Kiel (SHL). Über die genauen Inhalte einer
Zielvereinbarung zwischen Landesregierung und Hochschulen konnte im
Landtag erneut keine Einigkeit zwischen den Fraktionen erzielt
werden. Anlass zur erneuten Debatte am Mittwoch, 24. September,
über die Hochschulreform bot der mündlich vorgetragene Bericht von
Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD).
In ihrem Beitrag konzentrierte sich die Ministerin
auf wenige Punkte wie etwa die im Rahmen des
"Bologna-Prozesses" angestrebte Einrichtung von neuen
europäischen Studienabschlüssen wie "Bachelor" und
"Master" sowie die Sicherstellung von deren
internationaler Vergleichbarkeit. Der Bologna-Prozess zielt auf die
Umwandlung aller Studiengänge in europäische Bachelor- und
Masterstudiengänge, die internationale Anerkennung von Abschlüssen
sowie dem problemlosen Austausch von Studenten und Professoren bis
zum Jahr 2010. Zudem gelte es im Rahmen der Reform, Einsparungen zu
erzielen. In diesem Zusammenhang erwähnte die Ministerin, dass bei
der geplanten Verlegung des Fachbereichs Bauingenieurwesen von
Eckernförde nach Lübeck noch kein abschließendes Urteil
gesprochen wurde.
Die Gesamt-Reform sei keine Aufgabe der
Hochschulen allein. Auch die Wirtschaft müsse mitziehen und sich
auf die neuen Strukturen einstellen. Zur Qualitätssicherung der
Lehre an den Hochschulen arbeite das Ministerium an einem System,
das mittels Kennzahlen die Leistungen der Unis in Lehre und
Forschung beschreibt. Für das vierte Quartal kündigte die
Ministerin eine weitere Novelle des Hochschulgesetzes an. Die
Leitungskompetenz der Rektorate solle dadurch gestärkt werden. Es
gelte, weitere Aufgaben vom Land auf die Hochschulen zu übertragen.
CDU: Nicht alle Fragen beantwortet
Nach Auffassung von Jost de Jager (CDU) sei es bisher zwar
"in Teilen zu einer Verbesserung" gekommen. Dennoch gehe
der rot-grüne Antrag zu den Eckwerten der Zielvereinbarung an der
Realität in Schleswig-Holstein vorbei. Das Hauptproblem sei, dass
die Hochschulen zu schlecht ausgestattet würden und die
Qualitätssicherung in Lehre und Forschung nicht ausreiche. Die
Frage, wie die Bologna-Vereinbarungen in Schleswig-Holstein
umgesetzt werden sollen, sei nicht beantwortet worden. So gebe es
etwa noch gar keinen Arbeitsmarkt für Bachelor- und
Masterstudiengänge.
Henning Höppner (SPD) beklagte die "Kleinlichkeit" mit
der die Diskussion über die Umsetzung des Bologna-Prozesses
geführt werde. Es handele sich dabei um einen Schritt, der Europa
zusammen wachsen lasse. "Wir können es uns als kleines Land
nicht leisten, auf die Strukturen" zu verzichten, die Bologna
vorsehe.
Der Bildungsexperte der FDP, Ekkehard Klug, warf der
Landesregierung vor, sich nicht ausreichend mit den Hochschulen
abzusprechen. Es stelle sich ihm die Frage, ob die Landesregierung
möglicherweise gar ein Interesse habe, eine tragfähige
Zielvereinbarung zwischen Land und Hochschulen zu erreichen.
Zwischen Ankündigungen der Regierung und der Realität lägen
Welten. So seien beispielsweise dem Medizinischen Laserzentrum
Lübeck seit dem Jahr 2000 die Mittel um 36 Prozent gekürzt worden.
Gleichzeitig wolle die Landesregierung jedoch den Medizinstandort
Lübeck födern. "Wie passt das zusammen?", fragte Klug.
SSW: Fachbereich Bau in Eckernförde erhalten
Angelika Birk (Grüne) rief dazu auf, beim Mittelstand und in der
Wirtschaft für die angestrebten Strukturen wie etwa Bachelor- und
Masterabschlüsse zu werben. "Bringen sie sich ein mit
Vorschlägen, anstatt das ganze madig zu machen", forderte sie
die Opposition auf. Es komme darauf an, die formulierten Ziele wie
Vergleichbarkeit der europäischen Studienabschlüsse und
Entwicklung von Qualitätssicherungssystemen an den Hochschulen
umzusetzen.
Anke Spoorendonk (SSW) begrüßte die Vorstellungen der
Landesregierung und lobte insbesondere die Ansätze zur Verbesserung
der Lehre durch Studienberatung und umfassende unabhängige
Bewertung. Die mögliche Schließung des Fachbereichs Bauwesen in
Eckernförde kritisierte Spoorendonk scharf.
Beschlussfassung:
Der Antrag der Regierungskoalition wurde mit den
Stimmen von Rot-Grün sowie des SSW gegen die Stimmen von CDU und
FDP federführend in den Bildungsausschuss, mitberatend an den
Finanzausschuss überwiesen. Auch in der Abstimmung in der Sache
wurde dieser Antrag mit den Stimmen von Rot-Grün sowie des SSW
gegen die Stimmen von CDU und FDP angenommen.
Ein früherer Antrag der Regierungskoalition zur
Modernisierung der Hochschulen wurde einstimmig federführend in den
Bildungsausschuss, mitberatend an den Finanzausschuss überwiesen.
Der Antrag sieht vor, den Hochschulen auf fünf Jahre
Planungssicherheit zu garantieren sowie einen Innovationsfond
einzurichten.