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Auf dieser Seite: Biodiversitäts-Strategie

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Umsetzung der nationalen Biodiversitäts-Strategie
Landtagsbeschluss vom 24. April 2008 – Drucksache 16/2025
Federführend ist das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume

Drs.: 16/2185 
Protokoll


„Der Bericht liest sich wie 
aus grüner Feder diktiert"

CDU-Umweltminister berichtet über 
biologische Vielfalt im Land

Kiel (SHL/09.10.) Schleswig-Holsteins Tier- und Pflanzenwelt befindet sich in einem bedrohlichen Zustand. Das weltweite Artensterben mache vor den Landesgrenzen nicht halt, konstatierte Umweltminister Christian von Boetticher (CDU) in einem von den Grünen beantragten Bericht. So seien hier zu Lande auch so bekannte Vogelarten wie der Storch, die Nachtigall oder der Kuckuck stark gefährdet. Vor diesem Hintergrund müssten unter anderem die von der EU auf den Weg gebrachten Naturschutz- und Vogelschutzrichtlinien umgesetzt werden. Dabei gelte es aber auch immer „die Menschen mitzunehmen". Das Umweltministerium unterstütze deshalb insbesondere „lokale Aktionen und Bündnisse", die sich für den Tier- und Pflanzenschutz engagierten, so von Boetticher.

„Der Bericht liest sich wie aus grüner Feder diktiert", zollte Detlef Matthiessen (Grüne) dem Umweltministerium Lob für die umfassende und kritische Bestandsaufnahme. Laut dem Regierungsbericht sind 34 Prozent der Säugetierarten, 50 Prozent der Vogelarten, 67 Prozent der Amphibien und 45 Prozent der Gefäßpflanzen in Schleswig-Holstein ausgestorben oder zumindest gefährdet. Äußerst kritisch fiel hingegen Matthiessens Urteil über die Politik der Landesregierung aus: Obwohl man sich diesen „Aderlass" im Artensterben nicht länger erlauben könne, vermisse er „konkrete, überprüfbare Programme und Aktionen". Als Beispiel nannte der Grünen-Politiker die notwendige Abkoppelung des Wirtschaftswachstums vom Flächenverbrauch, wodurch das Land immer mehr in Stücke geschnitten werde. Notwendig sei zudem die konsequente Umsetzung der FFH-Vogelschutzrichtlinien bis zum Jahr 2020.

Während auch SPD und SSW sahen seitens der Landesregierung ein Handlungsdefizit. Die CDU wiederum betonte die Bedeutung des Umweltschutzes als Querschnittsaufnahme in der Politik. Gleichwohl signalisierten die Christdemokraten ebenso wie die Liberalen ihre Zustimmung für größere Anstrengungen zum Schutz der biologischen Vielfalt.

Hoffnungsvolle Zeichen: Der Biber ist 
wieder heimisch geworden

Umweltminister von Boetticher führte bestehende Probleme insbesondere bei Feuchtlebensräumen, Hochmooren und Heiden an, von denen viele in der Vergangenheit verschwunden und die verbliebenen oft in einem schlechten Zustand seien. "Aber wir haben gegengesteuert und so hat sich der Bestand einiger prominenter Arten wie Seeadler, Kranich, Uhu und Otter erholt. Auch der Biber ist vor etwa zehn Jahren von allein wieder bei uns heimisch geworden", sagte er.

Als Gründe für das Artensterben im Lande werden in dem Regierungsbericht die Zerschneidung der Lebensräume durch Verkehrsachsen, intensive Landwirtschaft mit Nähr- und Schadstoffeinträgen, Überfischung oder „nicht angepasste Freizeitaktivitäten" genannt. Zudem sei die genetische Vielfalt bedroht, weil sich die Zucht im Lande auf jeweils nur etwa 30 Tier- und Pflanzenarten beschränkt.

Der Bericht wurde zur Beratung an den Umwelt- und Agrarausschuss überwiesen.

Weitere Hauptredner: Herlich Marie Todsen-Reese (CDU), Konrad Nabel (SPD), Günther Hildebrand (FDP), Lars Harms (SSW)

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Hintergrund:
Die Landesregierung präsentiert ihren Bericht zur biologischen Vielfalt in Schleswig-Holstein, den die Grünen beantragt hatten.

Laut dem Papier aus dem Umweltministerium ist die "Biodiversität" weltweit wie auch im Lande akut bedroht: 34 Prozent der Säugetierarten, 50 Prozent der Vogelarten, 67 Prozent der Amphibien und 45 Prozent der Gefäßpflanzen in Schleswig-Holstein seien ausgestorben oder gefährdet. Als Gründe werden die Zerschneidung der Lebensräume durch Verkehrsachsen, intensive Landwirtschaft mit Nähr- und Schadstoffeinträgen, Überfischung oder „nicht angepasste Freizeitaktivitäten" genannt. Zudem sei die genetische Vielfalt bedroht, weil sich die Zucht im Lande auf jeweils nur etwa 30 Tier- und Pflanzenarten beschränkt.

Die Politik versucht hier gegenzusteuern: Die Bundesregierung hat eine "Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt" aufgelegt, die von allen Bundesländern Schutz-Maßnahmen fordert. Sie basiert auf der "Convention on Biological Diversity", die 1992 auf dem Umwelt-Gipfel in Rio von 190 Staaten beschlossen wurde. Ziel war es, bis 2010 das Artensterben deutlich zu bremsen.

Das Umweltministerium führt eine Reihe von Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt im Lande auf:

  • So gibt es im Lande im Rahmen des Natura-2000-Programs 271 so genannte Fauna-Flora-Habitat-Gebiete und 46 Vogelschutzgebiete. Diese Bereiche umfassen insgesamt 17.150 Hektar und damit 9,3 Prozent der Landesfläche. Hinzu kommen 764.500 Hektar Meeresfläche.
  • Der 1985 eingerichtete Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer umfasst 441.000 Hektar und ist damit das größte Gebiet seiner Art in Mitteleuropa. Hinzu kommen weitere Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete.
  • Im Rahmen des Vertragsnaturschutzes verpflichten sich Landwirte, gegen Ausgleichzahlungen zu einer umweltschonenden Bewirtschaftung. Dieser Schutz umfasst 14.780 Hektar im Lande. Die Höhe der Ausgleichszahlungen beträgt in diesem Jahr 4,8 Millionen Euro.
  • Seit kurzem kann die Landesplanung mittels einer Strategischen Umweltprüfung auf erhebliche Umwelteinwirkungen einer Baumaßnahme hinweisen.
  • Das Umweltministerium hat im vergangenen Jahr mit dem Waldbesitzerverband ein "Programm zur Bewirtschaftung der schleswig-holsteinischen Wälder auf ökologischen Grundlagen" vereinbart und zudem eine neue Rahmenrichtlinie zur Bewirtschaftung erlassen. Ziele: Heimattypische Baumarten sollen geschützt und der Dünger-Einsatz heruntergefahren werden.
  • Im Zuge der Wasserrahmenrichtlinie sollen bis 2015 Maßnahmen ergriffen werden, um alle Gewässer im Lande in einen guten ökologischen Zustand zu bringen.
  • Auch Landwirtschaft, Fischerei und Forschung sollen ihren Beitrag leisten.

Aktuell: Zurzeit befassen sich auch 7.000 Experten aus 150 Ländern auf dem Weltnaturschutzkongress in Barcelona mit diesem Thema.

Debatte bei Antragstellung:
plenum-online,
April 2008

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