Bislang bleibe es vielfach dem Zufall überlassen,
ob ein Kind in der Kindertagesstätte Fastfood auspackt
oder ein gesundes Frühstück erhält, drängte Monika Heinold
(Grüne) auf verbindliche Standards. Zugleich verwies sie
auf den nationalen Kindergesundheitsbericht des
Robert-Koch-Institutes. Demnach haben 22 Prozent aller untersuchten
Kinder und Jugendlichen ein falsches Essverhalten, Deshalb müsse
sichergestellt werden, dass an allen Ganztagsschulen Kantinen
vorhanden sind, in denen warme – und gesunde – Mittagessen
ausgegeben werden.
Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) warnte
hingegen davor, Erziehern und Pädagogen "das
Problembewusstsein abzusprechen". Nicht alles, was vorgeschrieben
werde, sei immer gleich besser, sagte sie und warf den Grünen vor,
"Politik von oben herab" betreiben zu wollen.
Stimmen aus dem Plenum:
Heike Franzen (CDU): In vielen Familien ist
das Wissen um die Zubereitung von frischen Mahlzeiten schlicht
verloren gegangen. Deshalb ist es wichtig, jungen Familien und ihren
Kindern den Umgang mit einer ausgewogenen Ernährung und Bewegung
wieder näher zu bringen.
Astrid Höfs (SPD): Grundsätzlich liegt die
Verantwortung für die Ernährung bei den Eltern. Andererseits
können sich viele Familien heutzutage keine ausgewogene Kost mehr leisten. Frühstück und Mittagessen beschränken sich häufig
darauf, dass die Kinder morgens zwei bis drei Euro in die Hand
gedrückt bekommen.
Heiner Garg (FDP): Das Problem der falschen
Ernährung ist nicht wegzudiskutieren. Die überflüssigen Pfunde
auf kindlichen Hüften und Gelenken verursachen oftmals fatale
Spätfolgen wie Diabetes, Bluthochdruck, Gallensteine und Gelenkschäden. Die mittelbaren Folgekosten für das deutsche
Gesundheitssystem werden inzwischen auf zwölf Milliarden Euro
geschätzt.
Lars Harms (SSW): Mit preußischem
Obrigkeitsstaat fördert man keine moderne Esskultur. Ich will keine
Kantine, bei der sich die Kinder von Hartz IV-Empfängern in eine
andere Schlange stellen, einen Armutsausweis vorzeigen müssen oder
allein durch die Zahlung eines anderes Preises stigmatisiert werden.