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Landtag will
Korruption im Gesundheitswesen bekämpfen
Ministerin Trauernicht: Unregelmäßigkeiten
sind kein Kavaliersdelikt
Kiel (SHL/15.09.)
Schleswig-Holstein will den Kampf gegen Korruption im
Gesundheitswesen verstärkt vorantreiben. Dies hat Sozialministerin
Gitta Trauernicht (SPD) in einem von den Regierungsfraktionen und
den Grünen beantragten Bericht deutlich gemacht. Die Ächtung jeder
Form von Korruption bleibe eine permanente Aufgabe, konstatierte die
Ministerin und stellte klar: "Hier geht es nicht um
Kavaliersdelikte, sondern um Betrug an den Versicherten."
Zugleich warnte Trauernicht aber davor, potentielle Akteure wie
Ärzte, Apotheker und Pflegdienstmitarbeiter unter Generalverdacht
zu stellen.
Die Landtagsparteien
signalisierten der Ministerin ihre Unterstützung und forderten mehr
Transparenz und Kontrollmöglichkeiten im Gesundheitswesen. Es
herrsche Handlungsbedarf, so der allgemeine Tenor. Konkret sprach
sich der Landtag für zentrale Vorgaben aus, die in die geplante
Gesundheitsreform einfließen müssten. Das Land allein könne der
Schwierigkeiten nicht Herr werden: Der beste Schutz gegen Korruption
sei aber "der aufgeklärte und gut informierte
Versicherungsnehmer". Zum Regierungsbericht selbst
kritisierten die Abgeordneten, dass er teilweise im Widerspruch zu
den Äußerungen der Ministerin stünde. So hätten die
Kontrollansätze der Gesundheitsreform aus dem Jahre 2004 wie etwa
die Einführung eines Prüfungsausschusses und eines
Beschwerdeausschusses nicht gegriffen.
Im Gesundheitswesen beinhaltet
Korruption die Bestechung von Aufsichtsbeamten und medizinischem
Personal, die Manipulation von Informationen über
Arzneimittelstudien, die Abzweigung von Arzneimitteln und
Bedarfsgegenständen, Korruption bei der Beschaffung und überhöhte
Rechnungen an Versicherungsunternehmen. Laut Gesundheitsministerium
gibt es in Deutschland rund 300.000 Ärzte und 20.000 Apotheker.
Laut dem Regierungsbericht geht die Anti-Korruptions-Organisation
Transparency International (TI) deutschlandweit von jährlichen
Verlusten zwischen sechs und 20 Milliarden Euro durch
Korruptionstatbestände im Gesundheitswesen aus. Eine Zahl, die
Gesundheitsministerin Trauernicht aber als zu vage und nicht
realistisch einstufte.
Der Bericht wurde an den Sozialausschuss
überwiesen.
Hauptredner:
Ursula Sassen (CDU), Wolfgang Baasch (SPD/
in Vertretung von Jutta Schümann), Heiner Garg (FDP), Angelika Birk
(Grüne), Lars Harms (SSW)
Hintergrund:
Auf Initiative von Schwarz-Rot und Grünen
berichtet die Landesregierung über staatliche Maßnahmen
beim Kampf gegen die Korruption im Gesundheitswesen.
Anlass des Vorstoßes waren Untersuchungen von
Transparency International (TI). Die
Anti-Korruptions-Organisation geht für Deutschland von
jährlichen Verlusten zwischen sechs und 20 Milliarden
Euro für die Patienten durch Bestechung, Manipulation
oder Veruntreuung aus.
Da bei dieser Schätzung vorwiegend Angaben aus dem
Ausland auf Deutschland übertragen wurden, sieht die
Landesregierung "keine nachvollziehbaren Zahlen"
in dem TI-Papier. Dennoch sei die Korruption auch im
deutschen Gesundheitssystem ein Problem. Hier habe nach
Einschätzung des Sozialministeriums aber insbesondere die
letzte Gesundheitsreform aus dem Jahr 2004
"erfolgreich" gegengesteuert. Zu den Maßnahmen
gehören:
- Die Einrichtung von
"Prüfungsstellen zur Bekämpfung von
Fehlverhalten" bei Kassenärztlichen
Vereinigungen und Krankenkassen
- Die Einrichtung eines
"unabhängigen Instituts für Qualität und
Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen" durch die
Krankenkassen
- Der Ausbau von
Transparenz über Angebote, Leistungen, Kosten und
Qualität in der Gesetzlichen Krankenversicherung.
Dies habe die Patientensouveränität erhöht
- Die Verpflichtung zur
Veröffentlichung von Vorstandsgehältern
- Ein
Prüfungsausschuss und eine Beschwerdeausschuss. Sie
durchleuchten seit 1. Januar 2004 die
Wirtschaftlichkeit ärztlicher Leistungen
Die
Verbraucherzentrale Bundesverband teilt die Bedenken von
TI. Sie beklagt, Medikamente würden häufig nicht zum
Wohle des Patienten, sondern zum finanziellen Nutzen des
Arztes verschrieben – etwa wenn sein Computersystem vom
Pharma-Hersteller gesponsert werde. Viele Neuentwicklungen
auf dem Medikamentenmarkt, so die Verbraucherschützer
weiter, seien zudem keine Innovationen, sondern lediglich
teurere Varianten eines bereits bekannten Mittels.
Nach Angaben der Techniker-Krankenkasse sind die
Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen in
Schleswig-Holstein im Vorjahr um mehr als 17 Prozent auf
746 Millionen Euro gestiegen.
mehr Informationen: plenum-online,
Mai
2006
(www.sh-landtag.de/plenumonline/mai2-2006/texte/
14_15_herzkrankheit_gesundheitswesen.htm)
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