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Austermann setzt
auf Kohle
Zwei neue Kraftwerke geplant
Kiel (SHL/15.09.) In
Schleswig-Holstein sollen zwei neue Kohlekraftwerke gebaut werden.
Das kündigte Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) vor dem
Schleswig-Holsteinischen Landtag an. "Ich gehe davon aus, dass
bis zum Jahresende die Entscheidung darüber gefallen ist",
erklärte der Minister in einem von der Regierungskoalition
beantragten Bericht zur Zukunft der Kohle. Zu möglichen Standorten
machte der Minister jedoch keine Angaben.
Durch den beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie
müsse man mittelfristig verstärkt auf Energie aus Kohle
zurückgreifen, sagte der Minister und erhielt dafür im Plenum
breite Zustimmung. Einzig die Grünen sprachen sich gegen die
Kohlekraftwerke aus: "Kohle muss weg, sie macht nur
Dreck", forderte Detlef Matthiessen mit Blick auf den
Kohlendioxid-Ausstoß, der zur Erderwärmung beitrage und damit
verbundenen zum Anstieg des Meeresspiegels – und davon sei
Schleswig-Holstein als Land zwischen den Meeren schließlich
besonders betroffen sei.
Der Minister und die Redner der schwarz-roten
Koalition sprachen sich zudem für den Fortbestand des
Steinkohleabbaus in Deutschland aus.
Der Bericht wurde zur weiteren Beratung an den
Wirtschaftsauschuss überwiesen.
Hauptredner:
Manfred Ritzek (CDU), Olaf Schulze (SPD),
Heiner Garg (FDP), Lars Harms (SSW)
Hintergrund:
Auf Antrag von CDU und SPD
berichtet die Landesregierung über die Perspektiven der
Kohle als Energieträger.
Laut dem Bericht spielt die Kohle bei der
Energieversorgung Schleswig-Holsteins zurzeit eine
unterdurchschnittliche Rolle. Während Stein- und
Braunkohle mit 24,1 Prozent am Primärenergiebedarf
deutschlandweit der zweitwichtigste Energieträger sind
(hinter Mineralöl), liegt die Kohle im Norden mit 11,1
Prozent lediglich an vierter Stelle (hinter Kernenergie,
Mineralöl und Gas). Auch der Anteil an der
Bruttostromerzeugung liegt im Lande mit 15 Prozent
deutlich unter dem Bundesschnitt von knapp 50 Prozent.
Die Kosten für Kohle steigen beständig. So ist
der Preis für Importkohle zwischen 1996 und 2005 von
38,21 Euro auf 65,02 Euro pro Tonne gestiegen. In
Deutschland geförderte Steinkohle wird mit etwa 100 Euro
pro Tonne aus öffentlichen Mitteln subventioniert.
Dennoch wird die Kohle – sowohl als Import wie auch aus
nationaler Förderung – nach Auffassung der
Landesregierung "auf absehbare Zeit
unverzichtbar" bleiben.
Bei der weiteren Verwendung von Kohle setzt das
Landes-Wirtschaftsministerium auf die Steigerung des
Wirkungsgrades von Kohlekraftwerken. Der Wirkungsgrad
beschreibt das Verhältnis von abgegebener zu zugeführter
Leistung und liegt in Deutschland derzeit bei 38 Prozent.
Aufgrund des technischen Fortschritts sei aber ein
Wirkungsgrad von 50 Prozent "vorstellbar".
Zudem wird auf den Umweltaspekt verwiesen. So sei
die CO2-Emission in der deutschen
Stromwirtschaft seit 1990 um 14 Prozent gesunken. Dies
liege unter anderem an der Inbetriebnahme moderner
Kraftwerke in den neuen Ländern und am Ausbau der
Kraft-Wärme-Kopplung. Weitere Fortschritte verspricht
sich die Landesregierung von so genannten
clean-coal-Technologien wie Rauchgaswäsche bei
Kraftwerken.
Der Bericht spricht sich für die Berücksichtigung
dieser modernen Techniken aus, "sollten in nächster
Zeit Investitionsentscheidungen für den Bau neuer
Steinkohlekraftwerke in Schleswig-Holstein getroffen
werden". Wirtschaftsminister Dietrich Austermann
(CDU) hatte im vergangenen Sommer erklärt, das Land stehe
"in Kontakt mit einer international aktiven
Unternehmensgruppe, die beabsichtigt, ein Kohlekraftwerk
mit einer Leistung von 600 bis 800 Megawatt in
Schleswig-Holstein zu bauen". Als Standorte waren
Medienberichten zufolge Brunsbüttel, Kiel und Lübeck im
Gespräch.
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