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...und
strittiges Thema im Landtag
Kiel (lno/SHL). In der Energie- und Klimaschutzpolitik bleiben
die Fronten im schleswig-holsteinischen Landtag verhärtet. Während
das rot-grüne Lager in Kiel am Donnerstag, 23. September, die erneuerbaren Energien
herausstellte, hielt die CDU an der Atomenergie fest. "Vielleicht
werden ja unsere Landwirte in Zukunft die neuen Ölscheichs sein",
sagte der grüne Umwelt- und Landwirtschaftsminister Klaus Müller zur
Nutzung erneuerbarer Energien. Ein Ziel des Landes besteht darin, seinen Stromverbrauch von 2010 an zur Hälfte aus erneuerbaren
Energien zu decken. Bisher ist es etwa ein Viertel. Die Landesregierung hatte dem Parlament
einen mehr als 300 Seiten starken Klimaschutzbericht vorgelegt.
Als Land zwischen den Meeren müsse Schleswig-Holstein ein
besonderes Interesse daran haben, einen Anstieg der Meeresspiegel im
Zuge der globalen Erwärmung möglichst gering zu halten, betonte der
Umweltminister. Die Emissionen des wichtigsten Treibhausgases Kohlendioxid waren
im Norden zwischen 1990 und 2000 um 10 Prozent zurückgegangen, das
für 2010 angestrebte Ziel liegt bei 15 Prozent. Die
CDU-Politikerin Todsen-Reese hielt dagegen, die Bundesregierung habe einen Rückgang bis 2005 um 25
Prozent als Ziel genannt. Nach Ansicht der CDU könne auf die Atomenergie auf absehbarer Zeit nicht
verzichtet werden. Die Windenergie könne die Kernenergie nicht ersetzen,
weil sie nicht "grundlastfähig" sei, so die Umweltpolitikerin
ihrer Fraktion: "Wir brauchen einen Energiemix aus allen
Quellen."
Fragen noch offen
Generell sei die Atomenergie zu bevorzugen,
wenn es um den reinen Ausstoß von Kohlendioxid, fügte der FDP-Abgeordnete Günther
Hildebrand hinzu. Aber: "Ein Ausstieg aus dieser Energieform wird über kurz oder lang national
kommen, das Ausstiegsverfahren ist festgelegt." Dennoch habe auch der Regierungsbericht keine Antwort auf die Frage gegeben, wie
die notwendige Energie beschafft werden soll. Regenerative Energieformen reichten vom Volumen nicht aus. Die Alternative wäre
ein verstärkter Einsatz fossiler Brennstoffe - mit einem höheren CO2-Ausstoß als Folge.
Der SPD-Abgeordnete Konrad Nabel warf der
Opposition vor, sie biete in der Energiepolitik keine Alternativen.
Zugleich lobte sein Fraktionskollege Helmut Jacobs die Aktivitäten der Landesregierung: "Wir
begreifen den Bericht nicht nur als Informationsquelle sondern
auch als Handlungsgrundlage für den Ausgleich von ökonomischen
und ökologischen Interessen. Wir werden die Erfüllung der Punkte
zum Klimaschutz politisch begleiten, weil wir uns der
Nachhaltigkeit verpflichtet fühlen."
Klimaschutz auch
Wirtschaftspolitik
"Erfolgreicher
Klimaschutz ist auch gleichzeitig eine erfolgreiche
Wirtschaftspolitik für unser Land", hob Detlef Matthiessen
(Grüne) hervor. Schleswig-Holstein weise bei fast allen
Indikatoren der Klimaschutzpolitik überdurchschnittliche Werte
auf. Dies sei durch Effizienz-Steigerungen und
Effizienz-Strategien bei der Entwicklung neuer und besserer
Produkte gelungen. Lars Harms (SSW) mahnte, sich nicht auf die
Klimaschutz-Erfolge in Schleswig-Holstein auszuruhen: "Neue
Beschlüsse wurden in letzter Zeit kaum gefasst, dies ist
bedauerlich." Die Landesregierung muss dazu beitragen, dass
die lokale Agenda 21 vor Ort wiederbelebt wird.
Über den Regierungsbericht wird der Umweltausschuss
des Landtages weiter beraten.
Hintergrund:
1992 fand in Rio die Konferenz zu
Umwelt- und Entwicklung der Vereinten Nationen statt.
Ergebnis war die Agenda 21, ein weltweites
Handlungsprogramm für die nachhaltige Entwicklung im 21.
Jahrhundert. "Agenda" steht für
"Tagesordnung" und "21" für das 21.
Jahrhundert. Wichtige Inhalte sind unter anderem: die
Vernetzung von Umweltschutz, Sozialem und Wirtschaft, der
Ressourcenschutz, die weltweite Gerechtigkeit, ein
verändertes Konsumverhalten in den Industriestaaten und
eine weitgehende Beteiligung aller Bevölkerungsgruppen.
In dem jetzt vorgelegten Bericht der
Landesregierung sind die Leitlinien und Ziele der Agenda
21 und die Klimaschutz-Politik in Schleswig-Holstein
zusammengefasst. Diese betreffen vor allem die
Dokumentation und Reduzierung der sechs Treibhausgase
(Kohlendioxid, Methan, Distickstoffoxid,
wasserstoffhaltige Fluorkohlenwasserstoffe und
Schwefelhexachlorid), die auch Gegenstand des
Kyoto-Protokolls sind. Laut Bericht befindet sich
Schleswig-Holstein dabei im bundesweiten Vergleich auf
einem guten Weg. So sind seit 1990 beispielsweise die
CO2-Emissionen um zehn Prozent zurückgegangen, das für
2010 anvisierte Ziel liegt bei 15 Prozent.
In einem 21-Punkte-Programm sind zudem die
zukünftigen Schwerpunkte des Landes aufgelistet; dazu
gehören neben der Energiepolitik auch die Förderung
nachwachsender Rohstoffe oder die Verankerung des
Klimaschutzes im Bildungsbereich. Umsetzungserfolge weist
der Bericht etwa in der Reduzierung des Energieverbrauchs
in den Landesliegenschaften aus , zu der sich die
Landesregierung in einer Selbstverpflichtung verpflichtet
hat.
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