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Top 42:
Sprachförderung in Schleswig-Holstein
Landtagsbeschluss vom 23. März 2007 – Drucksache 16/1299
Federführend ist das Ministerium für Bildung und Frauen |
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Sprachförderung soll
Migrantenkinder fit machen
Plenum stellt Landesprogrammen gutes Zeugnis aus
Kiel (SHL/14.09.) Auf
die große Bedeutung der Sprachförderung im Kindergarten und in der
Grundschule hat Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) in einem
Regierungsbericht hingewiesen. Intensives Deutsch-Training sei für
Kinder mit Förderbedarf, etwa aus Migrantenfamilien, eine
"ganz entscheidende Stellschraube" für eine positive
Entwicklung. Die Landesregierung werde bis 2010 insgesamt 27
Millionen Euro für diesen Zweck investieren. Die Fraktionen
stellten den Landesprogrammen in diesem Bereich wie der
Sprach-Intensivförderung SPRINT und den 50 DaZ-Zentren
("Deutsch als Zweitsprache") ein gutes Zeugnis aus. Die
Opposition meldete aber auch Nachbesserungsbedarf an.
Insgesamt gebe es bei zehn Prozent der ABC-Schützen
Nachholbedarf, berichtete die Ministerin. Hiervon hätten zwei
Drittel einen Migrationshintergrund. Durch die Sprachkurse, so
Erdsiek-Rave, sollten die Migranten zu einem besseren Schulabschluss
befähigt und die derzeitige "Schieflage" beseitigt
werden. Zurzeit besuchen 50 Prozent der Migrantenkinder die
Hauptschule und nur 15 Prozent das Gymnasium.
Während Heike Franzen (CDU) und Henning Höppner
(SPD) das Land als "gut aufgestellt" ansahen, forderte
Ekkehard Klug (FDP) "ein regionales Netzwerk stationärer
Sprach-Intensivförderung" nach Vorbild des Projekts
"Lautstark" in Meldorf. Dies sei wegen der bevorstehenden
landesweiten Schließung der Sprachheilgrundschulen nötig. Angelika
Birk (Grüne) forderte, die Schuleingangsuntersuchungen
vorzuverlegen, um Defizite früher zu erkennen. Für den SSW machte
sich Anke Spoorendonk (SSW) für eine "Entwicklung hin zu klar
definierten Gruppen", zum Beispiel von Kindern mit
Migrationshintergrund, stark.
Laut dem Regierungsbericht werden die
schleswig-holsteinischen Kinder im Vorschulbereich in den KiTas
durch Sprachheilkräfte gefördert. In den SPRINT-Kursen besuchen
die Kinder im 20-Wochen-Zeitraum zwischen der Schulanmeldung und der
Einschulung Sprachkurse mit mindestens zehn Wochenstunden. Bis 2010
soll in jedem Kindergarten mindestens eine fortgebildete Erzieherin
die Sprachförderung verantwortlich betreuen. 6.000 Erzieherinnen
seien bereits qualifiziert, berichtete Ministerin Erdsiek-Rave. An
den Grundschulen sollen betroffene Kinder integrativ mit Kindern
ohne Förderbedarf gemeinsam lernen. Laut Bericht sind im Vorjahr 65
Prozent aller Kinder mit Sprach-Förderbedarf so unterrichtet
worden.
Der Bericht wird im Bildungsausschuss abschließend
beraten.
Hintergrund:
Die Landesregierung berichtet dem Landtag über
die vorschulische und die schulische Sprachförderung im
Lande. Der Bericht beruht auf parlamentarischen
Initiativen von Grünen, FDP sowie CDU und SPD.
Im Vorschulbereich werden die Kinder in den KiTas
gefördert. Zudem gibt es für Kinder, bei denen im
Einschulungsgespräch Defizite auffallen, das Projekt
"SPRINT" (Sprachintensivförderung).
