Die Abgeordneten kritisierten geschlossen die
Entscheidung des US-Konzerns, waren über die Konsequenzen aus
dieser "Katastrophe" für die heimische Wirtschaft aber
uneins. Während CDU, SPD und FDP auch weiterhin Weltkonzerne mit
Fördergeldern ins Land locken wollen, sprachen sich Grüne und
SSW dafür aus, die Subventionen künftig auf heimische kleine und
mittelständische Unternehmen zu konzentrieren.
Der weltweit zweitgrößte Handyhersteller hat
Ende August angekündigt, seine Logistik-Sparte in Flensburg mit
700 Arbeitsplätzen zu schließen und nach Alsdorf bei Aachen zu
verlegen. Motorola hatte seit 1994 insgesamt 26 Millionen Euro an
Fördermitteln erhalten, davon aber einen Teil wieder
zurückzahlen müssen. Nach der Verlagerung der gesamten
Handy-Produktion von Flensburg nach Asien und dem Ende der
Logistik-Sparte bleiben von einst mehr als 3.000 Mitarbeitern noch
rund 200 Beschäftigte im ehemals modernsten Handy-Werk Europas.
Austermann: "Wir haben alle
Möglichkeiten ausgeschöpft"
Die Telekommunikation-Firma hatte zuletzt einen
Rückschlag auf den Weltmärkten hinnehmen müssen – der
weltweite Marktanteil sank im ersten Halbjahr 2007 von 21,9 auf
14,6 Prozent. Minister Austermann berichtete, die Landesregierung
habe seit Ende 2006 mit dem Konzern im Kontakt gestanden und sich
intensiv um den Erhalt der Arbeitsplätze bemüht. Zuletzt habe
er, bei einer kurzfristigen USA-Reise mit Ministerpräsident
Carstensen im August, noch einmal 6,5 Millionen Euro Fördergelder
in Aussicht gestellt. "Wir haben alle Möglichkeiten
ausgeschöpft", so Austermann.
Johannes Callsen (CDU) warf der
Motorola-Konzernführung "Defizite in der Modellpolitik"
vor und dankte Carstensen und Austermann für ihren "großen
persönlicher Einsatz". Die Flensburger SPD-Abgeordnete
Ingrid Franzen gab ihrer "Enttäuschung, Ernüchterung, Wut
und Ohnmacht" Ausdruck und erinnerte daran, dass das
Flensburger Werk erst vor kurzem als "bester Betrieb"
ausgezeichnet worden sei: "Welch ein Hohn", so Franzen.
Wie Callsen betonte sie aber, die Millionen-Förderung durch das
Land sei richtig gewesen, weil so über Jahre hinweg
Arbeitsplätze gesichert worden seien.
"Trauriges Ende eines Jobmärchens"
Die Abwanderung sei "nicht vorhersehbar"
gewesen, ergänzte Heiner Garg (FDP). Er machte aber auch
strukturelle Defizite im Lande verantwortlich: Der Standort
Schleswig-Holstein sei "bei arbeitsintensiver, industrieller
Massenproduktion weltweit immer weniger wettbewerbsfähig".
Karl-Martin Hentschel (Grüne) forderte,
Fördergelder des Landes sollten in Zukunft nur noch in solche
Unternehmen fließen, die am Standort auch Forschung und
Entwicklung durchführten. Denn: "Forschung und
Entwicklungsstandorte hängen am Know-how der Mitarbeiter und
können nicht einfach verlagert werden." Anke Spoorendonk
(SSW) zog aus dem "traurigen Ende eines Jobmärchens"
ein ähnliche Konsequenz: "Wir meinen, dass sich die
Wirtschaftspolitik in Zukunft darauf konzentrieren muss, die
Gründung, den Ausbau und die Ansiedlung kleinerer und mittlerer
Unternehmen zu fördern." Weiterhin forderte der SSW von der
Landesregierung eine verstärkte Zusammenarbeit mit Dänemark
sowie einen Aktionsplan zur Förderung des Dänisch-Unterrichts
und fachspezifischer Sprachkurse, um die entlassenen
Motorola-Arbeiter auch über die Grenze zu vermitteln.
Der Wirtschaftsausschuss berät den
Regierungsbericht abschließend.