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Ganzjährige Verkehrsanbindung für Helgoland sicherstellen
Antrag der Fraktionen von CDU und SPD
Drucksache: 16/265
-Plenarprotokoll-

Votum für verlässliche Schiffsanbindung nach Helgoland
Schwarz-Rot will gesetzliche Regelung

Kiel (SHL/28.09.). In den Wintermonaten droht Helgoland vom Festland abgeschnitten zu werden. Derzeit steuert von November bis März nur ein einziges Schiff viermal pro Woche Deutschlands einzige Hochseeinsel von Cuxhaven aus an. Was aber passiert, wenn diese Linie einmal ganz flach fallen sollte? Denn: eine eindeutige gesetzliche Regelung, die eine Anbindung zum Festland garantiert, liegt nicht vor. CDU und SPD hatten die Regierung aufgefordert, sich für eine ganzjährige Schiffsanbindung einzusetzen. Verkehrsminister Dietrich Austermann sagte dies in einem mündlichen Bericht zu. Er betonte in diesem Zusammenhang, dass er eine privatwirtschaftliche Lösung einer staatlichen Vorgabe vorziehen würde. Zugleich verwies er auf den Ausgang einer Verhandlung vor dem Oberverwaltungsgericht Schleswig, das sich mit diesem Problem am kommenden Freitag beschäftigt.

Der CDU-Abgeordnete Peter Lehnert wies in diesem Zusammenhang auf generelle Strukturprobleme der Insel hin. Attraktivität und somit die Besucherzahlen hingen von der wirtschaftlichen Entwicklung Helgolands ab. Die Insel hat dieses Jahr im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang an Tagestouristen von 14 Prozent verzeichnen müssen. Einen Dank sprach er dem derzeitigen Betreiber der Winterlinie aus: "Er hat trotz schwieriger wirtschaftlicher Verhältnisse die Versorgung im Winter auf freiwilliger Basis sichergestellt." Es sei aber absehbar, dass er mit seinen 82 Jahren die Verbindung nicht unbegrenzt aufrechterhalten kann.

Dass die autofreie Insel aufgrund mangelnder gesetzlicher Regelungen ein Verkehrsproblem hat, fand Thomas Hölck von der SPD mehr als bedenklich. Er verwies auf das Grundgesetz und hält es für eine "gesamtstaatliche Aufgabe, den Inselbewohnern eine solide Lebensgrundlage zu verschaffen." Hölck übte heftige Kritik an der für Helgoland zuständigen Kreisverwaltung in Pinneberg, die sich viel zu passiv verhalte. Er rief alle beteiligten Akteure, Land, Kreis und Helgoländer Reedereien auf, die Fähranbindung langfristig zu sichern.

Der FDP-Abgeordnete Günther Hildebrand schlug vor, das wirtschaftliche Risiko der Verbindung im Winter durch staatliche Zuschüsse im Bedarfsfall abzufedern. "Nur", fragte er einschränkend, "wer soll dabei welchen Anteil bezahlen?" Der Grünen-Abgeordnete Klaus Müller schloss sich den Ausführungen von Minister Austermann an: "Nicht jedes Problem kann beim Staat landen." Fundiert diskutiert werden könne erst nach der Gerichtsverhandlung über dieses Problem. Der SSW-Abgeordnete Lars Harms empfand die mögliche Kappung der Verbindung zum Festland als bedrohlich: "Auch wenn es keine rechtliche Verpflichtung gibt, den Verkehr aufrecht zu erhalten, so gibt es doch eine moralische." Er sprach sich für einen kreativen Umgang mit dem Problem aus – etwa durch eine Anschubfinanzierung für die Wiederaufnahme der Verbindung nach Husum.

Der Bericht wurde zur weiteren Beratung an den Wirtschaftsausschuss überwiesen.

Hintergrund:
  CDU und SPD fordern die Landesregierung auf, sich für eine ganzjährige Verkehrsanbindung für die Insel Helgoland einzusetzen und hierüber im Plenum zu berichten. Helgoland ist vom Festland aus per Fähre und Flugzeug erreichbar. Es gibt 14 Schiffsverbindungen, unter anderem aus Hörnum auf Sylt, Wittdün auf Amrum, Wyk auf Föhr, Büsum und Wedel. Eine der sieben Fluglinien startet in Büsum. Die Verbindung zu Deutschlands einziger Hochseeinsel ist jedoch ein touristisches Saisongeschäft und beschränkt sich weitgehend auf die Sommermonate. Von November bis März hingegen fährt nur viermal pro Woche ein Schiff von Cuxhaven aus.
  Hierunter leidet die Helgoländer Wirtschaft, die stark auf den Fremdenverkehr ausgerichtet ist. Gastwirte und Hoteliers beklagen, dass die wirtschaftlichen Potenziale im Winter aufgrund der mangelnden Erreichbarkeit nicht ausgenutzt werden können.
  Der Tages-Tourismus auf Helgoland ist seit 2003 rückläufig. Im vergangenen Jahr sank der Zuspruch um rund 15 Prozent auf 478.000 Tagesgäste. Im laufenden Jahr fehlen nach Medienberichten weitere zehn Prozent. Die Zahl der Übernachtungen liegt hingegen seit Jahren konstant bei 50.000. Die Helgoländer wehren sich gegen den Rückgang im Tagesgeschäft: Die Gemeinde klagt gegen den zuständigen Kreis Pinneberg auf Verbesserung der Verkehrsanbindung, und örtliche Unternehmer ziehen die Gründung einer eigenen Reederei in Betracht.
  Die Hauptinsel mit dem roten Felsen und die benachbarte Düne liegen etwa 43 km westlich der Halbinsel Eiderstedt und 62 km nordwestlich der Elbmündung. Auf Helgoland wohnen etwa 1.500 Menschen. 85 Millionen Euro werden jährlich im Tourismus umgesetzt. Helgoland gehört zum Land Schleswig-Holstein und zum Kreis Pinneberg.
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