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Sprachförderung in Schleswig-Holstein
Landtagsbeschluss vom 23. März 2007 – Drucksache 16/1299
Federführend ist das Ministerium für Bildung und Frauen
Drucksache: 16/1463
-Plenarprotokoll-

Sprachförderung soll Migrantenkinder fit machen

Plenum stellt Landesprogrammen gutes Zeugnis aus

Kiel (SHL/14.09.) Auf die große Bedeutung der Sprachförderung im Kindergarten und in der Grundschule hat Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) in einem Regierungsbericht hingewiesen. Intensives Deutsch-Training sei für Kinder mit Förderbedarf, etwa aus Migrantenfamilien, eine "ganz entscheidende Stellschraube" für eine positive Entwicklung. Die Landesregierung werde bis 2010 insgesamt 27 Millionen Euro für diesen Zweck investieren. Die Fraktionen stellten den Landesprogrammen in diesem Bereich wie der Sprach-Intensivförderung SPRINT und den 50 DaZ-Zentren ("Deutsch als Zweitsprache") ein gutes Zeugnis aus. Die Opposition meldete aber auch Nachbesserungsbedarf an.

Insgesamt gebe es bei zehn Prozent der ABC-Schützen Nachholbedarf, berichtete die Ministerin. Hiervon hätten zwei Drittel einen Migrationshintergrund. Durch die Sprachkurse, so Erdsiek-Rave, sollten die Migranten zu einem besseren Schulabschluss befähigt und die derzeitige "Schieflage" beseitigt werden. Zurzeit besuchen 50 Prozent der Migrantenkinder die Hauptschule und nur 15 Prozent das Gymnasium.

Während Heike Franzen (CDU) und Henning Höppner (SPD) das Land als "gut aufgestellt" ansahen, forderte Ekkehard Klug (FDP) "ein regionales Netzwerk stationärer Sprach-Intensivförderung" nach Vorbild des Projekts "Lautstark" in Meldorf. Dies sei wegen der bevorstehenden landesweiten Schließung der Sprachheilgrundschulen nötig. Angelika Birk (Grüne) forderte, die Schuleingangsuntersuchungen vorzuverlegen, um Defizite früher zu erkennen. Für den SSW machte sich Anke Spoorendonk (SSW) für eine "Entwicklung hin zu klar definierten Gruppen", zum Beispiel von Kindern mit Migrationshintergrund, stark.

Laut dem Regierungsbericht werden die schleswig-holsteinischen Kinder im Vorschulbereich in den KiTas durch Sprachheilkräfte gefördert. In den SPRINT-Kursen besuchen die Kinder im 20-Wochen-Zeitraum zwischen der Schulanmeldung und der Einschulung Sprachkurse mit mindestens zehn Wochenstunden. Bis 2010 soll in jedem Kindergarten mindestens eine fortgebildete Erzieherin die Sprachförderung verantwortlich betreuen. 6.000 Erzieherinnen seien bereits qualifiziert, berichtete Ministerin Erdsiek-Rave. An den Grundschulen sollen betroffene Kinder integrativ mit Kindern ohne Förderbedarf gemeinsam lernen. Laut Bericht sind im Vorjahr 65 Prozent aller Kinder mit Sprach-Förderbedarf so unterrichtet worden.

Der Bericht wird im Bildungsausschuss abschließend beraten.

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Hintergrund:
  Die Landesregierung berichtet dem Landtag über die vorschulische und die schulische Sprachförderung im Lande. Der Bericht beruht auf parlamentarischen Initiativen von Grünen, FDP sowie CDU und SPD.
  Im Vorschulbereich werden die Kinder in den KiTas gefördert. Zudem gibt es für Kinder, bei denen im Einschulungsgespräch Defizite auffallen, das Projekt "SPRINT" (Sprachintensivförderung).
  An den KiTas werden drei- bis sechsjährige Kinder mit besonderen Sprachauffälligkeiten und Sprachstörungen durch Sprachheilkräfte aus den Förderzentren für behinderte Kinder unterstützt. Um die Sprachkompetenz von Kindern mit Migrationshintergrund in der Zweitsprache Deutsch besser einschätzen zu können und um das jeweilige Kind gezielt zu fördern, wurde das Beobachtungsverfahren "SISMIK" (Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrationskindern im Kindergarten) erarbeitet. Bis 2010 soll in jedem Kindergarten mindestens eine fortgebildete Erzieherin die Sprachförderung verantwortlich betreuen.
  Seit 2005 wird in Schleswig-Holstein bei allen Kindern im Einschulungsgespräch auch der Sprachstand bewertet. Ergeben sich Hinweise auf Sprachdefizite, erfolgt eine zweite Untersuchung mit Fachkräften. Bestätigen sich erheblichen Defizite, erfolgt im letzten Halbjahr vor der Einschulung SPRINT: Die Kinder besuchen im 20-Wochen-Zeitraum zwischen der Schulanmeldung und der Einschulung Sprachkurse mit mindestens zehn Wochenstunden. Wird nach den SPRINT-Kursen ein weiterer Förderbedarf festgestellt, wird die Förderung von der Schule fortgesetzt. Mit dem neuen Schulgesetz wird die Teilnahme an solchen vorschulischen Sprachkursen Pflicht für alle Kinder mit entsprechendem Förderbedarf.
  Bei den Einschulungsgesprächen zum Schuljahr 2007/08 wurden von 27.518 Kindern bei 2.691 sprachliche Defizite festgestellt. Von diesen Kindern haben 63,5 Prozent einen Migrationshintergrund. Der Anteil der Kinder mit Förderbedarf variiert stark: In den ländlichen Gegenden, etwa in Nordfriesland und Ostholstein, liegt er um die fünf Prozent, in Flensburg dagegen bei über 18 Prozent.
  Das Land hat im Jahr 2006 insgesamt 1,8 Millionen Euro für das Sprach-Training zur Verfügung gestellt. 2007 sind es knapp 3,5 Millionen. Die Grünen hatten in ihrem ursprünglichen Antrag vom Januar auf Probleme in Kindertagesstätten bei der Umsetzung der Sprachförderung verwiesen.
  Nach Vorstellung des Bildungsministeriums sollen im Schulbereich betroffene Kinder in Grundschulen integrativ mit Kindern ohne Förderbedarf gemeinsam lernen. Laut Bericht sind im Vorjahr 65 Prozent aller Kinder mit Sprach-Förderbedarf so unterrichtet worden. Die Gesamtzahl der Schulkinder mit Sprachbeeinträchtigung ist laut dem Bericht in den letzten Jahren gesunken, weil die frühzeitige Prävention schon im Vorschulbereich greife.
  Schüler ohne oder mit äußerst geringen Deutschkenntnissen werden an so genannten DaZ-Zentren ("Deutsch als Zweitsprache") unterrichtet. Insgesamt stehen für die Sprachförderung an Grund,- Haupt- und Realschulen landesweit 220 Planstellen zur Verfügung.
  Die FDP hatte sich im Februar gegen die Integrationspläne der Landesregierung gestellt und sich für den Erhalt der Sprachförderschulen in Preetz (zurzeit 12 Schüler), Lübeck (100) und Bad Schwartau (60) stark gemacht. Die Eltern der Preetzer Schüler haben sich unterdessen an den Petitionsausschuss des Landtages gerichtet.

Debatten zum Antrag: plenum-online, Februar 2007
(www.sh-landtag.de/plenumonline/februar2007/
texte/17_sprachheilpaedagogik.htm)

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Berichte:
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