Kiel (SHL/15.09.)
Die Regierungsfraktionen sowie Grüne und der SSW sehen
Schleswig-Holstein beim Bürokratieabbau auf einem guten Weg:
Insbesondere die anvisierte Einführung des so genannten
"Standard-Kosten-Modells" in Bund und Ländern stößt bei
der Mehrzahl der Abgeordneten auf Zustimmung. Dies sei ein
wirkungsvolles Instrument, um Bürokratiekosten vorab einzuschätzen
und zu begrenzen, hieß es. Grundlage der Debatte war ein von Grünen
und SSW beantragter Bericht der Landesregierung. Einzig die FDP kritisierte
das Papier als Theorie-lastig und vermisste konkrete Vorschläge zum
Bürokratieabbau.
Das "Standard-Kosten-Modell" hat zum Ziel,
den Aufwand bürokratischer Auflagen zu messen und
Einsparmöglichkeiten sichtbar zu machen – etwa durch die
Streichung von Informationspflichten. Der Bericht kommt zu dem
Schluss, dieser Ansatz könne "einen wirkungsvolles Instrument
mit Signalwirkung darstellen, um auch in Schleswig-Holstein dazu
beizutragen, eine neue Kultur des Regierungshandelns zu
schaffen".
In dem Papier betont die Landesregierung ihr
Bestreben, das Aufgabenspektrum der Landesverwaltung auf den
notwendigen Umfang zu reduzieren und Verwaltungsverfahren zu
beschleunigen. Umstritten bleibt in diesem Zusammenhang die in
Angriff genommene Verwaltungsstrukturreform: Während die
Landesregierung hier auf die Einsparung von Finanzmitteln durch die
Reduzierung von Landesaufgaben setzt, rechnet die Opposition mit
Mehrkosten durch die Einführung von vier neuen Verwaltungsregionen.
Der Bericht wurde an den Innen- und Rechtsausschuss
sowie an den Finanzausschuss überwiesen.
Stimmen aus dem Plenum:
Finanzminister Rainer Wiegard (CDU):
Die Verwaltung braucht europaweit eine einheitliche Berechnung der
Bürokratiekosten. Bei Gesetzen müssen die Kosten in Zukunft klar
sein.
Monika Heinold (Grüne): Der
aufgezeigte Weg der Messung von Bürokratie-Kosten durch das
Standard-Kosten-Modell ist einer, an dem das Land nicht vorbeikommt.
Man muss die Kosten kennen, bevor man entscheidet.
Jens-Christian Magnussen (CDU): Es
kann nicht nur darum gehen, Bürokratiekosten zu messen; es geht
auch darum, zu handeln und die Kosten zu reduzieren.
Thomas Rother (SPD): Die Begrenzung
der Bürokratie-Kosten darf nicht dazu führen, dass demokratische
Prozesse ausgehebelt werden und soziale, ökologische und andere
Standards einfach verschwinden.
Wolfgang Kubicki (FDP): Der Bericht
enthält lange Exegesen über das Standard-Kosten-Modell und die
Definition. Konkrete Vorschläge zum Bürokratieabbau liefert das
Papier nicht.
Anke Spoorendonk (SSW): Nicht alles,
was Arbeit macht, ist überflüssige Bürokratie. In einer komplexen
Gesellschaft ist der Bürokratieabbau eine schwierige Angelegenheit.