plenum-online wird während der Tagung ständig aktualisiert. Betätigen Sie bitte bei Aufruf einer Seite die Funktion "Neu laden" , "Aktualisieren" oder "reload", um ggf. die neueste Fassung zu erhalten.  

Auf dieser Seite: Börsengang der Bahn 

xxx

Top 21:
Stellungnahme des Landes zum Börsengang der DB AG

Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Drucksache: 16/1561
-Plenarprotokoll-

Bahn-Börsengang: 

Keine Austermann-Schelte,
aber Schwarz-Rot ist uneinig

Kiel (SHL/14.09.) CDU und SPD haben die von den Grünen geforderte Missbilligung von Verkehrsminister Dietrich Austermann (CDU) wegen dessen positiver Äußerungen zum geplanten Börsengang der Deutschen Bahn AG (DB) abgelehnt. Zuvor hatte Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel geargwöhnt, Austermann habe sich mit seinen Statement, die Trennung von Netz und Betrieb mache "keinen Sinn", einem Landtagsvotum aus dem März widersetzt. Austermann habe lediglich seine "Privatmeinung" geäußert – der schwarz-rote Koalitionsvertrag bleibe maßgeblich, hieß es bei der Koalition. Dennoch traten die unterschiedlichen Auffassungen zur DB-Privatisierung und zur zukünftigen Bewirtschaftung des Schienennetzes erneut zutage. Während der Sozialdemokrat Olaf Schulze betonte, dass "wir die Trennung von Netz und Betrieb unbedingt brauchen", sprach sich der Unionsabgeordnete Hans-Jörn Arp für eine "privilegierte Bewirtschaftung der DB" auf dem Gleisnetz aus.

Austermann selbst verteidigte seine Äußerungen. Der Börsengang bringe acht Milliarden Euro in die Staatskasse, die "zu 100 Prozent" für eine bessere Verkehrsinfrastruktur "auch in Schleswig-Holstein" eingesetzt werden müssten. Die Kontrolle über den Wettbewerb sei bereits jetzt durch die Bundesnetzagentur gegeben.

Die Opposition im Landtag beharrte auf der Netz-Abtrennung. Der Grüne Hentschel betonte, das Schienenetz sei "ein natürliches Monopol" wie die Autobahnen und gehöre deswegen in öffentlichen Besitz, um den freien Wettbewerb zu sichern. Ansonsten, so Hentschel, mache sich der Staat "erpressbar" durch die DB. Lars Harms (SSW) befürchtete, weniger profitable Strecken im ländlichen Raum könnten vernachlässigt werden: "Man könnte nicht mehr beeinflussen, welche Netze ausgebaut werden und welche nicht." Auch der Liberale Heiner Garg machte sich für einen "diskriminierungsfreien Netzzugang" aller Anbieter stark. Nur so seien bessere Leistungen für die Kunden gesichert.

Die Frage, inwieweit das 35.000 Kilometer lange Schienennetz mit privatisiert werden soll, ist der entscheidende Punkt in der Diskussion um den Bahn-Börsengang. Der Gesetzentwurf von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sichert der DB auch weiterhin zu, "Schieneninfrastruktur und Eisenbahninfrastruktur in einer wirtschaftlichen Einheit" zu betreiben. Demnach verpflichtet sich der Bund zur Zahlung von jährlich 2,5 Milliarden Euro für den Unterhalt des Gleissystems. Nach 15 Jahren kann der Bund das Netz zum Verkehrswert zurück erwerben. Tut er das nicht, bleibt das Eigentum dem Entwurf zufolge weitere zehn Jahre bei der Bahn, heißt es dem vorliegenden Gesetzentwurf..

Kritiker sehen in dem geplanten weitreichenden Einfluss der DB auf das Schienennetz Wettbewerbs-Nachteile für private Mitbewerber, die in Schleswig-Holstein 47 Prozent des Eisenbahn-Marktes bedienen. Auch die Verkehrsministerkonferenz der Länder hatte sich Ende August skeptisch geäußert und eine Studie in Auftrag gegeben, die am kommenden Wochenende vorliegen soll.

Der Wirtschaftsausschuss berät weiter.

