Ministerin Trauernicht kündigte an, die
speziellen Interessen der schleswig-holsteinischen Krankenhäuser
bei den Verhandlungen zu berücksichtigen. Denn: Die angedachte
einprozentige Absenkung des Krankenhaus-Budgets würde im
Zusammenspiel mit den niedrigen Basisfallwerten im Lande die
hiesigen Kliniken besonders hart treffen. Bei diesem Punkt
herrschte fraktionsübergreifende Einigkeit im Plenum. Als positiv
sah es die Ministerin an, dass es keine Aufsplittung in Grund- und
Wahlleistungen für die Patienten geben solle, dass die freie
Arztwahl erhalten bleibe und dass feste Euro-Beträge das
undurchsichtige Punktesystem bei Ärzte-Abrechnungen ersetzen
solle. Demgegenüber sei der geplante Gesundheitsfonds ein
ungewisser "radikaler Systemwechsel". Und: Der
Strukturausgleich zwischen den Kassen müsse, entgegen den
Forderungen aus Bayern, in ausreichendem Maße erhalten bleiben.
SPD: Liberale betreiben
"Effekthascherei"
Auch Ursula Sassen (CDU) übte keine
Pauschal-Kritik. Der„Gesundheitsfonds müsse einen
"Sozialausgleich enthalten", forderte sie. Zudem bestehe
"die große Sorge", dass der Fonds zu mehr Bürokratie
führe. Jutta Schümann (SPD) warf der FDP, die das Thema auf die
Tagesordnung gesetzt hatte, "Effekthascherei" vor. Sie
setzte sich ebenfalls für den Erhalt der solidarischen
Finanzierung und für niedrige Beiträge ein.
"Die Kosten werden steigen, aber die
Versorgung der Bevölkerung wird nicht besser werden",
argwöhnte dagegen Heiner Garg (FDP). So koste die Reform die
Kliniken im Lande 80 Millionen Euro. Hier habe die Ministerin
"miserabel" verhandelt. Auch Angelika Birk (Grüne) fand
die Reform "ineffizient, unsolidarisch, ungerecht". Sie
beklagte vor allem eine "Entsolidarisierungspolitik" zu
Lasten alter und schwacher Menschen. Und: Die Kürzung der
Zuschüsse für versicherungsfremde Leistungen wie
Schwangerschaftsbetreuung treffe vor allem die Frauen. Lars Harms
(SSW) ergänzte, die "unsinnige Reform" führe zur
Erhöhung der Lohnnebenkosten und damit zu einer höheren
Arbeitslosigkeit. Sie stelle eine "einseitige Belastung der
Lohnempfänger" dar.
Die Berliner Verhandlungsrunde aus Spitzen von
Union und SPD hat im Juli unter anderem eine Anhebung der
Krankenkassenbeiträge um insgesamt 0,5 Prozent ins Spiel
gebracht. Die Aufwendungen für bislang beitragsfrei
mitversicherte Kinder sollen künftig aus Steuermitteln
ausgebracht werden. Ab 2008 sollen zudem die Steuermittel sowie
die Mitgliedsbeiträge in einen Gesundheitsfonds einfließen.
Hieraus erhalten die Kassen einheitliche Zuschüsse für jeden
Versicherten. Das Gesetzgebungsverfahren sollte nach
ursprünglichen Plänen zum Jahresbeginn 2007 abgeschlossen sein.
Inzwischen hat sich die Berliner Koalition auf den 1. April 2007
verständigt. Grund für die Verschiebung sind Proteste aus
Verbände und aus der Politik.
Der Sozialausschuss berät abschließend.