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Bürokratiekosten messen und begrenzen
Landtagsbeschluss vom 4. Mai 2006 – Drucksache 16/698
Federführend ist das Finanzministerium
Drucksache: 16/774neu
-Plenarprotokoll-

"Man muss die Kosten kennen,
bevor man entscheidet"

Bürokratieabbau: Landtag berät "Standard-Kosten-Modell"

Kiel (SHL/15.09.)  Die Regierungsfraktionen sowie Grüne und der SSW sehen Schleswig-Holstein beim Bürokratieabbau auf einem guten Weg: Insbesondere die anvisierte Einführung des so genannten "Standard-Kosten-Modells" in Bund und Ländern stößt bei der Mehrzahl der Abgeordneten auf Zustimmung. Dies sei ein wirkungsvolles Instrument, um Bürokratiekosten vorab einzuschätzen und zu begrenzen, hieß es. Grundlage der Debatte war ein von Grünen und SSW beantragter Bericht der Landesregierung. Einzig die FDP kritisierte das Papier als Theorie-lastig und vermisste konkrete Vorschläge zum Bürokratieabbau.

Das "Standard-Kosten-Modell" hat zum Ziel, den Aufwand bürokratischer Auflagen zu messen und Einsparmöglichkeiten sichtbar zu machen – etwa durch die Streichung von Informationspflichten. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dieser Ansatz könne "einen wirkungsvolles Instrument mit Signalwirkung darstellen, um auch in Schleswig-Holstein dazu beizutragen, eine neue Kultur des Regierungshandelns zu schaffen".

In dem Papier betont die Landesregierung ihr Bestreben, das Aufgabenspektrum der Landesverwaltung auf den notwendigen Umfang zu reduzieren und Verwaltungsverfahren zu beschleunigen. Umstritten bleibt in diesem Zusammenhang die in Angriff genommene Verwaltungsstrukturreform: Während die Landesregierung hier auf die Einsparung von Finanzmitteln durch die Reduzierung von Landesaufgaben setzt, rechnet die Opposition mit Mehrkosten durch die Einführung von vier neuen Verwaltungsregionen.

Der Bericht wurde an den Innen- und Rechtsausschuss sowie an den Finanzausschuss überwiesen.

Stimmen aus dem Plenum:

Finanzminister Rainer Wiegard (CDU): Die Verwaltung braucht europaweit eine einheitliche Berechnung der Bürokratiekosten. Bei Gesetzen müssen die Kosten in Zukunft klar sein.

Monika Heinold (Grüne): Der aufgezeigte Weg der Messung von Bürokratie-Kosten durch das Standard-Kosten-Modell ist einer, an dem das Land nicht vorbeikommt. Man muss die Kosten kennen, bevor man entscheidet.

Jens-Christian Magnussen (CDU): Es kann nicht nur darum gehen, Bürokratiekosten zu messen; es geht auch darum, zu handeln und die Kosten zu reduzieren.

Thomas Rother (SPD): Die Begrenzung der Bürokratie-Kosten darf nicht dazu führen, dass demokratische Prozesse ausgehebelt werden und soziale, ökologische und andere Standards einfach verschwinden.

Wolfgang Kubicki (FDP): Der Bericht enthält lange Exegesen über das Standard-Kosten-Modell und die Definition. Konkrete Vorschläge zum Bürokratieabbau liefert das Papier nicht.

Anke Spoorendonk (SSW): Nicht alles, was Arbeit macht, ist überflüssige Bürokratie. In einer komplexen Gesellschaft ist der Bürokratieabbau eine schwierige Angelegenheit.

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Hintergrund:
  Auf Initiative von Grünen und SSW berichtet die Landesregierung über den Bürokratieabbau und die damit verbundene Kostenreduzierung in der Verwaltung. Das zuständige Finanzministerium weist auf die prekäre Haushaltslage mit einem Gesamtschuldenstand von 20 Milliarden Euro und einer Neuverschuldung von 1,6 Milliarden im Jahr 2005 hin. Daher bestehe auch in der Landesverwaltung Sparzwang; es solle aber "nicht mit dem Rasenmäher" vorgegangen, sondern "intelligent" gespart werden.
  Deswegen verweist der Bericht auf die im vergangenen Jahr von der Landesregierung eingeleitete Aufgabenkritik: Eine Arbeitsgruppe unter Staatssekretär Klaus Schlie hatte geprüft, auf welche Aufgaben das Land verzichten kann und wo eine Verlagerung auf die kommunale Ebene Synergieeffekte verspricht. Dies soll etwa bei den Umweltämtern, den Ämtern für ländliche Räume oder den Katasterämtern geschehen. Eine Normenprüfstelle im Innenministerium prüft zudem die Referentenentwürfe für Gesetze und Verordnungen auf Erforderlichkeit und Wirtschaftlichkeit, bevor sie erlassen beziehungsweise ins parlamentarische Beratungsverfahren gegeben werden.
  Weitere Punkte sind die bereits angekündigte Schaffung von vier Verwaltungsregionen in kommunaler Trägerschaft
(s. plenum-online, März 2006) und die Ausgliederung in Form von Landesbetrieben, Anstalten oder Öffentlich-Privaten Partnerschaftsprojekten.
  Einen besonderen Augenmerk haben die Antragssteller auf das so genannte "Standard-Kosten-Modell" gelegt. Dieses aus den Niederlanden stammende Pilotprojekt hat zum Ziel, den Aufwand bürokratischer Auflagen zu messen und Einsparmöglichkeiten sichtbar zu machen – etwa durch die Streichung von Informationspflichten durch die Nutzung bereits vorhandener Statistiken. Der Bericht kommt zum Schluss, dieser Annsatz könne „einen wirkungsvolles Instrument mit Signalwirkung darstellen um auch in Schleswig-Holstein dazu beizutragen, eine neue Kultur des Regierungshandelns zu schaffen".

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