Druckversion

zurück zum Textanfang

Hintergrund:
  Die Grünen fordern die Landesregierung auf, sich im Bundesrat gegen die von der Bundesregierung im Juli auf den Weg gebrachte Teilprivatisierung der Deutschen Bahn AG (DB) zu wenden. Zugleich kritisiert die Oppositionsfraktion Landesverkehrsminister Dietrich Austermann (CDU), der sich laut Pressemeldungen positiv zu dem Berliner Entwurf geäußert hat. Austermann wird mit der Aussage zitiert, eine Trennung von Schienennetz und Zugbetrieb, wie von Kritikern der Privatisierungspläne gefordert, mache aus seiner Sicht "keinen Sinn". Damit, so die Grünen, widerspreche der Minister einem Landtagsbeschluss vom März dieses Jahres (plenum-online, März 2007). Damals hatte das Parlament mit großer Mehrheit einen Beschluss verabschiedet, in dem es heißt: "Ziel ist es weiterhin, eine Trennung von Netz und Betrieb herbeizuführen."
  Die Frage, inwieweit das 35.000 Kilometer lange Schienennetz mit privatisiert werden soll, ist der entscheidende Punkt in der Diskussion um den Bahn-Börsengang. Der Gesetzentwurf von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sichert der DB auch weiterhin einen großen Einfluss auf die Gleise zu. Demnach kann die DB "Schieneninfrastruktur und Eisenbahninfrastruktur in einer wirtschaftlichen Einheit betreiben und bilanzieren". Der Bund verpflichtet sich zur Zahlung von 2,5 Milliarden Euro für den Unterhalt des Gleissystems. Trifft der Bund nach 15 Jahren keine andere Entscheidung, bleibt das Eigentum dem Entwurf zufolge weitere zehn Jahre bei der Bahn. Kritiker sehen in dem geplanten weitreichenden Einfluss der DB auf das Schienennetz Wettbewerbs-Nachteile für private Mitbewerber, die in Schleswig-Holstein etwa 20 Prozent des Eisenbahn-Marktes bedienen.
  Zudem wird befürchtet, die DB könne sich in ihrer Geschäftspolitik zu stark nach den Interessen von Finanzinvestoren ausrichten, die bis zu 49 Prozent der Anteile an dem Konzern übernehmen sollen. Mögliche Konsequenz: Weniger profitable Strecken im ländlichen Raum könnten vernachlässigt werden. Die Länder, die für den Schienen-Nahverkehr zuständig sind, fordern deshalb mehrheitlich eine größere Kontrolle über die Investitionen in diesem Bereich. Dies hat auch eine Sonderkonferenz der Landesverkehrsminister Anfang August unterstrichen. Ein von den Ländern in Auftrag gegebenes Gutachten über die Folgen der Bahn-Privatisierung soll bis zum 15. September vorliegen.

zurück zum Textanfang

* * * * *

 

Themen-Übersicht

A k t u e l l e s

Der Landtag trauert...
um Ursula Röper und
Peter Bendixen

Regierungs-Erklärung zur
Kreisreform

Persönliche Erklärung von
Ralf Stegner

Dringlichkeit: - - -

Außerdem notiert: 

I n n e n  / R e c h t

2. Lesung:
Kreisreform / Volksinitiative
(ohne Aussprache)
1. Lesungen:
Wahlgesetz/Frauenquote
Hafensicherheit

Regierungs-Erklärung zur
Kreisreform

Berichte:
Bericht Petitionsausschuss
(ohne Aussprache)
BVG-Verfahren Landesverwaltungsgestz
(ohne Aussprache)

F i n a n z e nt

1. Lesung:
Glücksspielwesen / Staatsvertrag
Antrag:
Liegenschaft in Pinneberg
(ohne Aussprache)
Bericht:
Bericht Investitionsbank
(ohne Aussprache)

S o z i a l e s  / A r b e i t  / G e s u n d h e i t

Anträge:
Armutsbekämpfung
Pflegereform
Aktionsplan Demenz
Ernährung in KiTa u. Schulen
Atomkraftwerke / Genehmigungsverfahren
RAPEX-Verbraucherschutz
(ohne Aussprache)
Krankenhaus-Finanzierung
(ohne Aussprache)
Berichte:
Kinder-Gesundheitsbericht
Sprachförderung
Senioren mit Handicap
Krebsregister
Ausbildung Altenpflege
(ohne Aussprache)
Barrierefreies Fernsehen
(ohne Aussprache)

W i r t s c h a f t  /
V e r k e h r  /  T e c h n i k

Anträge:
Motorola-Werk Flensburg
Mindestlohn-Regelung
Börsengang der Bahn
Berichte:
Fischerei in Nord- u- Ostsee
Nordseehafen-Kooperation
EU-Dienstleistungs-Richtlinie
Kohlekraftwerke
(ohne Aussprache)

 A g r a r  /  U m w e l t  / 
E n e r g i e  / F o r s t e n

2. Lesung:
Bodenschutz / Staatsvertrag
(ohne Aussprache)
1. Lesung:
Landesforsten
Anträge:
EU-Agrarsubvention
Gen-Saatgut
Bericht:
EU-Meerespolitik
Energie-Einsparverordnung
(ohne Aussprache)

 B i l d u n g  /  K u l t u r  / W i s s e n s c h a f t

2. Lesungen:
Schülerbeförderungs-Kosten
Schulgesetz/Rückstellung
(ohne Aussprache)
Schulgesetz/
Gemeinschaftsschule

(ohne Aussprache)
1. Lesung:
Freie Schulen
Anträge:
Berufsbildungs-Institut
Uni Flensburg
Leseförderung
(ohne Aussprache)
Berichte:
Eingangsphase Grundschule
Stundenzahl/Lehrer
(ohne Aussprache)
Sprachheilpädagogik
(ohne Aussprache)
Schulfach Informatik
(ohne Aussprache)
Ganztagsschulen
(ohne Aussprache)
Studiengebühren / Volksini
(ohne Aussprache)
Unterrichtssituation
(ohne Aussprache)
Stiftung Landesmuseen Schloss Gottorf
(ohne Aussprache)

 E u r o p a  / O s t s e e –
k o o p e r a t i o n

Antrag:
EU-Agrarsubvention
Bericht:
EU-Dienstleistungs-Richtlinie