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Nach amerikanischen
Vorbild:
Kampf der Konkurrenz auf
der grünen Wiese
Grüne wollen Innenstädte mit BID-Gesetz stärken
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Kiel (SHL/29.09.). Der Landtag will die städtischen
Einkaufsmeilen stärken: Angesichts der starken Konkurrenz
von Einkaufszentren in Vororten soll das amerikanischen Konzept des "Business
Improvement District" (BID) dem Einzelhandel und
Dienstleistungsgewerbe auf die Sprünge helfen. Das heißt:
Kaufleute, die an einem gemeinsamen Standort tätig sind –
etwa einer Straße oder einem Stadtteil –, sollen gesetzlich
dazu verpflichtet werden, regelmäßig in einen BID-Fonds
einzuzahlen. Als Gegenleistung organisiert die private
BID-Gesellschaft die Außendarstellung des Standorts,
beispielsweise mit Kinderfesten oder Straßenumgestaltungen. Ein
von den Grünen vorgelegter Entwurf zum BID-Gesetz wurde mit
breiten Wohlwollen an den Wirtschaftsausschuss
überwiesen.
Das BID-Konzept habe sich
weltweit zu einem Erfolgsmodell für die Stärkung der
Innenstädte erwiesen, begründeten die Grünen ihren Vorstoß.
Die Regierungsfraktionen begrüßten die Initiative, warnten
jedoch vor Schnellschüssen. So müsse das BID-Gesetz in einen
verlässlichen Rahmen eingebunden werden. Das Beispiel Hamburg
zeige, dass ansonsten mit Klagen wegen der Abgaben an den
BID-Fonds zu rechnen sei. Auch die Liberalen begrüßten den
Vorstoß der Grünen: Mit einem BID-Gesetz bekämen die
Einzelhändler und Dienstleister etwas an die Hand, um ihren
Standort zu stärken.
Einzig der SSW zeigte wenig
Sympathie für den Gesetzentwurf: Das BID-Konzept sei ein
abschreckendes Beispiel für Überregulierung und Bürokratie.
Statt ein Gesetz auf den Weg zu bringen, sollte das Land
verstärkt auf die Initiative der Unternehmer zu setzen.
Stimmen aus dem Plenum:
Klaus Müller (Grüne): Im Zuge eines
schleswig-holsteinischen BID-Gesetzes könnten Geschäftsleute
gemeinsam die Infrastruktur verbessern. Der klassische
Einzelhandel könnte sich selbst ein attraktives Umfeld
gestalten.
Johannes Callsen (CDU): „Bitte ein
BID!" hieß es es letzte Woche in einer Pressemitteilung
der Grünen. CDU und SPD haben schon bestellt. Die
Regierungsfraktionen wollen aber kein schnell gezapftes Bier.
Bernd Schröder (SPD): Dem
Innenstadt-Marketing fehlt häufig die Kontinuität, um
umfangreiche Maßnahmen durchzuführen. Deshalb muss das Land
einen rechtlich einwandfreien und verlässlichen Rahmen für die
Einrichtung von BID´s vorgeben.
Heiner Garg (FDP): Die Idee eines
schleswig-holsteinischen BID-Gesetzes ist zu verfolgen. Die
Einzelhändler sollten ein Instrument in die Hand bekommen, um
gegen Trittbrettfahrer vorzugehen.
Lars Harms (SSW): Der Weg zur Stärkung
der Innenstädte ist schwierig. Ob das BID-Gesetz die richtige
Lösung ist, erscheint fraglich. Dieser Entwurf regelt zu viel
von oben. Weniger wäre mehr.
Innenminister Ralf Stegner (SPD): Einfache
Übertragung des BID-Konzeptes aus Amerika ist schwierig. Auch
das Hamburger Gesetz lässt sich nicht auf Schleswig-Holstein
übertragen, weil Schleswig-Holstein eine andere
Kommunalstruktur hat.
Hintergrund:
Die Grünen wollen das gemeinsame
Engagement von Geschäftsleuten eines Standorts fördern.
In diese Richtung zielt das von ihnen vorgelegte
BID-Gesetz. Die Abkürzung steht für "Business
Improvement District" beziehungsweise "Bündnis
für Innovation und Dienstleistung". Kaufleute, die
an einem gemeinsamen Standort tätig sind – etwa einer
Straße oder einem Stadtteil –, sollen gesetzlich dazu
verpflichtet werden, regelmäßig in einen BID-Fonds
einzuzahlen. Als Gegenleistung organisiert die private
BID-Gesellschaft die Außendarstellung des Standorts, zum
Beispiel mit Kinderfesten oder Straßenumgestaltungen. Die
aus den USA und Kanada stammende Idee soll der Abwanderung
von Kunden in Einkaufszentren in Vororten auf der grünen
Wiese entgegenwirken.
Es ist vorgesehen, dass 15 Prozent der Eigentümer
mit 15 Prozent der Verkaufsfläche eine solche Initiative
starten können. Haben nach einer vierwöchigen
Anhörungsphase nicht mehr als ein Drittel der betroffenen
Geschäftsleute widersprochen, wird die Aktion gestartet.
Die Beitragshöhe soll sich nach der Grundsteuer richten
und von den Kommunen eingezogen werden.
Nach Angaben des Statistikamtes Nord hält der
Umsatzrückgang im Einzelhandel auch in diesem Jahr an. In
Schleswig-Holstein wurde im ersten Halbjahr 2005 ein um
1,5 Prozent niedrigerer Umsatz verzeichnet als im
Vergleichszeitraum 2004.
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