Kiel (SHL/14.09.)
Die Opposition hat einen Bericht der Landesregierung zur bis zu drei
Jahre dauernden Eingangsphase in der Grundschule kritisiert. Vor
allem die FDP, die das Papier angefordert hatte, bezeichnete den von
Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) vorgestellten Bericht als
unbefriedigend. Der Bericht legt dar, dass die Kinder mit sehr
unterschiedlichen Erwartungen und Fähigkeiten in die Grundschule
kommen. Dieser "Herausforderung" sollen die Lehrer mit
"handlungs- und projektorientierten Lernformen" und einer
"flexiblen Organisation von Lerngruppen und Lernzeiten"
begegnen. Laut den Zahlen des Bildungsministeriums absolviert die
große Mehrheit der Schüler die Eingangsphase in zwei Jahren.
Lediglich 104 Schüler haben im Schuljahr 2006/07 ein Schuljahr
übersprungen und damit die Phase in einem Jahr durchlaufen – das
entspricht 0,1 Prozent aller Grundschüler. 1.524 Schüler haben die
Eingangsphase in drei Jahren durchlaufen (1,3 Prozent).
"Das Bildungsministerium neigt dazu, ein eher
idyllisches Bild von der Schulwirklichkeit in der Grundschule zu
zeichnen", konstatierte FDP-Bildungsexperte Ekkehard Klug.
Tatsächlich gebe es zwischen einzelnen Grundschulen ein zum Teil
"erhebliches Gefälle", sowohl im sozialen Umfeld als auch
bei der Unterrichtsmethodik. Karl-Martin Hentschel (Grüne)
bemängelte, ihm fehle die Gewährleistung, dass Schulen in sozialen
Brennpunkten durch den Einsatz von mehr Lehrern gefördert werden:
"Ich kann die flexible Eingangsstufe nicht unterstützen, wenn
dies bedeutet, dass schwächere Kinder länger die Schulbank
drücken und dann später die älteren sind", so Hentschel.
Anke Spoorendonk (SSW) fügte an, ihr sei der Bericht zu pauschal
und beziehe sich mehr auf den Soll-, denn auf den Ist-Zustand.
CDU und SPD gestanden ein, dass sich die flexible
Eingangsphase noch im Testdurchlauf befände, wiesen aber zugleich
die Kritik der Opposition zurück. "In Deutschland wurde die
Idee, alle Kinder, egal welcher sozialen Herkunft, wenigstens in den
ersten Schuljahren gemeinsam zu unterrichten, durch ein
Grundschulgesetz von 1920 reichsweit eingeführt. Ich habe den
Eindruck, Sie wollen in die Zeit davor zurück", hielt Detlef
Buder (SPD) den Liberalen vor vor. Und Sylvia Eisenberg (CDU)
äußerte die Hoffnung, dass sich der prozentuale Anteil der Kinder,
die die Eingangsstufe in drei Jahren durchlaufen verringert und sich
die Zahl der einjährigen Absolventen erhöht: "Erst dann
werden wir mit der flexiblen Eingangsstufe Erfolg haben und können
von einer gelungenen Förderung der Schwachen, aber auch der Starken
sprechen."
Mit dem Bericht beschäftigt sich nun abschließend
der Bildungsausschuss.