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Landtag geschlossen
gegen PC-
und Handy-Gebühren ab 2007
Kiel (SHL/14.09.)
Die geforderte Rundfunkgebühr für internetfähige Computer und
Handys ist im Landtag auf breite Kritik gestoßen. Unisono monierten
die Abgeordneten die Pläne der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten,
schon ab dem 1. Januar 2007 eine Gebühr für web-taugliche PC´s zu
erheben. Einstimmig forderte das Plenum eine Aussetzung der bereits beschlossenen Rundfunkgebührenpflicht. Die
Landesregierung solle sich in der Rundfunkkommission für ein Moratorium bis mindestens Ende 2008
einsetzen. Ein besonderer Dorn im Auge war den Abgeordneten die
Gebührenpflicht für Freiberufler und Selbstständige. Teile des
Plenum brandmarkten dies als "Wegelagerei" und "Abzocke".
"Die öffentlich-rechtlichen
Sender haben für unsere Demokratie eine essentielle
Bedeutung", brach Ministerpräsident Peter Harry Carstensen
(CDU) eine Lanze für die Sender. Es könne nicht sein, dass Oma
zahlen müsse, während sich der Enkel aus der Solidargemeinschaft
entziehe. Gleichwohl zeigte er Verständnis für die Bedenken der
Wirtschaft. Diese dürfe nicht unangemessen belastet werden. Die ARD-Intendanten
hatten sich am Dienstag dieser Woche als Kompromiss für eine Gebühr von 5,52 Euro pro
Monat für internetfähige Computer ausgesprochen. Ursprünglich hatten
17,03 Euro im Raum gestanden. Carstensen befürwortete aber ebenfalls
das Moratorium, um eine tragfähige Regelung erarbeiten zu lassen.
Personengebundene Gebühr eine Alternative?
Johann Wadephul (CDU) betonte,
dass "die Masse der PC´s nicht als TV genutzt" werde. Der
Protest von Seiten der Wirtschaft sei deshalb berechtigt. In der
Regel handele es sich "um ganz normale Arbeitsplätze".
"Wir brauchen eine von den Geräten unabhängige Gebühr",
forderte Karl-Martin Hentschel (Grüne). Der Beschluss der
ARD-Intendanten, lediglich 5,52 Euro für internetfähige Rechner zu
zahlen, sei allenfalls ein Schritt in die richtige Richtung. In
dieselbe Richtung zielte Wolfgang Kubicki (FDP): Er sprach sich für
eine Neuordnung des Gebührenmodells aus. Er könne sich eine "personengebundene
Gebühr vorstellen, so der Oppositionsführer.
Rechtliche Probleme bei der geplanten
Gebührenerhebung machte Peter Eichstädt (SPD) aus: Wenn die ARD
tatsächlich den Tarif für Radiogeräte erhebe, ginge das ZDF leer
aus, da der Sender über keine eigenen Radioprogramme verfüge. Die
Hälfte dieser Gelder einfach abzuzweigen, wäre wiederum nicht von
der Verfassung gedeckt. "Generell ist aber auch festzustellen,
dass derzeit weder die technischen Empfangsmöglichkeiten noch das
vorhandene Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Internet
eine Gebühr für internetfähige PC's rechtfertigen", befand
Anke Spoorendonk (SSW).
Mit den Thema wird sich auch der Innen- und
Rechtsausschuss befassen.
Hintergrund:
Die Grünen fordern die
Landesregierung auf, sich gegen die zum 1. Januar 2007
anstehende Einführung einer Rundfunkgebühr für
internetfähige Computer und Mobiltelefone auszusprechen.
Stattdessen plädiert die Oppositionsfraktion für eine
geräteunabhängige, haushalts- und betriebsbezogene
Mediengebühr. Diese sei angesichts der ständig
fortschreitenden technischen Entwicklung auf dem Gebiet
der Telekommunikation praktikabler, heißt es in dem
Antrag. Zudem machen sich die Grünen für eine
großzügige Auslegung der Härtefallregelung bei der
Befreiung einkommensschwacher Haushalte von der
Rundfunkgebühr stark.
In einem eigenen Antrag fordert die FDP ein
"mindestens zweijähriges Aussetzen" der
Gebührenpläne. Zudem soll es nach Willen der Liberalen
den Landesrundfunkanstalten verboten werden, private
Nutzerdaten zu speichern.
Spitzenverbände der Wirtschaft und der Hochschulen
haben ebenfalls gegen die PC-Abgabe protestiert. Die FH
Kiel beispielsweise rechnet nach eigenen Angaben mit
jährlichen Zusatzbelastungen von knapp 370.000 Euro. Auch
die Landesregierung hat sich dafür ausgesprochen, die
Regelung noch einmal "sorgfältig zu
überprüfen" und zum Thema der
Ministerpräsidentenkonferenz im Herbst zu machen.
Die Neuerung geht auf den seit Anfang 2005
geltenden Rundfunkstaatsvertrag zurück. Darin hatten die
Länder vereinbart, dass Privat- und Geschäftsleute, die
bislang keine TV-Gebühr zahlen, ab Januar 2007 für ihre
internetfähigen Computer monatlich 17,03 Euro entrichten
müssen.
Aktuell: Die
ARD-Intendanten haben sich am 12. September, dem Dienstag
vor der Tagung, für eine Gebühr von 5,52 Euro pro Monat
für internetfähige Computer ausgesprochen. In einem nachgereichten Antrag spricht sich
auch die Große Koalition für ein zweijähriges Aussetzen
Rundfunkgebühr aus. Zudem soll die Landesregierung dem
Landtag im Oktober schriftlich über die Ergebnisse
berichten.
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