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„Der Bericht liest
sich wie
aus grüner Feder diktiert"
CDU-Umweltminister
berichtet über
biologische Vielfalt im Land
Kiel (SHL/09.10.)
Schleswig-Holsteins Tier- und Pflanzenwelt befindet sich in einem
bedrohlichen Zustand. Das weltweite Artensterben mache vor den
Landesgrenzen nicht halt, konstatierte Umweltminister Christian
von Boetticher (CDU) in einem von den Grünen beantragten Bericht.
So seien hier zu Lande auch so bekannte Vogelarten wie der Storch,
die Nachtigall oder der Kuckuck stark gefährdet. Vor diesem
Hintergrund müssten unter anderem die von der EU auf den Weg
gebrachten Naturschutz- und Vogelschutzrichtlinien umgesetzt
werden. Dabei gelte es aber auch immer „die Menschen
mitzunehmen". Das Umweltministerium unterstütze deshalb
insbesondere „lokale Aktionen und Bündnisse", die sich
für den Tier- und Pflanzenschutz engagierten, so von Boetticher.
„Der Bericht liest sich wie aus grüner Feder
diktiert", zollte Detlef Matthiessen (Grüne) dem
Umweltministerium Lob für die umfassende und kritische
Bestandsaufnahme. Laut dem Regierungsbericht sind 34 Prozent der
Säugetierarten, 50 Prozent der Vogelarten, 67 Prozent der
Amphibien und 45 Prozent der Gefäßpflanzen in Schleswig-Holstein
ausgestorben oder zumindest gefährdet. Äußerst kritisch fiel
hingegen Matthiessens Urteil über die Politik der Landesregierung
aus: Obwohl man sich diesen „Aderlass" im Artensterben
nicht länger erlauben könne, vermisse er „konkrete,
überprüfbare Programme und Aktionen". Als Beispiel nannte
der Grünen-Politiker die notwendige Abkoppelung des
Wirtschaftswachstums vom Flächenverbrauch, wodurch das Land immer
mehr in Stücke geschnitten werde. Notwendig sei zudem die
konsequente Umsetzung der FFH-Vogelschutzrichtlinien bis zum Jahr
2020.
Während auch SPD und SSW sahen seitens der
Landesregierung ein Handlungsdefizit. Die CDU wiederum betonte die
Bedeutung des Umweltschutzes als Querschnittsaufnahme in der
Politik. Gleichwohl signalisierten die Christdemokraten ebenso wie
die Liberalen ihre Zustimmung für größere Anstrengungen zum
Schutz der biologischen Vielfalt.
Hoffnungsvolle Zeichen: Der Biber ist
wieder heimisch geworden
Umweltminister von Boetticher führte bestehende Probleme
insbesondere bei Feuchtlebensräumen, Hochmooren und Heiden an, von denen viele in der Vergangenheit verschwunden und die verbliebenen oft in einem schlechten Zustand seien. "Aber wir haben gegengesteuert und so hat sich der Bestand einiger prominenter Arten wie Seeadler, Kranich, Uhu und Otter erholt. Auch der Biber ist vor etwa zehn Jahren von allein wieder bei uns heimisch geworden",
sagte er.
Als Gründe für das Artensterben im Lande werden
in dem Regierungsbericht die Zerschneidung der Lebensräume durch
Verkehrsachsen, intensive Landwirtschaft mit Nähr- und
Schadstoffeinträgen, Überfischung oder „nicht angepasste
Freizeitaktivitäten" genannt. Zudem sei die genetische
Vielfalt bedroht, weil sich die Zucht im Lande auf jeweils nur
etwa 30 Tier- und Pflanzenarten beschränkt.
Der Bericht wurde zur Beratung an den Umwelt- und
Agrarausschuss überwiesen.
Weitere
Hauptredner: Herlich
Marie Todsen-Reese (CDU), Konrad Nabel (SPD), Günther Hildebrand
(FDP), Lars Harms (SSW)
Hintergrund:
Die Landesregierung präsentiert ihren
Bericht zur biologischen Vielfalt in Schleswig-Holstein,
den die Grünen beantragt hatten.
Laut dem
Papier aus dem Umweltministerium ist die "Biodiversität"
weltweit wie auch im Lande akut bedroht: 34 Prozent der
Säugetierarten, 50 Prozent der Vogelarten, 67 Prozent der
Amphibien und 45 Prozent der Gefäßpflanzen in
Schleswig-Holstein seien ausgestorben oder gefährdet. Als
Gründe werden die Zerschneidung der Lebensräume durch
Verkehrsachsen, intensive Landwirtschaft mit Nähr- und
Schadstoffeinträgen, Überfischung oder „nicht
angepasste Freizeitaktivitäten" genannt. Zudem sei
die genetische Vielfalt bedroht, weil sich die Zucht im
Lande auf jeweils nur etwa 30 Tier- und Pflanzenarten
beschränkt.
Die Politik
versucht hier gegenzusteuern: Die Bundesregierung hat eine
"Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt"
aufgelegt, die von allen Bundesländern Schutz-Maßnahmen
fordert. Sie basiert auf der "Convention on
Biological Diversity", die 1992 auf dem Umwelt-Gipfel
in Rio von 190 Staaten beschlossen wurde. Ziel war es, bis
2010 das Artensterben deutlich zu bremsen.
Das
Umweltministerium führt eine Reihe von Maßnahmen zum
Schutz der biologischen Vielfalt im Lande auf:
- So gibt es im Lande
im Rahmen des Natura-2000-Programs 271 so genannte
Fauna-Flora-Habitat-Gebiete und 46 Vogelschutzgebiete.
Diese Bereiche umfassen insgesamt 17.150 Hektar und
damit 9,3 Prozent der Landesfläche. Hinzu kommen
764.500 Hektar Meeresfläche.
- Der 1985
eingerichtete Nationalpark Schleswig-Holsteinisches
Wattenmeer umfasst 441.000 Hektar und ist damit das
größte Gebiet seiner Art in Mitteleuropa. Hinzu
kommen weitere Naturschutz- und
Landschaftsschutzgebiete.
- Im Rahmen des
Vertragsnaturschutzes verpflichten sich Landwirte,
gegen Ausgleichzahlungen zu einer umweltschonenden
Bewirtschaftung. Dieser Schutz umfasst 14.780 Hektar
im Lande. Die Höhe der Ausgleichszahlungen beträgt
in diesem Jahr 4,8 Millionen Euro.
- Seit kurzem kann die
Landesplanung mittels einer Strategischen
Umweltprüfung auf erhebliche Umwelteinwirkungen einer
Baumaßnahme hinweisen.
- Das Umweltministerium
hat im vergangenen Jahr mit dem Waldbesitzerverband
ein "Programm zur Bewirtschaftung der
schleswig-holsteinischen Wälder auf ökologischen
Grundlagen" vereinbart und zudem eine neue
Rahmenrichtlinie zur Bewirtschaftung erlassen. Ziele:
Heimattypische Baumarten sollen geschützt und der
Dünger-Einsatz heruntergefahren werden.
- Im Zuge der
Wasserrahmenrichtlinie sollen bis 2015 Maßnahmen
ergriffen werden, um alle Gewässer im Lande in einen
guten ökologischen Zustand zu bringen.
- Auch Landwirtschaft,
Fischerei und Forschung sollen ihren Beitrag leisten.
Aktuell:
Zurzeit befassen sich auch 7.000 Experten aus 150 Ländern
auf dem Weltnaturschutzkongress in Barcelona mit diesem
Thema.
Debatte
bei Antragstellung:
plenum-online, April 2008
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