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Ausbau-Pläne in
Kiel-Holtenau
vor Bruchlandung
Landtag kann sich nicht auf Konzept
für den Luftverkehr
in Schleswig-Holstein einigen

In der
Bedarfs-/Kosten-Diskussion: der geplante Ausbau der
Start- und Landebahn des Flughafens Kiel-Holtenau
Kiel (lno/SHL). Beim Ausbau des Luftverkehrs von und nach Schleswig-Holstein kann der Landtag sich nicht auf einen Kurs
einigen. Die Fraktionen und die rot-grüne Landesregierung nahmen in
ihrer Debatte am Mittwoch, 22. September, zum Teil völlig unterschiedliche Ziele ins
Visier und warfen einander Konzeptionslosigkeit vor. Während Verkehrsminister Bernd Rohwer (SPD) weiter den umstrittenen Ausbau
des Flughafens Kiel-Holtenau favorisierte, hielt die CDU als einzige
Fraktion an der Vision eines Großflughafens Kaltenkirchen fest. Die
Grünen lehnten beides ab, und die FDP gestand nur sich selbst ein schlüssiges Konzept zu. Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) sah
bei der Opposition "ein unerträgliches Stück Beliebigkeit".
Hamburg-Fuhlsbüttel bleibe das internationale Luftfahrtkreuz auch
für Schleswig-Holstein, sagte Rohwer. Das Land brauche aber auch leistungsfähige Regionalflughäfen in Lübeck und Kiel. Für einen
Ausbau in Kiel halte die Regierung an zwei Bedingungen fest: Die Bedarfsprognose müsse zeigen, dass ein Ausbau erforderlich ist und
die Kosten im vorgegebenen Rahmen bleiben. Zudem müsse das Thema Billigflieger neu überlegt werden.
Simonis: Holtenau
kein Prestigeobjekt /
Kayenburg: Landesregierung ohne Konzept
"Ich bin der Meinung, Holtenau ist kein Prestigeobjekt", sagte
Simonis. Es gehe um die Frage, ob die Landeshauptstadt und die Region
einen ausgebauten Flughafen brauchen oder nicht. Seine
Fraktion werde nach Zahlen und Fakten entscheiden, stimmte der
SPD-Abgeordnete Bernd Schröder zu. Das gelte sowohl für
Lübeck-Blankensee als auch für Kiel-Holtenau. Die
Wirtschaftlichkeit, und nicht "parteipolitisch populistisches
Kalkül", sei entscheidend. Die Entscheidung im
Oktober werde sich auch auf Pläne für die Flugplätze Jagel und Hohn
auswirken, so Rohwer. Lübeck bleibe ausbaufähig und werde eine bessere Verkehrsanbindung bekommen.
Wegen Rohwers Unentschlossenheit sei die Modernisierung in Kiel
nicht vorangekommen, sagte CDU-Fraktionschef Martin Kayenburg. Im
Dickicht von Gutachten und Prognosen sei ein klares Konzept nicht zu
erkennen. Ein Aus für das Projekt
wegen mangelnden Bedarfs würde die CDU bedauern. Neben
einem Ausbau von Holtenau und Blankensee müsse auch eine
Nachnutzung der Militärflughäfen in Schleswig-Jagel und
Rendsburg-Hohn sowohl für den Charter- als auch für den
Frachtverkehr geprüft werden, forderte Kayenburg. Die Fraktion ist bei dem Thema allerdings nicht einig.
Kubicki:
Geisterflughafen Kaltenkirchen /
Hentschel: Holtenau mausetot
Rot-Grün sei dafür verantwortlich, dass immer weniger Flugzeuge
in Schleswig-Holstein landeten, meinte FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki. Wenn sich der Ausbau in Kiel nicht lohne, solle man das
Projekt beenden. Dann werde aber eine zügige Schienenanbindung an Hamburg-Fuhlsbüttel benötigt - das wollen auch die Grünen. Kubicki
fragte sich, weshalb die CDU den "Geisterflughafen Kaltenkirchen" in
ihr Wahlprogramm aufnehmen wolle.
SPD und Grüne hielten der FDP vor, sie sei erst für den Ausbau in
Kiel gewesen und nun dagegen. Der Fraktionschef der Grünen, Karl-Martin Hentschel, bekräftigte das Nein
seiner Fraktion:
"Vergleicht man das neue Gutachten mit dem vorigen und dann noch mit den aktuellen Zahlen, dann scheint
das Projekt Holtenau politisch mausetot zu sein." Auch Lars Harms (SSW)
stellte fest: Der Ausbau von Kiel-Holtenau ist „völlig
unsinnig". Das Geld solle jetzt zügig in andere Projekte
umgeleitet werden. Längerfristig stelle sich darüber hinaus die
Frage, ob es für das Land Sinn mache, Anteile an einer
defizitären Flughafengesellschaft zu halten.
Überlegungen des CDU-Spitzenkandidaten Peter Harry Carstensen, den
bisher rein militärischen Flugplatz Jagel zum Frachtflughafen zu machen, wiesen die anderen Parteien mit Häme zurück.
Hintergrund:
Eine kürzlich vorgestellte Bedarfsanalyse für den
Kieler Flughafen Holtenau hat die Diskussion um den seit
Jahren geplanten Ausbau des Regional-Airports in der
Landeshauptstadt neu entfacht. Das Gutachten kommt zwar zu
dem Schluss, dass durch eine für größere Flugzeuge
benötigte Verlängerung der Start- und Landebahn auf
1.799 Meter (plus 300 Metern Sicherheitszone) die
Passagierzahlen ansteigen könnten - bis zum Jahr 2010 auf
knapp 190.000 und bis 2020 nochmals um weitere 100.000.
Zugleich tauchten jedoch - auch aus Regierungskreisen -
Fragen zu der Wirtschaftlichkeit in Bezug auf die
Ausbaukosten von rund 49 Millionen Euro auf. Hier soll im
Bereich Kosten-Nutzen-Rechnung weiter geprüft werden.
Geklärt werden sollen dabei auch die Auswirkungen der
Billigflieger, die verstärkt ab Lübeck (dem zweiten
Regionalflughafen in Schleswig-Holstein) und Hamburg
starten. Für Kiel war seinerzeit ein Charter-Verkehr
ausgeschlossen worden.
Zugleich wurden landesweit wieder Stimmen lauter, die eine
zivile Nutzung von Militärflughäfen (Hohn oder Jagel)
oder einen Großflughafen Kaltenkirchen erneut ins Spiel
brachten.
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