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Auf dieser Seite: Kindertagesstätten-Beiträge

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Umsetzung eines beitragsfreien Kindertagesstättenjahres in Schleswig-Holstein
Landtagsbeschluss vom 23. April 2008 – Drucksache 16/2028
Mündlicher Bericht / Federführend ist das Ministerium für Bildung und Frauen

Drs.: ---
Protokoll


Shakehands unter Partnern: Die Fraktionschefs der Koalition von CDU und SPD, Johann Wadephul (li.) und Ralf Stegner (re.) begrüßen sich vor der Debatte

Beitragsfreie Kindergärten:
CDU und SPD reiben sich 
weiter an der Verbindlichkeit 
der Rahmenplanung

Kiel (SHL/09.10.) Im vor zwei Tagen frisch aufgeflammten koalitionsinternen Streit über die Einführung der beitragsfreien Kindertagesstätten in Schleswig-Holstein haben Union und Sozialdemokraten auch im Landtagsplenum keine Lösung gefunden. SPD-Fraktionschef Ralf Stegner betonte erneut seinen Standpunkt, der Koalitionsausschuss habe sich in der Vorwoche auf einen „verbindlichen Stufenplan" zur Einführung der Gebührenfreiheit für das zweite und erste Kindergartenjahr ab 2011 und 2013 verständigt. Dies sei „ein Meilenstein für die soziale Gerechtigkeit". Auch sein CDU-Gegenüber Johann Wadephul unterstrich die sozialpolitische Bedeutung der frühkindlichen Bildung. Angesichts der zu erwartenden Wirtschaftsschwäche müsse die Politik aber „sorgsam überlegen", wo das Geld herkommen soll, „wenn man Versprechungen in die Welt setzt". Zur Ehrlichkeit gehöre es zuzugeben, „dass wir es nur über neue Schulden finanzieren können", so Wadephul.

Die Unstimmigkeiten im Regierungslager riefen die Opposition auf den Plan: „Die Große Koalition weiß nicht, was sie will; sie weiß nicht, worauf sie sich geeinigt hat, und sie weiß nicht, wie sie aus der selbst geschaffenen verworrenen Lage wieder herauskommen kann", argwöhnte Ekkehard Klug (FDP). Angesichts der unklaren Finanzierung warf er Schwarz-Rot „Casino-Politik" vor.

Zur Vorgeschichte…

Die Spitzen von CDU und SPD hatten sich am 1. Oktober auf einen Stufenplan zur Einführung der "Gratis-KiTa" geeinigt. Im neuen Doppelhaushalt sollen 14,6 Millionen Euro im Jahr 2009 und 35 Millionen für 2010 zur Einführung des beitragsfreien letzten KiTa-Jahres ab nächstem August bereitgestellt werden. Damit sollen 120 Euro pro Monat und Kind für eine fünfstündige Betreuung fließen. Zudem wurde in Aussicht genommen, bis zum nächsten Mai die Gebührenfreiheit auch für die ersten zwei Jahre zu regeln.

Der schriftliche Beschlusstext des Koalitionsausschusses ließ aber Interpretationsspielraum zu: „Die Koalition bekräftigt dabei das Ziel verfassungsgemäßer Haushalte und bis 2015 ausgeglichener Haushalte", heißt es in dem Papier. An dieser Formulierung war der Streit zwischen Christ- und Sozialdemokraten über die Verbindlichkeit der Vereinbarung entbrannt. 

Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD/Foto) wandte sich nun im Plenum gegen „semantische Übungen" bei der Auslegung des Papiers. Sie betonte: Jeder Euro, der in frühkindliche Bildung investiert werde, zahle sich später in einer „volkswirtschaftlichen Rendite" aus.

Auch Grüne blicken zurück…

In der anderthalbstündigen Debatte erinnerte die Grünen-Abgeordnete Monika Heinold daran, dass ihre Fraktion seit 2002 auf das Ziel der "Gratis-KiTa" hingearbeitet habe. Dies sei jedoch in der Vergangenheit auf allgemeine Ablehnung gestoßen – auch bei der SPD. Sie forderte, zugleich auch die Qualität der KiTas zu verbessern und mehr Geld für Personal, Fortbildung bedarfsgerechte Öffnungszeiten und Ernährung aufzuwenden. „Der Schritt hin zu einer völligen Beitragsfreiheit ist natürlich richtig", fand auch Lars Harms (SSW). Es seien aber „noch viele Fragen offen", etwa bei der fünfstündigen Grundbetreuung: Wer soll bezahlen, wenn eine längere Betreuung gewünscht werde?, fragte er.