An den KiTas werden drei- bis sechsjährige Kinder
mit besonderen Sprachauffälligkeiten und Sprachstörungen
durch Sprachheilkräfte aus den Förderzentren für
behinderte Kinder unterstützt. Um die Sprachkompetenz von
Kindern mit Migrationshintergrund in der Zweitsprache
Deutsch besser einschätzen zu können und um das
jeweilige Kind gezielt zu fördern, wurde das
Beobachtungsverfahren "SISMIK" (Sprachverhalten
und Interesse an Sprache bei Migrationskindern im
Kindergarten) erarbeitet. Bis 2010 soll in jedem Kindergarten
mindestens eine fortgebildete Erzieherin die
Sprachförderung verantwortlich betreuen.
Seit 2005 wird in Schleswig-Holstein bei allen
Kindern im Einschulungsgespräch auch der Sprachstand bewertet.
Ergeben sich Hinweise auf Sprachdefizite, erfolgt eine
zweite Untersuchung mit Fachkräften. Bestätigen sich
erheblichen Defizite, erfolgt im letzten Halbjahr vor der
Einschulung SPRINT: Die Kinder besuchen im
20-Wochen-Zeitraum zwischen der Schulanmeldung und der
Einschulung Sprachkurse mit mindestens zehn Wochenstunden.
Wird nach den SPRINT-Kursen ein weiterer Förderbedarf
festgestellt, wird die Förderung von der Schule
fortgesetzt. Mit dem neuen Schulgesetz wird die Teilnahme
an solchen vorschulischen Sprachkursen Pflicht für alle
Kinder mit entsprechendem Förderbedarf.
Bei den Einschulungsgesprächen zum Schuljahr
2007/08 wurden von 27.518 Kindern bei 2.691 sprachliche
Defizite festgestellt. Von diesen Kindern haben 63,5
Prozent einen Migrationshintergrund. Der Anteil der Kinder
mit Förderbedarf variiert stark: In den ländlichen
Gegenden, etwa in Nordfriesland und Ostholstein, liegt er
um die fünf Prozent, in Flensburg dagegen bei über 18
Prozent.
Das Land hat im Jahr 2006 insgesamt 1,8 Millionen
Euro für das Sprach-Training zur Verfügung gestellt.
2007 sind es knapp 3,5 Millionen. Die Grünen hatten in
ihrem ursprünglichen Antrag vom Januar auf Probleme in
Kindertagesstätten bei der Umsetzung der Sprachförderung
verwiesen.
Nach Vorstellung des Bildungsministeriums sollen im
Schulbereich betroffene Kinder in Grundschulen
integrativ mit Kindern ohne Förderbedarf gemeinsam
lernen. Laut Bericht sind im Vorjahr 65 Prozent aller
Kinder mit Sprach-Förderbedarf so unterrichtet worden.
Die Gesamtzahl der Schulkinder mit Sprachbeeinträchtigung
ist laut dem Bericht in den letzten Jahren gesunken, weil
die frühzeitige Prävention schon im Vorschulbereich
greife.
Schüler ohne oder mit äußerst geringen
Deutschkenntnissen werden an so genannten DaZ-Zentren
("Deutsch als Zweitsprache") unterrichtet.
Insgesamt stehen für die Sprachförderung an Grund,-
Haupt- und Realschulen landesweit 220 Planstellen zur
Verfügung.
Die FDP hatte sich im Februar gegen die
Integrationspläne der Landesregierung gestellt und sich
für den Erhalt der Sprachförderschulen in Preetz
(zurzeit 12 Schüler), Lübeck (100) und Bad Schwartau
(60) stark gemacht. Die Eltern der Preetzer Schüler haben
sich unterdessen an den Petitionsausschuss des Landtages
gerichtet.
Debatten zum Antrag: plenum-online,
Februar
2007
(www.sh-landtag.de/plenumonline/februar2007/
texte/17_sprachheilpaedagogik.htm)
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