Hintergrund: Der EuGH hatte Anfang September festgestellt, dass
der Bereitschaftsdienst bei Krankenhausärzten als Arbeitszeit
gewertet werden muss. Die Vorgabe, die zeitgleich auch auf
Bundesebene diskutiert wird, verschärft die finanzielle Lage der
deutschen Krankenhäuser, die sich auch auf die Einführung der
Fallpauschalen einstellen müssen.
Ziel müsse jetzt sein, so Ministerin Erdsiek-Rave,
verträgliche Arbeitszeitmodelle in Krankenhäusern und in anderen
möglicherweise betroffenen Bereichen zu entwickeln, ohne die
Personalkosten zu erhöhen. Demgegenüber kritisierte der
CDU-Abgeordnete Werner Kalinka (CDU), dass das Urteil bereits durch
Verhandlungen im Vorfeld hätte vermieden werden können. Die
Landesregierung müsse nun zügig Vorschläge für
Arbeitszeitmodelle vorlegen. Veronika Kolb (FDP) rechnete allein
für das Uniklinikum mit einem zusätzlichen Bedarf von 30
Ärzten, dadurch entstünden rund zwei Millionen Euro Mehrkosten.
Damit nicht genug: Selbst intelligente Arbeitszeitmodelle könnten
nicht über den akuten Ärztemangel im Land hinweg täuschen.
SPD und Grüne begrüßten das Urteil ausdrücklich. Sowohl
Arno Jahner (SPD) wie auch Angelika Birk (Grüne) wiesen die
Kritik der Opposition als unberechtigt zurück: Der momentane
Ärztemangel sei vor allem auf die schlechten Arbeitszeiten
zurückzuführen. Die "hektische Kritik" der CDU, so
Silke Hinrichsen (SSW), verbaue nur schnelle
Lösungsmöglichkeiten. Allerdings dürften neue
Arbeitszeitmodelle nicht zu Lasten der Krankenkassen und
Beitragszahler gehen.
Die Anträge wurden einstimmig an den Sozialausschuss
überwiesen.