Gäste
auf der Tribüne im Plenarsaal:
Schüler der Ernst-Barlach-Realschule aus Wedel
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Kiel
(SHL/08.10.) „Die
allermeisten Jugendlichen in unserem Land leben in gesicherten
Verhältnissen und blicken positiv in die Zukunft." Mit dieser
Aussage eröffnete Schleswig-Holsteins Jugendministerin Gitta
Trauernicht (SPD/Foto) ihre Rede zur
Situation der Jugend im Lande. Es dürfe aber nicht vergessen werden,
dass es auch viele junge Menschen gebe, die sich auf der Schattenseite
befänden, so Trauernicht. Vor diesem Hintergrund sei das politische und
gesellschaftliche Handeln in diesem Bereich eine „Querschnittsaufgabe"
auf allen Politikfeldern. Dabei zähle die Chancengleichheit,
insbesondere auch zur Bekämpfung der Jugendarmut, zu den größten
Herausforderungen. Im Grundsatz mochte im Plenum keiner der Abgeordneten
widersprechen. Gleichwohl herrschte unter den Fraktionen große
Einigkeit: Auf Erfolgen dürfe man sich nicht ausruhen.
Das Thema hatte die CDU-Fraktion mit
77 Fragen im Rahmen einer Großen Anfrage auf die Tagesordnung gesetzt.
Laut Regierung lebten Ende 2006 rund 790. 000 Kinder, Jugendliche und
junge Erwachsene bis 27 Jahre in Schleswig-Holstein. Ihr Anteil wird
laut Prognose bis 2025 um fast 20 Prozent zurückgehen.
Sorge vor zunehmender Verarmung
Die Landesregierung setzt nach den Worten
Trauernichts in der Jugendpolitik fünf Schwerpunkte: Alle Kinder und
Jugendliche sollen gleichen Zugang zu Bildungsangeboten bekommen und die
berufliche Integration soll alle erreichen. Zudem stehe die
„Ganzheitlichkeit" im Mittelpunkt. Programme zur Bekämpfung der
Jugendarmut sollen ausgebaut und intensiviert sowie Jugendliche stärker
an Entscheidungen, die sie betreffen, beteiligt werden. Außerdem sei
die Gesundheitsförderung weiterhin eine elementare Aufgabe.
Laut Bericht engagieren sich zwei Drittel der
Jugendlichen in Jugendverbänden aller Art. Auf der anderen Seite sinkt
die Bereitschaft der jungen Menschen, sich an Wahlen zu beteiligen. Bei
der letzten Landtagswahl ist nicht einmal jeder zweite der unter
30-Jährigen an die Urne gegangen. Redner aller Parteien äußerten sich
zu diesem Punkt selbstkritisch. „Der Stil, wie Politik gemacht wird,
erzeugt bei den meisten Jugendlichen Unbehagen und Ablehnung",
sagte Ministerin Trauernicht. Die CDU befürchtete in diesem
Zusammenhang, dass extremistische Parteien zum Auffangbecken für die
jungen Menschen werden könnten.
Auch
Medienkonsum ein zentrales Thema
Ein besonderes Augenmerk wurde in der
Debatte auch auf die Gefahren des stetig ansteigenden Medienkonsums
gelegt, insbesondere im Bereich Internet und gewaltverherrlichender
Videospiele. Als Konsequenz wurde im Plenum gefordert, dem Erlernen der
Medienkompetenz in den Schulen eine zentrale Rolle zuzuweisen .
Der Bericht wurde federführend an den Sozialausschuss,
mitberatend an den Bildungs- sowie den Wirtschaftsausschuss überwiesen.
Weitere Stimmen
aus dem Plenum:
-
Johann Wadephul (CDU):
Jugendliche sehen ihre Zukunftsaussichten gegenwärtig ungewisser
als noch vor mehreren Jahren. Es gibt auf die komplexen und
vielfältigen Probleme von Jugendlichen keine einfachen und
schnellen Antworten. Wir müssen die Antwort der Landesregierung in
Ruhe auswerten und das Gespräch mit Jugendverbänden, aber auch mit
nicht organisierten Jugendlichen führen.
-
Sandra Redmann (SPD):
Kernaufgabe der Jugendpolitik liegt darin, soweit wie irgendwie
möglich sicherzustellen, dass die immer unterschiedlicheren
Bedingungen, unter denen Mädchen und Jungen aufwachsen, nicht dazu
führen, dass viele Jugendliche von vornherein von vielen
Möglichkeiten ihrer persönlichen, intellektuellen und
wirtschaftlichen Entwicklung ausgeschlossen werden.
-
Heiner Garg (FDP): Politik
sollte nicht so tun, als ob sie alle Probleme lösen könnte. Was
sie aber kann, ist einen Rahmen schaffen, in dem diejenigen eng mit
einbezogen werden, die mit Jugendlichen zu tun haben: Eltern, Lehrer
und Ausbilder. Politik ist in der Pflicht, nicht nur für eine
ordentliche Bildungspolitik zu sorgen, sondern auch dafür, dass
Werte vermittelt werden.
-
Monika Heinold (Grüne):
Der überwiegende Teil unserer Jugendlichen ist engagiert,
interessiert und gut in unsere Gesellschaft eingebunden. Nahezu ein
Viertel aller Jugendlichen ist hingegen von Armut, Arbeitslosigkeit,
Fehlernährung, sozialer Ausgrenzung oder Perspektivlosigkeit
betroffen.
-
Lars Harms (SSW): Die Lebensverhältnisse der
jungen Menschen in Schleswig-Holstein sind heterogen, obwohl
gleichzeitig durchaus ähnliche Interessen erkennbar sind. Die
Politik ist also herausgefordert, flexible Maßnahmen zu entwickeln.
