Landtag begrüßt
Einsatz von Langzeitarbeitslosen zur Betreuung von Demenzkranken
Aber: Pflege muss Fachkräften vorbehalten
bleiben / rund 37.000 Menschen im Lande leiden an Demenz
Kiel (SHL/09.10.) Die
schleswig-holsteinischen Landtagsabgeordneten stehen dem Einsatz
von langzeitarbeitslosen Menschen für die Betreuung von
Demenzkranken grundsätzlich positiv gegenüber. Zugleich mahnten
sie allerdings an, bei der Umsetzung dieser von der Bundesagentur
für Arbeit (BA) auf den Weg gebrachten Maßnahme auf die
vereinbarten Qualitätskriterien zu achten. Für die Betreuung von
Demenzkranken seien lediglich Freiwillige heranzuziehen, so die
einhellige Meinung im Plenum. Pflegerische Aufgaben gehörten
nicht zum Tätigkeitsfeld der so genannten Betereuungassistenten,
diese seien ausschließlich von Fachkräften zu erledigen. Anlass
der Debatte war ein Antrag der Grünen, der später an den
Sozialausschuss überwiesen wurde.
Teile des Plenums reagierten allerdings mit
Unverständnis auf den Grünen-Vorstoß, der im Kern eine
fachgerechte Ausbildung und tarifgemäße Bezahlung von
Langzeitarbeitslosen in der Demenzbetreuung fordert: „Was soll
dieser Antrag?" fragte Jutta Schümann (SPD). „Dauer und
Inhalt der Qualifizierung von Interessierten sind durch die
bestehenden Betreuungsrichtlinien bereits detailliert
geregelt."
Auch Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD)
betonte: „Ein Konzept für die Qualifizierung ist jetzt schon
vorhanden". Klar sei auch, dass es sich um reguläre
sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze handeln müsse und
Arbeitslose nicht wahllos für diese Arbeit verpflichtet werden
könnten. Ihren Angaben zufolge haben in Schleswig-Holstein
bereits 30 bis 40 Einrichtungen bei der Bundesagentur für Arbeit
Anträge für die Einstellung von Betreuern für Demenzkranke
gestellt.
Grüne: „Mit ein bisschen Vorlesen und
Spazierengehen ist es nicht getan"
„Mein Vertrauen in die Agentur für Arbeit ist
nicht unbegrenzt", verteidigte Angelika Birk (Grüne) den
Vorstoß. Sie warb für eine Qualifizierungsausbildung
beispielsweise durch die Alzheimer-Stiftung. Denn, so Birk, „mit
ein bisschen Vorlesen und Spazierengehen ist es bei der Betreuung
von Demenzkranken nicht getan". Dementsprechend sei auch eine
angemessene Bezahlung von Nöten.
Er verstehe den Antrag als Mahnung, dass „diese
gute Idee nicht zerredet", sondern vernünftig umgesetzt
werde, erklärte Heiner Garg (FDP). Und Lars Harms (SSW) warnte,
sich nicht auf „das Gespür der Jobvermittler zu
verlassen". Diese hätten allein ihre Zahlen im Visier:
Schließlich sei jeder vermittelte Arbeitslose gut für die
Statistik. Ursula Sassen (CDU) wiederum richtete eine Mahnung an
die potentiellen Betreuungsassistenten: Wer sich der Arbeit mit
Demenzkranken widme, müsse um die schwierige Aufgabe wissen. Die
dafür erforderlichen Tugenden würden „von manch einem Manager
nicht erfüllt".
Bundesagentur für Arbeit rechnet mit 10.000
Stellen
Laut Bundesagentur für Arbeit darf ein Heim für
25 Demenzkranke eine zusätzliche Pflegekraft einstellen, die
über die Pflegeversicherung bezahlt wird. Dadurch könnten laut
Schätzungen bundesweit etwa 10.000 Stellen geschaffen werden.
Medienberichten zufolge sind für die Arbeitslosen eine
Ausbildung mit 100 Theoriestunden, 60 Praxisstunden sowie einigen
Praktika geplant.
Angaben des Landessozialministeriums zufolge
leiden etwa 37.000 Menschen in Schleswig-Holstein an Demenz. Das
sind etwa 1,3 Prozent der Bevölkerung. In ganz Deutschland gibt
es etwa 1,2 Millionen Betroffene. Häufigste Erkrankungsform ist
die Alzheimer-Demenz, die zum vollständigen Gedächtnisverlust
führt. Das Ministerium geht davon aus, dass sich die Zahl der
Erkrankungen bei steigender Lebenserwartung in Zukunft weiter
erhöhen wird, denn das Krankheitsrisiko steigt mit dem Alter: In
der Altersgruppe der 65- bis 69-Jährigen finden sich laut
Untersuchungen fünf Prozent Demenzkranke. Bei den 75- bis
79-Jährigen sind es zwölf Prozent und bei den über 90-Jährigen
50 Prozent.