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Mitwirkung des Schleswig-Holsteinischen Landtages bei der Subsidiaritätskontrolle und dem Frühwarnsystem im Zuge europäischer Gesetzgebungsverfahren
(Landtagsbeschluss vom 16. Juni 2005 – Drucksache 16/110)
Federführend ist das Ministerium für Justiz, Arbeit und Europa
Bericht wird mündlich vorgetragen
Drucksache: - -
-Plenarprotokoll-

Gemeinsam gegen
Regelungswut der EU

Land will schneller auf  Gesetzesvorhaben
aus Brüssel reagieren

Kiel (SHL/30.09). Das Land will auf die Gesetzesvorhaben der EU schneller reagieren können. Dies haben die Landtagsparteien und die Landesregierung deutlich gemacht. Europaminister Uwe Döring (SPD) kündigte an, künftig sämtliche Informationen zu EU-Gesetzesvorhaben schnellstmöglich an das Parlament weiterzuleiten. Zudem forderte er angesichts des Zeitdrucks bei Brüsseler Gesetzgebungsverfahren, dem Europaausschuss eine eigene Entscheidungskompetenz zuzubilligen – gegebenenfalls unter Ausschluss des Parlaments. Das Plenum begrüßte im Kern die Vorschläge des Ministers und überwies das Thema zur vertiefenden Beratung an den Europaausschuss.

Hintergrund der Debatte ist die so genannte Subsidiaritätskontrolle. Subsidiarität bezeichnet eine politische Maxime, die Entscheidungen auf die niedrigste mögliche Ebene verlagert wissen will. Der gescheiterte EU-Verfassungsentwurf hätte dieser Maxime Rechnung getragen: Danach hätten die Länder sechs Wochen Zeit gegen eine Gesetzesvorhaben vorzugehen.

Das Land habe im Prinzip durchaus Möglichkeiten auf den Entscheidungsprozess der EU einzuwirken, befand Manfred Ritzek (CDU), dessen Fraktion gemeinsam mit der SPD Vorschläge von Döhring angefordert hatte. Wann immer die Chance bestünde, so Ritzek, sollten die Dinge aber lokal geregelt werden. In dieselbe Richtung argumentierte die Vorsitzende des Europa-Ausschusses Astrid Höfs (SPD): Der Bevölkerung dränge sich der Eindruck auf, dass ständig über ihre Köpfe hinweg entschieden werde.

Wolfgang Kubicki (FDP) sprach sich mit Verweis auf einen Vorschlag des Europaministers gegen das Amt eines Europaministers im Bund aus. Anne Lütkes (Grüne) befürchtete eine Informationsflut aus dem Hause Döring: Ein Mittelwert, so Lütkes, sei der richtige Weg. "Das Ringen um Entscheidungen muss in die Parlamente zurückkehren", mahnte Anke Spoorendonk (SSW) an. Ansonsten fühlten sich die Bürger nur noch als Opfer technokratischer Sachzwänge.

Sofortiges konkretes Handeln in Sachen Subsidiarität forderte Döring angesichts der Ankündigung des EU-Ratspräsidenten, Toni Blair. Dieser hatte angeregt, die ZIEL II-Förderung in der EU streichen zu wollen. Damit würden Schleswig-Holstein 280 Millionen Euro fehlen, konstatierte Döring.

Hintergrund:
  Auf Antrag von CDU und SPD berichtet die Landesregierung mündlich über die Verwirklichung des Subsidiaritätsprinzips in der Europäischen Union.
  Die Koalitionsfraktionen hatten sich dafür ausgesprochen, dass neben den nationalen Parlamenten auch die Landesparlamente an europäischen Gesetzgebungsverfahren beteiligt werden. Hierüber soll eine Abstimmung zwischen den Landesparlamenten stattfinden. Durch ein Frühwarnsystem sollen die Länder rechtzeitig über sie betreffende Angelegenheiten informiert werden. Eine solche Einbindung ist in der EU-Verfassung vorgesehen.
  Das Subsidiaritätsprinzip ist eine wichtige Grundlage der Verfassung der Europäischen Union, um die Organe der EU in der europäischen Gesetzgebung zu beschränken. Subsidiarität ist eine politische Maxime, die Entscheidungen auf die niedrigste mögliche Ebene verlagert wissen will.

mehr Informationen: plenum-online, Juni 2005
(www.sh-landtag.de/plenumonline/juni2005/
texte/11_13_eurogesetze_dt_daen_grenze.htm)

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