Wir müssen uns selbst die Schere im Kopf bewusst machen, denn es
gibt nicht den repräsentativen Durchschnittsjugendlichen.
Hintergrund:
Die Landesregierung legt dem Parlament
ihre Antwort auf eine Große Anfrage der CDU zum Thema
Jugend in Schleswig-Holstein vor. Die Union hatte dem
Sozialministerium insgesamt 77 Fragen vorgelegt.
Einige
Aspekte:
- Zahlen: Zum Stichtag
31. Dezember 2006 lebten insgesamt 790.148 Kinder,
Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre in
Schleswig-Holstein. Darunter sind 46.872 mit
Migrationshintergrund (5,9 Prozent). Die
Landesregierung geht davon aus, dass die Zahl der
jungen Menschen bis 2025 um 19,6 Prozent (155.000
Personen) zurückgehen wird. Der Rückgang fällt
regional unterschiedlich aus: er liegt zwischen knapp
27 Prozent in Ostholstein und Schleswig-Flensburg und
gut 14 Prozent in den Kreisen Pinneberg und Stormarn
sowie in Kiel. Es gibt 89.000 alleinerziehende Eltern,
davon 77.000 Mütter
- Freizeit: Das
Freizeitverhalten hat sich durch ein größeres
Fernsehangebot, Computer und Internet in den letzten
15 Jahren stark verändert. 95 Prozent der
Jugendlichen haben ein Mobiltelefon. Zwei Drittel der
schleswig-holsteinischen Jugendlichen sind in Vereinen
aktiv – überwiegend in einem Sportverein. 58,6
Prozent in der Stadt und 63 Prozent auf dem Land
halten sich hier fit. Allerdings: Es wird zunehmend
schwierig, junge Leute für ein dauerhaftes
ehrenamtliches Engagement zu gewinnen.
- Politik: Viele junge
Menschen nehmen nicht an Wahlen teil. Bei der letzten
Landtagswahl ist nicht einmal jeder zweite der unter
30-jährigen an die Urne gegangen. Die geringste
Beteiligung gab es bei jungen Frauen zwischen 21 und
24 Jahren mit 37 Prozent. Die in der Gemeindeordnung
vorgesehene Beteiligung junger Menschen an kommunalen
Entscheidungen wird im Lande unterschiedlich
gehandhabt: Von den Städten über 10.000 Einwohnern
kennen 90 Prozent solche Beteiligungsformen. In den
kleineren Gemeinden ist es nur etwa ein Drittel.
- Bildung: Im
vergangenen Jahr haben 11.500 Jugendliche im Lande den
Hauptschulabschluss abgelegt; 11.100 bestanden die
Realschulprüfung und 7.600 das Abitur. 2.500
verließen die Förderschule oder blieben ohne
Abschluss. Schleswig-Holstein liegt bei den
Absolventen ohne Abschluss über dem Bundesschnitt. An
den Unis im Lande studierten im Jahr 2006 insgesamt
47.730 junge Menschen. Davon haben knapp 60 Prozent
ihr Abi im Lande gemacht. Viele verlassen zum
Studieren das Land: 51 Prozent aller
schleswig-holsteinischen Abiturienten, die an die Uni
gehen, studieren außerhalb des Landes.
- Arbeit: In den
letzten Jahren ist die Arbeitslosenquote der unter
25-Jährigen in Schleswig-Holstein gesunken: von 13,5
Prozent im Jahr 2005 auf 9,3 Prozent im Jahr 2007.
Besonders niedrig war der Wert im Kreis Stormarn (3,8
Prozent); am höchsten fiel er in Lübeck aus (12,7
Prozent). Schleswig-Holsteins Jugendliche weisen eine
hohe Mobilität bei der Suche nach einem Arbeits- oder
Ausbildungsplatz auf: 23 Prozent haben sich auf eine
Lehrstelle beworben, die über 100 Kilometer entfernt
liegt (Bundesschnitt: 16 Prozent).
- Gesundheit: Die
Landesregierung beobachtet eine Zunahme an chronischen
Erkrankungen und seelischen Störungen bei Kindern und
Jugendlichen, während Mangel- und
Infektionserkrankungen, die vor einigen Jahrzehnten
noch die größte gesundheitliche Gefährdung
darstellten, zurückgegangen sind. Zu den häufigen
chronischen Krankheiten zählen Allergien und die
Folgen falscher Ernährung. Die seelischen
Erkrankungen umfassen Verhaltens- und
Entwicklungsstörungen. Diese sind besonders stark bei
Kindern aus sozialen Problemfamilien vertreten.
- Drogen: Im Jahr 2007
haben 10,6 Prozent der schleswig-holsteinischen
Jugendlichen zwischen elf und 17 ausgesagt, dass sie
in den letzten zwölf Monaten Cannabis oder Ecstasy,
die Haupt-Jugenddrogen, zu sich genommen haben. Das
entspricht dem Bundesschnitt. 19 Prozent der Mädchen
und 17 Prozent der Jungen in dieser Altersgruppe
rauchen. Und: 18 Prozent der Jungen dieses Alters
geben an, mindestens einmal wöchentlich harten
Alkohol zu trinken. Die Zahl der
Krankenhausbehandlungen von alkoholisierten
Jugendlichen ist zwischen 2000 und 2006 um etwa 70
Prozent angestiegen.
Stichwort:
Große Anfrage
Eine Fraktion oder mindestens 18 Abgeordnete können
eine Große Anfrage an die Landesregierung stellen. An die
Beantwortung soll sich eine Aussprache im Landtag anschließen.
Kann eine Anfrage nicht innerhalb eines Monats beantworten
werden, so muss der Präsident die Große Anfrage auf
Verlangen der Fragestellenden auf die Tagesordnung der nächsten
Plenarsitzung setzen.
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