Opposition:
"Flickschusterei" / Studiengebühren bleiben schwarz-roter
Dauerbrenner
Kiel (SHL/15.09.)
Wissenschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) hat ein
Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Situation an den Hochschulen
vorgelegt. Hintergrund ist die steigende Zahl an Studenten, die sich
an den neun Unis und FHs des Landes einschreiben. In einem von den
Grünen angeregten Regierungsbericht kündigte er an, die
Lehrverpflichtung im ganzen Land von acht auf neuen Wochenstunden zu
erhöhen und die Weiterbeschäftigung von Professoren bis zum 68.
Lebensjahr zu ermöglichen. Auch sollen wissenschaftliche
Mitarbeiter verstärkt in der Lehre eingesetzt werden. Damit, so
Austermann, reagiere das Land auch auf die jüngste OECD-Studie.
Denn: "Deutschland braucht mehr Akademiker." Der
Opposition reichte das Regierungsprogramm nicht aus. Grüne, FDP und
SSW sprachen von einer "Schönfärberei" der
Landesregierung.
Angelika Birk (Grüne) kritisierte, die
Regierung lege bei der Hochschulplanung "völlig
unrealistischen Voraussetzungen" an. Zum Beispiel werde davon
ausgegangen, dass sich die Studier-Neigung in den nächsten Jahren
nicht erhöht. Auch die Mehrbelastung des Lehrpersonals durch die
Einführung der Bachelor- und Master-Abschlüsse werde ignoriert.
Ekkehard Klug (FDP) sah "ein enormes Problembündel" auf
das Land zukommen. Schon jetzt seien die deutschen Unis "akademische
Großküchenbetriebe" und hinkten mit einer Quote von einem
Professor auf 60 Studenten deutlich hinter anderen Ländern wie den
USA hinterher. "Flickschusterei" und keine nachhaltigen
Konzepte warf Anke Spoorendonk (SSW) der Landesregierung vor. Es
gehe kein Weg daran vorbei, in den Ausbau der Hochschulen zu
investieren.
Weiter Disput um Studiengebühren
Innerhalb der Koalition traten die unterschiedlichen
Positionen in der Hochschulpolitik erneut zutage. Minister
Austermann betonte, ein Grund für den Ansturm auf die Unis im
Norden sei die Einführung von Studiengebühren in Hamburg und
Niedersachsen. Dies habe Schleswig-Holstein in eine "faktischen
Insellage" gebracht. Damit nahm er Bezug auf den schwarz-roten
Koalitionsvertrag, der für Schleswig-Holstein Studiengebühren
vorsieht, wenn alle angrenzenden Länder diese eingeführt haben.
Auch Niklas Herbst (CDU) stellte heraus, dass Studiengebühren in
der weiteren Diskussion keine Tabu sein dürften. Jürgen Weber
(SPD) bekräftigte dagegen die Haltung seiner Fraktion gegen
Gebühren.
Dem Bericht zufolge geht die Landesregierung in den
nächsten Jahren von einem deutlichen Anstieg an Studienanfängern
aus. Bis 2011 wird ein Zuwachs von 34,5 Prozent gegenüber 2005 auf
10.912 Neu-Studenten erwartet. Danach soll die Zahl wieder auf den
aktuellen Stand absinken, bis 2016 ein neuer Höchstwert mit 13.562
ins Haus steht. Der Grund hierfür ist, dass in diesem Jahr aufgrund
der Umstellung auf das zwölfjährige Abitur ein "Doppel-Jahrgang"
die Schule verlässt.
Der Bildungsausschuss berät den Bericht
abschließend.