Auf dieser Seite: FFH- und Vogelschutzrichtlinie

xxx

Top 29:
 
Gebietsmeldungen nach FFH- und Vogelschutzrichtlinie der EU
Antrag der Fraktion der CDU
Antrag der Fraktionen von SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abgeordneten des SSW - Drs. 15/2931
Drucksache: 15/2911
-Plenarprotokoll-

FFH-Gebiete: Wird Naturschutz
zum Wirtschafthemmnis?
Opposition wirft der Regierung Lobby-Politik vor

Kiel (SHL). Der Landtag stützt mehrheitlich die Position des Umweltministers zur weiteren Ausschreibung von Naturschutzgebieten. Ein entsprechender Antrag von SPD, Grünen und SSW fand am Mittwoch, 24. September 2003, die Mehrheit im Parlament. Angesichts der Rechtslage, so die Regierungs-Unterstützer von SPD, Grünen und SSW, bestehe eine Pflicht gegenüber der EU zur Meldung neuer Schutzflächen - dies müsse aber keineswegs zwingend zu Beschränkungen bei wirtschaftlichen und baulichen Aktivitäten führen. Das sahen die CDU, die die Debatte mit einem eigenen Antrag auf die Tagesordnung gesetzt hatte, und die Liberalen anders. Sie warfen der Regierung Wirtschaftsfeindlichkeit und Lobby-Politik im Interesse der Öko-Verbände vor und forderten eine transparentere Gestaltung der Ausschreibungsverfahren durch Anhörungen der Betroffenen.

Im Rahmen des Programms "Natura 2000" haben sich die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verpflichtet, Naturschutzgebiete im Sinne der "Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie" (FFH) und der Vogelschutz-Richtlinie auszuweisen. Dies, so die EU-Kommission, sei in Schleswig-Holstein bislang nicht in ausreichendem Maße geschehen. Brüssel fordert daher Nachbesserungen und droht mit Geldbußen von 750.000 Euro pro Tag. Im Lande sind derzeit 123 Gebiete mit einer Gesamtgröße von 59.200 Hektar als Schutzfläche ausgewiesen. Nach Willen der Landesregierung sollen bis Ende Oktober 240 weitere Gebiete mit rund 51.000 Hektar Fläche hinzukommen. Damit stünden 7,9 Prozent der Landesfläche unter Naturschutz.

Opposition kritisiert Bevormundung

Bevormundung, Bürokratisierung und obrigkeitsstaatliches Verhalten – so die Vorwürfe der Opposition an die Adresse von Rot-Grün. Betroffene Landbesitzer und Gewerbetreibende seien bei der Flächen-Benennung nicht ausreichend befragt worden. Die Folgen seien eine Einschränkung der politischen Spielräume der Kommunen sowie Verunsicherung bei den Bürgern. Und: Die Standortbedingungen der Wirtschaft würden nachhaltig geschwächt. Beispiele seien die Autobahn A 20, das Gewerbegebiet in Lauenburg, die Helgoländer Düne sowie die Stadt Lübeck. Wenn aufgrund des so genannten "Verschlechterungsverbots" kein Aus- oder Umbau der Gewerbeflächen mehr möglich sei, stünden Arbeitsplätze zur Disposition und Firmen würden vertrieben.

CDU und FDP schleuderten "Nebelkerzen", gab Rot-Grün zurück. Denn: Christdemokraten und Liberale hätten 1992, unter der Bundes-Regierung Kohl, der "Natura 2000" zugestimmt. Daher müsste die Opposition wissen, dass die Ermessensspielräume gering seien. Stattdessen aber schüre die Opposition Ängste bei den Menschen und verkenne, dass die Transparenz bei den Ausschreibungsverfahren durch eine verlängerte Melde-Frist gewährleistet sei. Darüber hinaus sei der Naturschutz für Schleswig-Holstein, auch für die Wirtschaft, positiv. Denn: Die Gefahr für die Artenvielfalt sei alarmierend.

SSW: Ausweisung ist Pflicht

Die CDU streue den Betroffenen Sand in die Augen, so der Vorwurf des SSW: Denn: Es gebe eine Pflicht zur Ausweisung von Gebieten nach naturschutzfachlichen Kriterien - wirtschaftliche Gesichtspunkte spielten dabei laut EU-Vorgaben keine Rolle. Erst nach der Ausweisung könne eine andere Verwendung beantragt werden, wie dies zum Beispiel bei der Airbus-Werft im Mühlenberger Loch in Hamburg auch geschehen sei.

