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Zukunft des UKSH (Universitätsklinkum Schleswig-Holstein)

Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Drucksache: 16/959
-Plenarprotokoll-

Privatisierung des Uni-Klinikums bleibt Zankapfel

Kiel (SHL/14.09.) Die Pläne von Wissenschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) zur Teilprivatisierung des defizitären Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) bleiben innerhalb der schwarz-roten Koalition umstritten. In einer von den Grünen beantragten Debatte erneuerten die Sozialdemokraten ihre Skepsis gegenüber dem geplanten Einstieg privater Investoren mit bis zu 50 Prozent. Auch die Opposition sah die Pläne, die auf einem Gutachten der Beraterfirma Deloitte & Touche beruhen, als unausgereift an. Austermann hingegen betonte: "Wir brauchen zusätzliches privates Kapital" und "eine neue Rechtsform".

Der Haushalt des Klinikums weist zurzeit ein Defizit von 70 Millionen Euro aus. Zudem besteht ein Investitionsstau von etwa 500 Millionen. Das 2003 aus den Uni-Kliniken Kiel und Lübeck hervorgegangene UKSH beschäftigt rund 10.000 Mitarbeiter und ist damit der größte Arbeitgeber des Landes. Es verfügt über 2.400 Patienten-Betten.

CDU gegen "Denkverbot"

Angesichts der Finanzkrise, so Minister Austermann weiter, "wäre es unverantwortlich jetzt nicht zu handeln". Er plädierte deshalb für eine "große Lösung". Unterstützung erhielt er vom CDU-Abgeordneten Niklas Herbst, der sich gegen ein "Denkverbot" bei der Suche nach einer Lösung der Klinik-Krise aussprach. Wolfgang Baasch (SPD) dagegen lehnte für seine Fraktion eine Vollprivatisierung oder eine Teilprivatisierung in Form des Verkaufs eines Standorts kategorisch ab. Stattdessen unterstützte er die Sanierungsvorschläge des Klinik-Vorstands, der seit 2003 bereits 37 Millionen Euro eingespart habe.

Breite Kritik an den Privatisierungsplänen des Ministeriums kam auch von der Opposition. Angelika Birk (Grüne) sah die Freiheit von Forschung und Lehre bedroht, wenn das Land "das Steuer aus der Hand" gebe und Private mitentscheiden lasse. Lars Harms (SSW) sah "keinen Grund für einen Verkauf". Denn: "Auch bei einer Holding-Lösung wäre das Land immer noch an den Kosten beteiligt, und nur mit Landesgeldern könnte der Investitionsstau abgebaut werden." Das Experten-Gutachten nahm Ekkehard Klug (FDP) aufs Korn: Es falle "in sich zusammen wie ein Kartenhaus", weil es wichtige Rahmenbedingungen wie die Mehrwertsteuererhöhung oder die Tarifentwicklung ignoriere.

Basisfallwerte weitere Streitpunkt 

Kontrovers diskutiert wurde ein Vorschlag der Grünen, mit der Privatisierungs-Entscheidung zu warten, bis die Basisfallwerte für die schleswig-holsteinischen Krankenhäuser auf Bundesniveau angehoben worden sind. Dies sei 2009 der Fall, so die Grünen-Abgeordnete Birk, und erst dann könne die Wirtschaftlichkeit des UKSH seriös eingeschätzt werden. Dem widersprach der Christdemokrat Herbst: Bundeseinheitliche Basisfallwerte seien keine Garantie für eine Sanierung und eine Behebung des Investitionsstaus. Der Liberale Klug verwies auf die derzeit laufenden Ausschussberatungen des Bundesrats zu diesem Thema und erwartete eine endgültige Lösung erst für 2015.

Die Pläne waren in der Vorwoche bereits bei einer gemeinsamen Sitzung der Landtagsausschüsse für Bildung, Finanzen, Wirtschaft und Soziales besprochen worden. Im Bildungs- und Sozialausschuss wird nun weiter beraten. Die Kabinettsentscheidung über das weitere Vorgehen soll im November fallen.

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Hintergrund:
  Die Grünen fordern die Landesregierung auf, ihre Pläne für einen Teilverkauf des defizitären Universitäts-Klinikums Schleswig-Holstein (UKSH) zurückzustellen und sich stattdessen für bundeseinheitliche Basisfallwerte einzusetzen. Damit, so die Einschätzung der Oppositionsfraktion, sei das UKSH wirtschaftlich zu betreiben.
  Wissenschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) plant den Einstieg privater Investoren mit bis zu 50 Prozent Anteil bei dem Klinikum mit den Standorten Kiel und Lübeck. Er stützt sich dabei auf ein Experten-Gutachten der Beraterfirma Deloitte & Touche. Demnach kann nur eine Teil-Privatisierung dafür sorgen, das Defizit von 70 Millionen Euro und den Investitionsstau von mehr als 500 Millionen abzubauen. Diese Pläne sind in der Vorwoche bei einer gemeinsamen Sitzung der Landtagsausschüsse für Bildung, Finanzen, Wirtschaft und Soziales überwiegend auf Skepsis gestoßen.
  Die von den Grünen angesprochenen Basisfallwerte haben im letztem Jahr die Tagespflegesätze und Fallpauschalen bei der Berechnung der Kosten von Krankenhausleistungen abgelöst. So sollen die Pflegetage reduziert werden. Für jedes Bundesland gelten vorläufig unterschiedliche Basisfallwerte, bis zum Jahr 2009 jedoch sollen alle Krankenhäuser in Deutschland mit einem einheitlichen Basisfallwert kalkulieren. Bis dahin entstehen aufgrund der uneinheitlichen Werte für gleichwertige gesundheitliche Dienstleistungen, je nach Bundesland, unterschiedliche Kosten. Schleswig-Holsteinische Kliniken werden zurzeit besonders niedrig veranschlagt.
  Das UKSH ist zum 1. Januar 2003 aus den Universitätsklinika Kiel und Lübeck entstanden.

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