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Hintergrund:
Auf Antrag der Koalitionsfraktionen berichtet die Landesregierung über die geplante Einführung des beitragsfreien Kindergartens in Schleswig-Holstein.

Der Koalitionsausschuss von CDU und SPD hat sich vergangene Woche auf einen Stufenplan zur Einführung der beitragsfreien KiTa verständigt und ist damit den Vorstellungen der Sozialdemokraten weitgehend gefolgt. Für ein beitragsfreies letztes Kindergartenjahr soll das Land von August 2009 an 120 Euro pro Kind und Monat aufbringen. Im nächsten Mai soll es gesetzliche Regelungen über die weiteren Jahrgänge geben, sofern sich das Land mit den Kommunen über die Form der Finanzierung einigt. Für das zweite Jahr müssten die Eltern von 2011 an keine Beiträge mehr zahlen und von 2013 an auch nicht mehr für das erste Jahr.

Hiergegen regt sich Widerstand auf der kommunalen Ebene: Städtetag, Städtebund und Landkreistag befürchten Zusatzkosten für ihre Etats und fordern Gegenleistungen vom Land.

Ursprünglich hatten CDU und SPD verschiedene Konzepte in der Frage einer beitragsfreien Betreuung verfolgt. Die CDU wollte ab 2009 für das letzte KiTa-Jahr keine Beiträge mehr verlangen; die SPD wollte die Elternbeiträge bis 2013 für alle drei KitTa-Jahre stufenweise vollständig abgeschaffen. Das wiederum hielt die Union nicht für finanzierbar. Im April-Plenum waren die unterschiedlichen Positionen der Koalitionspartner aufeinander geprallt .
(plenum-online,
April 2008)

  Rechtsanspruch ab 2013

Hintergrund der Debatte auf Landesebene ist die vom Bund geplante Erhöhung der Betreuungsquote auf 35 Prozent aller Kinder eines Jahrgangs bis 2013. Mitte September hat der Bundestag dies im Kinderförderungsgesetz verankert. Demnach wird es von 2013 an einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer KiTa oder bei einer Tagesmutter für alle Kinder bis zum 3. Lebensjahr geben. Das Betreuungsangebot muss deshalb in den kommenden fünf Jahren bundesweit auf 750.000 Plätze verdreifacht werden. 30 Prozent der neuen Betreuungsplätze sollen Tagesmütter anbieten.

Derzeit liegt die sogenannte Versorgungsquote mit 321.000 betreuten Kindern bundesweit bei 15,5 Prozent. Im Westen ist sie deutlich niedriger als im Osten. In Schleswig-Holstein gibt es augenblicklich Betreuungsplätze für rund 5.500 kleine Kinder, was einer Versorgungsquote von etwa acht Prozent entspricht.

  Das Land stellt derzeit 113 Millionen Euro bereit

Bund, Länder und Gemeinden sollen jeweils ein Drittel der deutschlandweit auf 12 Milliarden Euro veranschlagten Kosten tragen. In Schleswig-Holstein stellt das Land 113 Millionen Euro zur Verfügung – 46 Millionen für Investitionen, 62 Millionen Euro für Betriebskosten sowie fünf Millionen als flankierende Maßnahme beim Ausbau der Tagespflege. Der Bund hält für den Ausbau in Schleswig-Holstein von 2008 bis 2013 insgesamt 136 Millionen Euro (74 Millionen für Investitionen und 62 Millionen für Betriebskosten) bereit. Insgesamt sollen in den kommenden Jahren 17.000 zusätzliche Plätze in Kindertageseinrichtungen (11.900) und der Tagespflege (5.100) entstehen.

Zudem steht die Aktion "Kein Kind ohne Mahlzeit" auf der Tagesordnung. Das Projekt soll Kindern einkommensschwacher Familien ein warmes Mittagessen in der KiTa garantieren. Sie ist im Februar angelaufen. Gemeinsam mit den Wohlfahrtsverbänden hat das Sozialministerium landesweit regionale Kinderhilfsfonds eingerichtet – hier könne die Eltern Anträge auf die Gratis-Mahlzeit stellen. Das Geld in Höhe von zwei Millionen Euro stammt von der landeseigenen Stiftung "Familie in Not" und soll zwei Jahre lang reichen. Zudem werden weitere Sponsoren gesucht. Mit dem Stiftungsgeld sind nach Angaben des Sozialministeriums im abgelaufenen KiTa-Jahr 1.650 bedürftigen Kinder in den rund 1.600 KiTas des Landes versorgt worden.

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