Der SPD/Grüne/SSW-Antrag wurde in alternativer Abstimmung angenommen.

Hauptredner: Herlich Marie Todsen-Reese (CDU), Konrad Nabel (SPD), Günther Hildebrand (FDP), Detlef Matthiessen (Grüne), Lars Harms (SSW), Umweltminister Klaus Müller (Grüne)

Hintergrund:
  Im Rahmen des 1992 beschlossenen Programms "Natura 2000" haben sich die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verpflichtet, Naturschutzgebiete im Sinne der "Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) und der Vogelschutz-Richtlinie auszuweisen. Dies, so die EU-Kommission, sei in Schleswig-Holstein bislang nicht in ausreichendem Maße geschehen. Brüssel fordert daher Nachbesserung und droht mit Geldbußen.
  Im Lande sind zurzeit 123 Gebiete mit einer Gesamtgröße von 59.200 Hektar als Schutzfläche ausgewiesen. Nach Willen der Landesregierung sollen weitere 240 Gebiete mit rund 51.000 Hektar Fläche hinzukommen. In diesen Arealen befinden sich Strandseen, Salzwiesen, Binnendünen, Sümpfe und Moorwälder. Geschützt werden sollen beispielsweise Fischotter, Neunaugen, Strand-Sellerie und Schmetterlinge.
  Hiergegen regt sich Protest: Landwirte beklagen, sie seien bei der Benennung der Gebiete nicht ausreichend befragt worden. Sie befürchten zudem Einschränkungen bei der Bewirtschaftung ihrer Nutzflächen. Seitens der Stadt Lübeck wird beispielsweise kritisiert, dass nach den Neu-Ausschreibungen insgesamt 48 Prozent der Stadtfläche unter Naturschutz stünden. Dies führe zu Problemen beim geplanten Flughafen-Ausbau.

mehr Informationen: Information des Umweltministeriums
(www.natura2000-sh.de)

zurück zum Textanfang

* * * * *

 

Themen-Übersicht

Aktuelles

Aktuelle Stunde: "Motorola"

Dringlichkeit: Landeswassergesetz

Am Rand notiert:
"Parlamentskompetenz tritt ab" / Annie ist da

Gesetzentwürfe

2. Lesungen:

Fehlsubventionierung Woh- nungswesen
(Kurzmeldung)
Straßen- und Wegegesetz
(Kurzmeldung)
Stiftungsgesetz
(Kurzmeldung)

1. Lesungen:

Staatsvertrag mit Hamburg
Tierkörperbeseitigungsgesetz
Sonderzahlungen/Öff. Dienst
Versorgungsausgleichskasse der Kommunalverbände
(Kurzmeldung)

Wirtschaft / Verkehr / Technik

LKW-Maut
Ausbildungssituation
Existenzgründungen
Technologiestiftung
Bundesverkehrswegeplan
Mittelstandsoffensive
Deutsch-deutscher Grenzweg
(Kurzmeldung)
Investitionsbank
(Kurzmeldung)
Ladenschlussgesetz
(Kurzmeldung)

Finanzen

Landesentwicklungsgesell.
Ministerversorgungsbezüge
Gewerbesteuer
Kieler Schloss
(Kurzmeldung)

Arbeit/Soziales / Gesundheit

Arbeitslosengeld II/Sozialhilfe
Arbeitszeiten in Krankenhs.
Eingliederungshilfe
Bürgerbeauftragte
Anti-Diskriminierungsgesetz
Hospizeinrichtungen
(Kurzmeldung)
Ernährungswirtschaft
(Kurzmeldung)
Eingabenausschuss
(Kurzmeldung)

Bildung / Kultur / Forschung

Lehrerfortbildung
Hochschul-Modernisierung
Unterrichtsversorgung
Zentral-Abitur
(Kurzmeldung)
Landesberufsschulen
(Kurzmeldung)
Schloss Gottorf
(Kurzmeldung)

Inneres / Recht

Biometr. Daten in Ausweisen
Öffentlicher Dienst
Verwaltungsreform
(Kurzmeldung)

Natur / Umwelt / Energie

Zirkustiere
FFH-Richtlinie / Natura 2000
Energiewirtschaft

Agrar / Tourismus / Landesentwicklung

"Zukunft auf dem Land"

Europa

Minderheitensprachen